Reaktion auf BGH-Urteil

ABDA: Apotheker freuen sich über Skonti-Freiheiten

Berlin - 05.10.2017, 12:25 Uhr

Friedemann Schmidt: Apotheker müssen als
Freiberufler und Kaufleute möglichst effizient und rational handeln.  (Foto: ABDA)

Friedemann Schmidt: Apotheker müssen als Freiberufler und Kaufleute möglichst effizient und rational handeln.  (Foto: ABDA)


Bei der ABDA freut man sich über die Entscheidung des Bundesgerichthofs, dass pharmazeutische Großhändler Apotheken weiterhin Skonti gewähren dürfen, wenn sie ihre Rechnungen schnell bezahlen. Das Urteil bestätige die Arzneimittelpreisverordnung mit ihrem bundeseinheitlichen Apothekenabgabepreis für rezeptpflichtige Arzneimittel, betont die ABDA. Auch beim Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen atmet man auf.

„Deutschlands Apotheker reagieren positiv auf die heutige Entscheidung des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe, dass pharmazeutische Großhändler weiterhin ein Skonto gewähren dürfen, wenn Apotheken ihre Rechnungen schnell bezahlen“ – das erklärt die ABDA in ihrer Pressemitteilung zum Skonto-Urteil des Bundesgerichtshofs. Damit spricht sie sicherlich vielen Apothekern aus der Seele. Die Entscheidung war von vielen Apothekern mit Sorge erwartet worden. Schließlich hatte die Vorinstanz erklärt, Skonti und Rabatte seien das Gleiche und dürften nicht über eine bestimmte Grenze hinaus gewährt werden. Doch das sieht der Bundesgerichtshof anders.

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt kommentierte: „Deutschlands höchste Richter in Zivilsachen haben die Arzneimittelpreisverordnung bestätigt und Klarheit darüber geschaffen, unter welchen Bedingungen die Apotheken die Arzneimittel beim Großhandel beziehen dürfen“. Damit habe der Bundesgerichtshof die Erwartung von Staat und Gesellschaft bekräftigt, dass Apotheker als Freiberufler und Kaufleute möglichst effizient und rational handeln. So könnten die Apotheken ihrer Aufgabe nachkommen, die wohnortnahe Arzneimittelversorgung zu gewährleisten sowie Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen. Allerdings seien Skonti sehr individuelle Konditionen, die jeder einzelne Apotheker von seinem Großhändler eingeräumt bekomme, erklärte Schmidt.

BVDAK: Nachvollziehbare Entscheidung

Auch der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) Dr. Stefan Hartmann ist zufrieden. Das Urteil des Bundesgerichtshofs sei nachvollziehbar: „Skonti sind kaufmännisch und buchhalterisch etwas ganz anderes als Rabatte. Sie reduzieren nicht den Kaufpreis, sondern sind eine Gegenleistung für die zeitnahe Zahlung.“ Hätte sich der BGH anders entschieden, so Hartmann, wäre die wirtschaftliche Grundlage der stationären Apotheken in Deutschland massiv beschädigt worden. „Ich bin froh, dass nach dem negativen EuGH-Urteil nicht noch ein weiterer Ertragsverlust auf uns zukommt.“

ABDA verweist auf Bedeutung der Arzneimittelpreisverordnung

Die ABDA nutzt ihre Pressemitteilung zum BGH-Urteil zudem, um nochmals auf die Bedeutung der Arzneimittelpreisverordnung hinzuweisen. Wohl nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass der Europäische Gerichtshof diese vor gut einem Jahr für EU-ausländische Versandapotheken für nicht bindend befunden hatte. Sie sei „eine tragende ordnungspolitische Säule des deutschen Gesundheitswesens und seiner Arzneimittelversorgung“, erklärt die ABDA: Ausgehend vom Herstellerabgabepreis führten gesetzlich festgelegte Zuschläge für Großhandel und Apotheke sowie die Mehrwertsteuer zu einem bundeseinheitlichen Apothekenabgabepreis für jedes rezeptpflichtige Medikament. Damit würden das Sachleistungsprinzip und der Kostendämpfungsmechanismus in der GKV ermöglicht, aber auch der Verbraucherschutz gestärkt – denn Patienten seien davor geschützt, dass ihre Notlage durch überhöhte Preise ausgenutzt wird. Mittel- und langfristig verhindere sie zudem qualitätsminderndes Preisdumping und sichert die flächendeckende Versorgung durch ein Netz wohnortnaher Apotheken. 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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1 Kommentar

ABDA Freuden ?0

von Heiko Barz am 06.10.2017 um 12:23 Uhr

Es war schon immer angenehm, sich des warme Mäntelchen der Untätigkeit umzuhängen, während "Andere" die Kohlen aus dem Feuer holen. Diesen, von der ABDA gefeierten, "Sieg" hätte die Apoorganisation unbedingt selbst erkämpfen müssen. Aber die an der Wand Stehenden mussten das erstreiten, da deren Existenz massiv bedroht wurde.
Während dessen kann sich ja die ABDA um Grundsteinlegung und ähnliche Unwichtigkeiten kümmern. Das ist zweifelsfrei einfacher und angenehmer!

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