Interview Peter Froese (Apothekerverband Schleswig-Holstein)

„Die Jamaika-Koalition funktioniert bei uns erstaunlich reibungslos“

Berlin - 27.09.2017, 10:10 Uhr

Peter Froese, Chef des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, berichtet über seine Erfahrungen mit der Jamaika-Koalition und erklärt, was auf die Apotheker zukommen könnte. (Foto: tmb)

Peter Froese, Chef des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, berichtet über seine Erfahrungen mit der Jamaika-Koalition und erklärt, was auf die Apotheker zukommen könnte. (Foto: tmb)


CDU, Grüne und FDP können voneinander profitieren

DAZ.online: Zurück zu den von Ihnen angesprochenen Leuchtturmprojekten. Was ist denn, wenn Christian Lindner es zu einem solchen Projekt macht, den Apothekenmarkt zu liberalisieren und das Fremdbesitzverbot aufzuheben?

Froese: Das wäre natürlich auch denkbar, aber totaler Unfug. Es gibt keine Probleme, die man mit dem Fremdbesitz lösen kann. Zum Glück haben wir dieses Problem mit der FDP bei uns im Land nicht.

DAZ.online: Sie spielen auf die Position Ihres FDP-Gesundheitsministers Heiner Garg an?

Froese: Erst vor einigen Tagen haben alle Heilberufe in Schleswig-Holstein FDP-Gesundheitsminister Heiner Garg  zu einem gemeinsamen parlamentarischen Abend eingeladen. Seine Kernbotschaft ist: Die Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens geht bei ihm nur mit den Freien Berufen. Er hat ganz klar erklärt, dass er die Forderung der Bundes-FDP nach Aufhebung des Fremdbesitzverbotes für Unfug hält.

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DAZ.online: Aber auch Heiner Garg ist gegen das Rx-Versandverbot.

Froese: Dazu hat er sich nicht geäußert. Umso wichtiger ist es, dass wir FDP und Grünen in den kommenden Wochen noch mehr schlagkräftige Argumente liefern, die zeigen, dass man den Rx-Versand nicht braucht und dass er auch nicht digital ist.

DAZ.online: Sie sprechen etwas Wichtiges an. Für FDP und Grüne war das Thema Digitalisierung sehr wichtig im Wahlkampf. Wie schwer wird es, beiden Parteien das Verbot des Versandhandels mit Rx-Medikamenten nahezubringen?

Froese: Da haben Sie natürlich Recht. Es wird bei beiden Parteien unheimlich schwer werden, Projekte zurückzuschrauben, die mit Digital Health zu tun haben. Aber das wollen wir auch gar nicht, ganz im Gegenteil. Wir aus Schleswig-Holstein haben auf dem Apothekertag mit mehreren Anträgen zur Digitalisierung in den Apotheken gezeigt, dass wir das Thema innovativ anpacken wollen – aber nicht um jeden Preis. Beim Versandhandel mit Rx-Arzneimitteln geht es darum, den Parteien zu zeigen, dass der Rx-Versand absolut keine digitale Komponente hat und sich nachhaltig negativ auf die Versorgungsstruktur auswirkt. Da geht es nur und ausschließlich um ein simples Geschäftsmodell, nicht um Digitalisierung.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Digitalisierte Arzneimittel?

von G. Wagner am 27.09.2017 um 18:44 Uhr

Ein interessantes Interview mit klugen Antworten. Nur: Was hat der Versandhandel mit der Digitalisierung zu tun?

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