Medikationsmanagement

ARMIN geht in die Verlängerung

Berlin - 27.09.2017, 11:30 Uhr

 Polymedikation? Arbeiten Apotheker und Arzt zusammen, kann dies dem Patienten nur helfen. (Foto: Robert Kneschke / stock.adobe.com)

Polymedikation? Arbeiten Apotheker und Arzt zusammen, kann dies dem Patienten nur helfen. (Foto: Robert Kneschke / stock.adobe.com)


Im März 2014 fiel der Startschuss für ARMIN – die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen. Das Modellvorhaben von Apothekern und Ärzten kommt seitdem nur langsam in die Gänge. Insbesondere die Ärzte und ihre Software-Anbieter hinken hinterher. Dennoch wollen die Vertragspartner an ihm festhalten. Nun wurde eine Verlängerung bis Ende März 2022 beschlossen.

ARMIN soll ein Vorzeigeprojekt für die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern zum Wohle der Patienten mit Polymedikation sein. Basierend auf dem ABDA-KBV-Modell riefen es die AOK Plus, die Kassenärztlichen Vereinigungen Sachsens und Thüringens sowie die Apothekerverbände der beiden Bundesländer, ins Leben. Grundlage dafür war sogar eine Gesetzesänderung, die Apotheker und Ärzte aufforderte, ein solches Projekt zu starten. Vor dreieinhalb Jahren fiel der offizielle Startschuss – und die drei Säulen, auf denen ARMIN beruht, wurden nach und nach aufgebaut: Zuerst die Wirkstoffverordnung, dann der Medikationskatalog und – als Krönung für die Apotheker – das Medikationsmanagement, das durch einen elektronischen Datenaustausch zwischen Arzt und Apotheker erfolgt. Vor allem die Apotheker legten viel Herzblut in das Projekt. Als Problem erwiesen sich jedoch die Teilnahmebereitschaft der Ärzte und vor allem deren mannigfaltige und schwer unter einen Hut zu bekommende Praxissoftware. 

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Auch deswegen geht es nur langsam voran: Ende Juli 2017 machten 510 sächsische und 465 thüringische Apotheken mit bei ARMIN. Bei den Ärzten ist die Beteiligung geringer: 244 sächsische und 311 thüringische Mediziner nehmen teil. Angebunden an den Medikationsplanserver waren zu diesem Zeitpunkt allerdings deutlich weniger: nämlich 259 Apotheken und 154 Ärzte. Laut AOK Plus werden von ihnen aber immerhin schon 2500 Versicherte betreut.

Maximale Projekt-Laufzeit soll ausgeschöpft werden

Und auch wenn noch immer Hürden zu überwinden sind: Die Beteiligten bleiben überzeugt von ihrem Projekt und sehen die bisherigen großen Anstrengungen durch positive Entwicklungen in den vergangenen Monaten gerechtfertigt. Ganz in diesem Sinne verkünden sie nun, dass sie die Verlängerung des Modellvorhabens bis zum 31. März 2022 beschlossen habe. Damit wird die gesetzlich maximal mögliche Laufzeit für ein Modellprojekt gemäß § 63 SGB V von acht Jahren komplett ausgeschöpft.

„Die Rückmeldungen von Ärzten und Apothekern mit teilweise mehr als 100 gemeinsam betreuten Versicherten sind fast durchgehend positiv“, erklärt der auf AOK-Seite Projektverantwortliche Ulf Maywald. Gelobt werde vor allem die klare fachliche Aufgabenzuordnung im Medikationsmanagement, dem Herzstück von ARMIN, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Projektträger. Mit Blick auf die „teilweise schleppende Anbindung” an den Medikationsplanserver gibt Maywald sich zuversichtlich: „Gemeinsam mit den Softwareherstellern nehmen wir in den Praxen noch auftretende Softwareprobleme auf und lösen sie Schritt für Schritt. Dies sollte dazu führen, dass wir Ärzte und Apotheker, die noch am Medikationsmanagement teilnehmen wollen, recht bald an den Server anbinden und weitere Heilberufler für das Modellvorhaben gewinnen können.“

Forderungen an die Politik und Arzt-Softwarehersteller

Thomas Dittrich, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes, betonte, dass das gemeinsame Medikationsmanagement von Arzt und Apotheker eine klare Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit sei. Es müsse als heilberufliche Leistung Teil des Kollektivvertrags werden. Daher forderte er den Gesetzgeber auf, die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen. Dittrich: „Es darf nicht passieren, dass ein über mehr als vier Jahre etablierter Prozess, der von den Heilberuflern, den Versicherten und der Krankenkasse gewünscht und gelebt wird, wegen gesetzlicher Beschränkungen wieder fallen gelassen werden muss.“

Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, wendet sich vor allem an die Softwarehersteller: „Wir brauchen für die Ärztinnen und Ärzte praktikable Softwarelösungen. Bei ARMIN hat es schlicht zu lange gedauert, bis solche Produkte zur Verfügung standen. Die Hersteller müssen ihre Produkte in Zukunft mehr an den Bedürfnissen ihrer Kunden ausrichten.“ Auerswald hat aber auch eine Botschaft an die Gematik: Anwendungen wie ARMIN müssten auch in die Telematikinfrastruktur überführt werden. Zudem verweist der KV-Vertreter darauf, dass in Teilen Thüringens und auch Sachsens nach wie vor schnelle Internetverbindungen fehlen. Das bedeute für die dortigen Heilberufler enorme Behinderungen, die mit einem teils hohen Zeitaufwand verbunden sind.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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