Satzungsleistung der TK

Studie: Höhere Kassen-Ausgaben bei Homöopathie

Berlin - 22.09.2017, 11:30 Uhr

Spart Homöopathie Kosten? Laut Auswertungen von Daten der Techniker Krankenkasse ist dies nicht der Fall. (Foto: hfd / DAZ.online)

Spart Homöopathie Kosten? Laut Auswertungen von Daten der Techniker Krankenkasse ist dies nicht der Fall. (Foto: hfd / DAZ.online)


2000 Euro Zusatzkosten pro Versichertem

Innerhalb eines Zeitraums von 33 Monaten nach Eintritt in das Homöopathie-Programm hatte die Krankenkasse im Schnitt gut 12.400 Euro Gesamtkosten pro Versicherten, während es bei den übrigen Versicherten nur rund 10.400 Euro waren. Dabei waren nicht die Ausgaben für die homöopathische Behandlung ausschlaggebend: Die größten Kostenunterschiede betrafen Produktivitätsverluste durch Arbeitsunfähigkeit: Hier lagen die Versicherten aus der Homöopathie-Gruppe mit durchschnittlich 6.300 Euro fast 800 Euro über der Vergleichsgruppe. Für alle untersuchten Diagnosen „generieren Homöopathie-Patienten höhere Kosten als die Kontroll-Patienten“, halten die Forscher in ihrer Studie fest.

Dabei nahmen viele Versicherte die Homöopathie-Leistungen nur zu Beginn wahr: Innerhalb eines halben Jahres sank die Zahl „rapide“, schreiben die Wissenschaftler – und nahm innerhalb des Beobachtungszeitraums weiter ab.

Weshalb kommt es zu der Kostensteigerung? „Ich mag nicht sagen, dass es die Schuld der Homöopathen ist“, erklärt Studienautor Reinhold gegenüber DAZ.online. Dennoch gebe es bei Homöopathie grundsätzlich immer das Problem, dass Krankheiten verschleppt werden können, wenn auf andere wirksame Therapien verzichtet wird. „Im Worst-Case kann man auch in eine Situation rutschen, in der eine Heilung gar nicht mehr möglich ist“, erklärt Reinhold.

Doch die Studie konnte diese Frage naturgemäß nicht beantworten, da entsprechende Daten nicht vorliegen. Gleichzeitig macht der Forscher auch auf eine Schwäche der retrospektiven Analyse aufmerksam: In Hinblick auf die der Kasse bekannten Daten sind die beiden Versichertengruppen gut vergleichbar – doch es kann unbekannte Patienteneigenschaften geben, die die Vergleichbarkeit der Gruppen einschränken. Dies könne nur ausgeschlossen werden, indem Versicherte zufällig zur Homöopathie-Behandlung zugeteilt werden, oder nicht. Vorteile der Studie sind hingegen mit rund 43.800 Versicherten die Größe – und dass Patienten aus ganz Deutschland betrachtet wurden.

Ein Pressesprecher der TK nimmt gegenüber DAZ.online zur Frage, wie die Kasse die Ergebnisse bewertet, keine Stellung – sondern verweist lediglich darauf, dass die Studie ja die Vordaten bestätige. Die Kasse evaluiere regelmäßig alle Selektivverträge, betont er. „Die Kosten sind dabei ein wichtiger, aber nicht der einzige Aspekt der Überprüfung“, erklärt der Kassensprecher. Die Frage, inwiefern sich die Kasse im Allgemeinen an dem Ziel orientiert, wirksame und kosteneffektive Therapien zu erstatten, bleibt wiederum unbeantwortet.

In einem Jahr sollten Ergebnisse zu einer weiteren Studie vorliegen: Reinhold untersucht mit seinen Kollegen, wie es den Patienten jeweils geht. Hierzu erheben sie über Fragebögen beispielsweise die Lebensqualität der Versicherten. 



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
hfeldwisch@daz.online


Diesen Artikel teilen:


3 Kommentare

Fakten

von Michael Sauerborn am 13.07.2019 um 8:24 Uhr

Die GKV hat im Jahr 2018 10,5Mio Euro für homöopathische Arzneimittel verwendet. Die entspricht einem Anteil von 0,03% der Gesamtausgaben für Arzneimittel. Bezieht man die Verordnung mit ein, ist der Anteil noch geringer. Wenn ernsthaft eingespart werden soll, dann leite ich nach Pareto mein Vorgehen.
Abgesehen davon werden für Erwachsene keine Kosten erstattet, lediglich für Kinder.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Zahlen endlich auf den Tisch!

von Dr. Hans-Werner Bertelsn am 22.09.2017 um 13:01 Uhr

Die Zahlen müssen endlich auf den Tisch! Pro Zuckerkugel-Patient werden von der Kassenärztlichen Vereinigung bis zu 590.- Euro im Jahr bezahlt! Als Gegenleistung erhalten die Patienten Gespräche und Würfelzucker. Ärzte, die nicht den Selektivvertrag unterzeichnet haben (also keine teuren sogenannten "Fortbildungen" im Zuckerkugel-Phantasialand gemacht haben), bekommen 9.- Euro pro Beratung. Bei durchschnittlichen Betriebskosten von 120.- Euro /Stunde fällt eine Beratung daher sehr kurz aus und endet mit dem schnellen Rezept.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Nebelkerze

von Dr. Hans-Werner Bertelsn am 22.09.2017 um 12:51 Uhr

Na, das ist ja wieder eine wunderschöne Nebelkerze. Wir wollen endlich erfahren, wieviel Gelder der Versicherten über die sogenannten "Selektivverträge" verbrannt werden. Also andere ist nur Spekulation und Bla-Bla.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.