Honorar-Verhandlungen

Knapp eine Milliarde Euro mehr für Kassenärzte

Berlin - 19.09.2017, 17:00 Uhr

Die Ärzte sollen im kommenden Jahr 1 Milliarde Euro mehr bei den Kassen 
abrechnen dürfen. Aber wie genau funktioniert das Ärztehonorar? (Foto: 
Bilderbox)

Die Ärzte sollen im kommenden Jahr 1 Milliarde Euro mehr bei den Kassen abrechnen dürfen. Aber wie genau funktioniert das Ärztehonorar? (Foto: Bilderbox)


KBV: Ergebnis ist nicht erfreulich

In welche Honorarbestandteile die restlichen ca. 410 Millionen Euro im kommenden Jahr fließen sollen, teilten beide Verbände nicht mit. Wie oben beschrieben, handeln die Verbände aber nicht nur den Orientierungspunktwert, sondern auch neue Leistungen aus. So könnten beispielsweise neue extrabudgetäre Leistungen hinzugekommen sein. „Extrabudgetär“ bedeutet, dass die Kassenärzte diese Leistungen außerhalb des Budgets, also ohne eine Mengenbegrenzung abrechnen können. Unklar ist auch, wie das von der Nachrichtenagentur dpa beschriebene Honorarplus von etwa einer Milliarde Euro noch für 2017 zustande kommt.

Laut KBV entspricht die Steigerung des Orientierungspunktwertes einem Plus von 1,18 Prozent im Vergleich zum diesjährigen Wert. KBV-Chef Andreas Gassen teilte mit, dass der Kassenverband in den Verhandlungen eine „Nullrunde“ fahren wollte, was Gassen selbst als „absurd“ bezeichnete. Der GKV-Spitzenverband selbst sagte allerdings nichts zu seinen Verhandlungszielen. Die KBV teilte aber mit, wie das Ergebnis zustande kam: Weil sich beide Seiten in den grundsätzlichen Verhandlungen nicht einigen konnten, musste laut Gassen der Erweiterte Bewertungsausschuss angerufen werden. In diesem Ausschuss können Unparteiische einen Kompromissvorschlag unterbreiten. Stimmt eine der beiden Verhandlungsseiten mit den Unparteiischen für diesen Kompromiss, ist das neue Honorar beschlossene Sache. Gassen bezeichnete das Abstimmungsergebnis für die KBV als „nicht erfreulich“, es sei gegen die Stimmen der Mediziner erzielt worden.

Der KBV-Chef führte aus, dass die Kassenärzte bei der derzeitigen „hervorragenden“ Finanzlage der Krankenkassen und einer „deutlichen“ Steigerung der Löhne und Gehälter in den Arztpraxen „abgehängt“ würden. Er gehe perspektivisch von einer „Versorgungsgefährdung“ aus, erklärte Gassen.

Der GKV-Spitzenverband freute sich hingegen über die Einigung. Johann-Magnus v. Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes erklärte: „Das ist eine maßvolle Entscheidung, die sowohl den Honorarinteressen der niedergelassenen Ärzte als auch denen der Beitragszahler gerecht wird“.

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Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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