Analyse

Apothekenzahl sinkt stärker im Westen

Süsel - 08.09.2017, 12:20 Uhr

Alte Bundesländer besonders betroffen: Einer Analyse von DAZ-Autor Thomas Müller-Bohn zufolge ist die Apothekenzahl in den westlichen Bundesländern viel stärker gesunken als im Osten. (Foto: dpa)

Alte Bundesländer besonders betroffen: Einer Analyse von DAZ-Autor Thomas Müller-Bohn zufolge ist die Apothekenzahl in den westlichen Bundesländern viel stärker gesunken als im Osten. (Foto: dpa)


Neue Bundesländer: Sehr viele Neugründungen nach der Wende

In den östlichen Ländern war die Entwicklung verständlicherweise ganz anders als im Westen. Die Apothekenzahl stieg nach der Wiedervereinigung von 1869 (Ende 1990) auf 3227 (Ende 1998, mit Berliner Anteil), also um 73 Prozent in acht Jahren. Der scheinbare Rückgang in der ABDA-Statistik im Jahr 1999 liegt an der veränderten Zählweise für die Apotheken im östlichen Teil Berlins. Tatsächlich stieg die Apothekenzahl im Osten bis zum Jahr 2000, ging dann geringfügig zurück (um 8 Apotheken zwischen 2000 und 2003) und stieg ab 2004 wieder wegen der Filialisierungsmöglichkeit.

Unter Berücksichtigung der veränderten Zählweise wurde das Maximum im Osten erst 2010 erreicht (3190, Ende 2010, ohne Berliner Anteil). Seitdem geht auch die Zahl der Apotheken in den östlichen Ländern zurück. Ende 2016 betrug sie 3122, was dem Stand von 2007 entspricht (3126; Ende 2007). Das ist ein Rückgang um 2,1 Prozent gegenüber dem Höchstwert. In der selben Zeit sank die Zahl der Apotheken im Westen dagegen um 7,4 Prozent. Gegenüber dem Höchstwert von 1999 gingen im Westen sogar 9,2 Prozent der Apotheken verloren.

Als Erklärung liegt nahe, dass die vielen Neugründungen im Osten in den 1990er Jahren sehr bewusst die Versorgungslücken aus der DDR-Zeit gefüllt haben und die Apotheken daher gleichmäßiger verteilt sein dürften. Außerdem hat sich für die meisten Gründer der 1990er Jahre bisher noch nicht die Frage nach einem Nachfolger gestellt.

Fazit

Diese großen Unterschiede führen dazu, dass die bisher moderate Entwicklung im Osten das Ausmaß der Probleme im Westen verdeckt. Die politische Arbeit sollte sich daher verstärkt auf Daten einzelner Bundesländer stützen. Für die östlichen Länder bedeuten diese Erkenntnisse hingegen keine Entwarnung. Wenn dort öfter die Nachfolgefrage gestellt wird, dürfte sich das Bild dem Westen angleichen. Dann ist zu befürchten, dass die Gesamtzahl der Apotheken in Deutschland noch mehr sinkt als bisher. 



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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