Broschüre zum Rx-Versandverbot

Der Apothekenmarkt aus der Sicht von DocMorris

Berlin - 06.09.2017, 14:10 Uhr

Broschüre zum Versandhandel: Die EU-Versandapotheke DocMorris verschickt an Bundestagskandidaten derzeit eine Informationsbroschüre zum Versandhandels-Konflikt. (Foto: DAZ.online)

Broschüre zum Versandhandel: Die EU-Versandapotheke DocMorris verschickt an Bundestagskandidaten derzeit eine Informationsbroschüre zum Versandhandels-Konflikt. (Foto: DAZ.online)


DocMorris: Rx-Versandhandel gefährdet Apotheken nicht

Zum wiederholten Male stellt DocMorris auch die Behauptung auf, dass die EU-Versender keinerlei Gefahr für die Apotheke vor Ort in Deutschland darstellten. Zur Begründung führt das Unternehmen zunächst an, dass die Apothekenzahl zwar gesunken sei, dies aber nicht am Versandhandel, sondern an Nachwuchsproblemen und dem ländlichen Ärztemangel liege. Ein weiteres DocMorris-Argument ist, dass die Zahl der Beschäftigten in Apotheken seit der Einführung des Versandhandels deutlich angestiegen sei. Ohnehin werde nur jedes hundertste Rezept bei Versandapotheken eingelöst, der Versandhandel alleine habe nur einen Marktanteil von 0,93 Prozent.

Die Niederländer beziehen sich dabei auf nachvollziehbare Zahlen der ABDA, des BMG und der Krankenkassen und erklären weiterhin, dass sich der Gesamtumsatz der Apotheken seit der Einführung des Versandhandels nur gesteigert habe, ebenso wie der Nettoumsatz pro Apotheke. Die Umsätze im Rx-Versandhandel seien seit 2010 sogar zurückgegangen. Dass sich DocMorris nach dem EuGH-Urteil selbst über steigende Rx-Umsätze erfreut, steht in der Broschüre allerdings nicht. Zur Erklärung: Im ersten Quartal 2017 hatte die Versandapotheke bei den Rx-Medikamenten ein Umsatzplus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingefahren.

Werbung für BVDVA-Vorschlag

DocMorris verweist darauf, dass „Experten und Politiker“ zahlreiche Vorschläge vorgelegt hätten, die kein Versandverbot beinhalten. Als Beispiele nennt der EU-Versender den Vorschlag des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA), einen Apothekensystem-internen Ausgleich zwischen Land- und Stadtapotheken zu etablieren, sowie den Vorschlag der SPD und der Grünen, Beratungsleistungen der Apotheker zu vergüten. Dass diese Vorschläge nicht realisiert wurden, liegt laut DocMorris vornehmlich an der ABDA: „Allen Vorschlägen hat sich vor allem der Apothekerverband ABDA widersetzt und abgesehen von einem Verbot noch keine eigene Lösung präsentiert.“

Mit Blick auf den Gesetzentwurf aus dem BMG erinnert das Unternehmen auch daran, dass gleich mehrere Bundesministerien Einspruch gegen das Versandverbot eingelegt hatten. Dass die Holland-Boni zulasten der deutschen Solidargemeinschaft gingen, weist das Unternehmen ebenfalls von sich. Schließlich würden die EU-Versender „einen Teil ihrer Marge“ durch Boni an die Käufer weitergeben. „Den Kranken- und Sozialkassen entgeht dadurch kein einziger Cent“, schreibt DocMorris.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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4 Kommentare

Reaktion

von Florian Becker am 07.09.2017 um 15:26 Uhr

Die meisten der "Argumente" in dieser DocM Werbebroschüre dürften relativ einfach als Scheinargumente zu entlarven sein.
Fragt sich nur, ob sich in der ABDA-Öffentlichkeitsarbeit jemand die Mühe machen wird, darauf zu reagieren.
Eigentlich sollte das selbstverständlich sein.. Leider kann man sich angesichts der Erfahrungen aus der Vergangenheit alles andere als sicher sein, dass das auch passiert.
Es wäre aus meiner Sicht aber absolut sträflich, diese Beeinflussung der Bundestagskandidaten unbeantwortet zu lassen. Denn bis zum Beweis des Gegenteils werden die alles was da steht für bare Münze nehmen!
Und nein, lustige Postkarten sind DARAUF keine adäquate Antwort!!

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Lieferung in 2 Tagen? Haha. Süß.

von Wedel Wink am 06.09.2017 um 21:06 Uhr

Wow - 2 Tage? Hier - in einem Gebiet mit "sehr geringer" Apothekendichte - braucht man maximal 1 Tag unter widrigen Bedingungen. Kühli, BTM, Verbund, Lieferung Botendienst - ihr kennt das ja.
Alles, was so viel länger braucht sind meisten entweder Defekte, Maßanfertigungen oder Herstellerbezüge. Mich würde sehr interessieren, wie dort die "ach so tollen 2 Tage" eingehalten werden wollen.
Nepresol forte? Simsalabin, wir haben da noch was im Keller!
Ridaura? Och guck, gestern erst einen Bananenkarton voll gefunden.
Belsana Strümpfe? Zuuuufällig in genau dieser Größe vorrätig.

Und da hier auf dem Land die Apotheken besser zusammen arbeiten, sich Botendienste teilen, um auch die abgelegenen Dörfer zu erreichen, ist die Immobilität schwerkranker Personen meines Erachtens nach kein Argument für die Versendung per Post.

Aber billiger ist das für die Kassen bestimmt. Denn wie soll man "Pharmazeutische Bedenken" ohne Patientengespräch anbringen? Auch ein "Cito - Notdienst" wird man aller Wahrscheinlichkeit nach vergeblich suchen.

Ich würde gerne sagen "Macht doch - ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt." - Aber dazu hänge ich viel zu sehr an meinem Job und an meinen lieb gewonnenen Kunden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Lieferung in 2 Tagen? Haha. S

von Christian Becker am 07.09.2017 um 7:24 Uhr

"Denn wie soll man "Pharmazeutische Bedenken" ohne Patientengespräch anbringen?"

Ich frage mich sowieso, wie das bei den Versendern läuft. Wir haben so viele Kunden, die nur dies oder nur jenes wollen und denen man das auch nicht ausreden kann, selbst bei unproblematischen Medikamenten (Metformin z.B.) - wie gehen die Versender damit um? Schicken die einfach irgendeinen Rabattartikel? Oder halten die sich auch nicht an die Rabattverträge?

Schon wieder die aggressiven Holländer!

von Heiko Barz am 06.09.2017 um 18:19 Uhr

Und was macht die ABDA Sphinx ? Hält sie wieder nur ihre 3 Affen bereit als schlüssige Entgegnung dieser Brüstierung der deutschen Apothekerschaft. Ich glaube nicht, dass das "Merkelsche Prinzip" des ruhigen Aussitzens die richtige Argumentation gegen die erneute Provokation aus Holland ist.

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