Importe

Politiker sehen kaum Handlungsbedarf wegen Fälschungen

Berlin - 17.08.2017, 11:10 Uhr

Gefälschte Packungen mit weißen statt gelben Tabletten des Hepatitis-C-Mittels Harvoni sorgten in den letzten Monaten für Aufsehen. (Foto: BfArM)

Gefälschte Packungen mit weißen statt gelben Tabletten des Hepatitis-C-Mittels Harvoni sorgten in den letzten Monaten für Aufsehen. (Foto: BfArM)


Grüne zufrieden, Linke fordert schnelles Handeln, ABDA verweist

„In der legalen Vertriebskette greifen die Kontrollmechanismen, wie die aktuellen Hinweise auf Arzneimittelfälschungen zeigen“, erklärt die Grünen-Arzneimittelexpertin Kordula Schulz-Asche auf Nachfrage. Sie seien größtenteils in der Handelskette entdeckt und enthielten „zum Glück“ meist den Wirkstoff in der angegebenen Menge. „Wie wirksam das System funktioniert, zeigt sich daran, dass laut ABDA im gesamten Jahr 2016 bei ca. 1,4 Milliarden in den Apotheken abgegebenen Arzneimittelpackungen keine Fälschung an die Kunden gelangte“, erklärt die Grünen-Politikerin.

Sie denkt, dass SecurPharm Fälschungen schwieriger machen wird – „komplett verhindern wird man sie vermutlich nicht können“, betont Schulz-Asche. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und das Paul-Ehrlich-Institut hätten angekündigt, sich Ende 2017 im Bundesgesundheitsblatt schwerpunktmäßig mit dem Thema Arzneimittel-Fälschungen zu beschäftigen. Diese Analyse sollte abgewartet werden. Bei Importen aus dem Ausland sei durch zusätzliche Handelsschritte „das Risiko erhöht“, weshalb Großhändler und Reimporteure besonders wachsam sein sollten.

Linke will Reimport-Pflicht abschaffen

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Vogler, würde ihr hier wohl zustimmen – mit ihren Forderungen geht sie jedoch weiter. Der Arzneimittelmarkt sei „derartig groß und lukrativ“, sodass immer mehr kriminelle Elemente agieren und zum Leidwesen von Patienten im großen Stil „absahnen“ möchten, erklärt sie. Angesichts der Fälschungsfälle sei „schnelles Handeln gefragt“.

„Zumindest ein Teil der Fälschungen ließe sich vermeiden, wenn wir die unsinnige Verpflichtung zum Reimport abschaffen“, erklärt Vogler. „Wenn in Deutschland überteuerte Arzneimittel zunächst ins Ausland transportiert werden müssen, um dort umgepackt und mit fremdsprachigen Beipackzetteln wieder zurückzukommen, dann macht das für mich keinen Sinn“ – die Reimporte bildeten „eine Eintrittspforte für Fälschungen“.

Auch den Versandhandel „durch große, im Ausland agierende Konzerne wie DocMorris“ sieht sie als mögliche Gefahr dafür, dass gefälschte Medikamente auf den Markt gelangen. „Auch deshalb bin ich für ein Verbot des Versands von zumindest rezeptpflichtigen Arzneimitteln“, betont Vogler. Es bliebe abzuwarten, inwiefern SecurPharm langfristig den Handel mit gefälschten Medikamenten unterbinden könne. Eines aber stünde für sie fest: „Wir dürfen nicht bis 2019 abwarten, sondern müssen jetzt sofort mit ersten Schritten handeln!“, erklärt Vogler. 

Die ABDA wollte sich auf Nachfrage zu den aktuellen Fällen nicht äußern, sondern verwies auf Stellungnahmen vom Deutschen Apothekertag 2014. Dort wurde unter anderem mehr Transparenz in der Lieferkette gefordert, wie auch eine Abschaffung der Importquote. 



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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