Studie der EU-Kommission

Woher kommen Antibiotika ohne Rezept?

Düsseldorf - 27.07.2017, 09:00 Uhr

Gefahr für die Gesundheit: Laut einer Studie der EU-Kommission sollen insgesamt 7 Prozent aller eingenommenen Antibiotika ohne Verordnung beim Patienten landen, in einigen Ländern sollen diese Medikamente auch einfach vom Apotheker abgegeben werden. (Foto: rido / fotolia)

Gefahr für die Gesundheit: Laut einer Studie der EU-Kommission sollen insgesamt 7 Prozent aller eingenommenen Antibiotika ohne Verordnung beim Patienten landen, in einigen Ländern sollen diese Medikamente auch einfach vom Apotheker abgegeben werden. (Foto: rido / fotolia)


In Rumänen, Griechenland und Zypern Antibiotika oft ohne Rezept

Auf Basis des Eurobarometers untersuchten die niederländischen Forscher für die Studie in den sieben Ländern, in denen die meisten Antibiotika ohne Rezept verabreicht wurden, woher die Arzneimittel eigentlich stammen, warum sie eingenommen werden und was die Folgen sind. Teil der Studie waren dabei Befragungen von Patienten, Allgemeinmedizinern und Apothekern in diesen EU-Ländern. Außer Rumänien mit 20 Prozent waren das Griechenland (16 Prozent), Zypern (10 Prozent), Ungarn und Spanien mit jeweils 8 Prozent, Estland (6 Prozent) und Italien mit 4 Prozent.

Insgesamt, so erhoben die Forscher auch, liegt in der EU die Rate nicht verschriebener Antibiotika bei 7 Prozent, Tendenz allerdings steigend. Und die meisten dieser Arzneimittel stammen dabei nicht etwa aus dubiosen Internet-Quellen, sondern aus Apotheken. Rechtlich gesehen illegale OTC-Verkäufe machen in den untersuchten Ländern Rumänien, Griechenland und Zypern 80 bis 100 Prozent der Quellen der nicht verschriebenen Antibiotika aus. In Italien, Ungarn und Spanien erkannten die Forscher die Selbstmedikation mit übriggebliebenen Medikamenten als eine weitere bedeutende Quelle. Das Internet dagegen sei in dem Zusammenhang als Quelle eher unbedeutend, sagen die Wissenschaftler.

Es fehlt vor allem am Wissen um die richtige Anwendung

Was die Gründe anbelangt, warum Antibiotika in einer nicht umsichtigen Weise eingenommen werden, kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass der Faktor Wissen sowohl bei Patienten als auch bei Apothekern und anderen Gesundheitsprofis der wunde Punkt sei. Auf Seiten der Patienten herrsche oft Unkenntnis darüber, was Antibiotika eigentlich bekämpfen. Da würden einfache, von Viren ausgelöste Erkältungen oder Fieber in Selbstmedikation unsinnigerweise mit Antibiotika behandelt, die dabei nichts nützen. Und je größer das Wissen über die Wirkstoffe und die entsprechende Zurückhaltung der Apotheker, umso weniger wahrscheinlich sei es, dass die Pharmazeuten ohne Rezept Antibotika herausgeben würden. Faktoren wie die Lage der Apotheke sowie Alter oder Geschlecht der Apotheker seien dagegen unerheblich, obwohl Inhaber kleinerer Offizinen wohl eher ohne Rezept die Medikamente verkauften als die von größeren, so die Forscher.

Als Konsequenz ihrer Untersuchungen geben die Experten Handlungsempfehlungen an die Politik, mehr Aufklärung sowohl bei Patienten wie auch bei den Angehörigen des Gesundheitswesens zu betreiben, um vor allem den Faktor Wissen auszubauen. Darüber hinaus müssten die geltenden Gesetze stärker durchgesetzt werden.

Erst Anfang Juni hatte die Europäische Kommission einen neuen Aktionsplan zur Bekämpfung von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe angenommen. Er setzt den seit 2011 geltenden ersten Aktionsplan fort und ergänzt ihn um Maßnahmen, „die einen deutlichen EU-Mehrwert bieten und nach Möglichkeit auch konkrete, messbare Ergebnisse liefern“, so die EU-Kommission.



Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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