Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

23.07.2017, 08:00 Uhr

Vielleicht sollte ich auch mal 'ne Postkarte an mein liebes Tagebuch schicken... (Foto: Andi Dalferth)

Vielleicht sollte ich auch mal 'ne Postkarte an mein liebes Tagebuch schicken... (Foto: Andi Dalferth)


In dieser Woche schlägt mein Herz für weiß-blau. Aber beim Wort AOK fängt es an zu rasen: Der Chef der AOK Ba-Wü ist besessen vom Versandhandel und Selektivverträgen. Und ein IKK-Chef bläst ins AOK-Horn: Ran an die Apothekermargen. So was von schrägem Tuten und Blasen. Die Kassen sollten lieber mal ihre Prüfstellen zum fairen Retax anhalten. Ein Lichtblick: Vielleicht bald mehr Stationsapotheker in Niedersachsen. Und ein Überblick: Die Postkarten kommen zurück – auch bei der ABDA!

17. Juli 2017

Weiß-blau, wunderschön: der Bayernplan. Das Wahlprogramm der CSU. Da ist von „Heimat und Zusammenhalt“ die Rede, mein liebes Tagebuch, mir wird’s warm ums bayerische Herzerl. Und just in diesem Kapitel kommen wir, die Apotheken, vor und nicht bei der schnöden Sozial- und Gesundheitspolitik. Das hat was, oder? Das zeigt schon, wo’s lang geht in Bayern: „Die Apotheken schützen“, steht da. Die Apotheken gehören einfach dazu, basta. Und zwar „flächendeckend“, das ist „unabdingbar“. Die Apotheken sollen auch außerhalb der Ballungsräume existieren. Und dann der Schlüsselsatz: „Wir setzen uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Deutschland ein.“ Steht da, jawoll. Und das freut uns. Steht auch schon im gemeinsamen Wahlprogramm von CDU und CSU: „Die Versorgung durch ein ortsnahes Apothekenangebot werden wir sichern, indem wir den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln verbieten.“ Also, auf geht’s Madls und Buam.

18. Juli 2017

Stationsapotheker für alle Krankenhäuser – das möchte die niedersächsische Landesregierung und hat dafür schon einen Gesetzentwurf vorgelegt. Auslöser dafür dürfte wohl eine Serie von Pflegemorden gewesen sein. Das Bundesland möchte pro 300 Betten zukünftig mindestens einen Stationsapotheker, der nicht nur der Logistiker ist, sondern „in allen Fragen der Arzneimitteltherapie unterstützen und beraten“ soll, um Medikationsfehler zu senken und „zu einer sicheren, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Arzneimitteltherapie“ beizutragen. Der Anlass für ein solches Gesetz ist zwar ein trauriger, aber die Initiative von Niedersachsen ist lobenswert: Man anerkennt den Wert des Pharmazeuten im Krankenhaus, auf Station. Eigentlich ist der Apotheker auf Station schon längst überfällig. So, und wie immer bei guten Ideen, gibt es auch hier irgendjemanden, dem das nicht gefällt, der Bedenken hat, der dagegen ist. Hier poltert, wie interessant, die Krankenhausgesellschaft dagegen: Es sei unrealistisch, da es so viele Apotheker gar nicht gebe, zu viel Bürokratie und natürlich zu teuer. Ja, mein liebes Tagebuch, von heute auf morgen 150 bis 200 Apotheker mehr aus dem Boden stampfen, die in Klinischer Pharmazie fit sind, ist sicher nicht leicht, aber auch nicht unmöglich. Die Apothekerkammer Niedersachsen jedenfalls ist zuversichtlich: Die Weiterbildungsquoten im Gebiet der klinischen Pharmazie seien sehr hoch. Es gibt auch viele Apotheker aus anderen Bundesländern, die sich auf offene Stellen bewerben. Und es gibt Übergangsfristen. Also, Krankenhausgesellschaft, wir schaffen das! Und somit geht es letztlich wieder einmal ums Geld. Und was das betrifft: Freilich, mehr Sicherheit kostet ein bisschen mehr. Aber genau genommen ist das, was Stationsapotheker leisten, fast „unbezahlbar“ und somit sind die Kosten dafür mehr als „preiswert“.

19. Juli 2017

Wenn Drogeriemärkte freiverkäufliche Arzneimittel, Apothekenkosmetik oder Medizinprodukte, geadelt durch Slogans wie „Bekannt aus Ihrer Apotheke“ auf ihre Angebotsflyer setzen und in ihre Regale stellen, dann macht uns Apothekers das wenig Freude. Ausschnitte aus „unserem“ Sortiment bei Müller, Rossmann, dm & Co., mitunter sogar in den Beauty- und Drogerieabteilungen von Edeka, Rewe und anderen: unschön, aber solange die Bestimmungen eingehalten werden, legal. Freiverkäufliches, Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte sind nicht apothekenpflichtig, es gibt sie auch außerhalb der Offizin. Was uns irgendwie dabei wurmt: Die Apotheke hat diese zum Teil großen Namen mit aufgebaut. Und jetzt, dank „line extensions“ und wie es im Marketingsprech sonst noch heißt, darf ein „Kühl roll-on“ mit dem Namen „Fenistil“ im Dromarkt-Regal stehen. Und der Apotheker denkt bei Fenistil auch an handfeste Wirkstoffe wie Dimetindenmaleat, der sich natürlich im Kühl Roll-on nicht wiederfindet. Für den Laien allerdings scheint es „Fenistil“ nicht nur in Apos zu geben. Und dann die Frage: Wie kommen die freiverkäuflichen Arzneimittel in die Drogeriemärkte? Vom Hersteller direkt, vom Großhandel oder sogar von einzelnen Apotheken, die sich mit „Weiterverkäufen“ solcher freiverkäuflichen Produkte ein „Taschengeld“ verdienen? Also, mein liebes Tagebuch, sich aufregen hilft nicht. Wir sollten nur höllisch aufpassen, dass uns nicht Präparate unseres apothekenpflichtigen OTC-Sortiments herausgebrochen werden und in die Freiverkäuflichkeit wandern. Eine der besten Vorsichtsmaßnahmen ist unsere Beratung, die wir bei OTCs ernst nehmen müssen. Und bitte kein Verramschen! Kauf zwei, bekomm drei und derlei Quatsch bei Arzneimitteln zieht das Gut Arzneimittel runter. Politiker schauen da sehr genau hin.

Eigentlich müssten die Versicherten in Scharen aus der AOK, vor allem aus der AOK Baden-Württemberg, austreten. Mein liebes Tagebuch, was diese Kasse unter Führung von Christopher Hermann, dem Papst aller Rabattverträge, hier in ihrem eigenen Papier zur Bundestagswahl den Apothekern um die Ohren haut, ist das Ende der Apotheke von heute. Für die Versicherten ist das nur leider nicht so transparent und durchschaubar. Aber wir sollten genau wissen, wie Hermanns Apotheken-Paradies aussieht: mehr Wettbewerb, regionale Selektivverträge für Hochpreiser, nach dem EuGH-Urteil mehr regionale Verträge mit Apotheken und weg mit der starren Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Und Hermanns Lieblingskind: mehr Versandhandel. Oh Gott, mein liebes Tagebuch, der Mann ist besessen. Würde man sein Programm ernst nehmen, müssten das Apothekengesetz und die Apothekenbetriebsordnung umgeschrieben oder am besten abgeschafft werden. Denn was nach diesen Forderungen herauskäme, wäre nicht mehr mit den heutigen Anforderungen und Ansprüchen an Apotheken und eine qualitativ hochwertige Arzneiversorgung vereinbar: Beratungs- und Dokuleistungen, Kontrahierungszwang, Nacht- und Notdienst usw. Bei Hermann geht’s um Geld, Einsparungen zum Wohl der AOK Ba-Wü. Und die Versicherten könnten sich die freie Apothekenwahl abschminken: Für sie gäbe es nur die AOK-Selektivvertragsapotheken und die holländischen Versender. Dann gute Nacht.

Die Bundesländer möchten gerne zwei Packungsbeilagen für ein Arzneimittel? Die herkömmliche und noch eine zweite kurze Beilage mit dem Wichtigsten in Kürze. Ach, mein liebes Tagebuch, mein Vorschlag wäre noch eine dritte Beilage in einer super einfachen Sprache. Nein, im Ernst, ob noch mehr bedrucktes Papier in der Arzneischachtel hilft, das Verständnisproblem bei arzneitherapeutischen Fragen zu lösen, wage ich zu bezweifeln. Der Aufwand für die Hersteller würde immer größer und die Schachteln auch. Initiativen, die sich mit der Verständlichkeit von Beipackzetteln befassen, sind natürlich zu begrüßen. Denn von der Informationsflut der heutigen „Waschzettel“, die in erster Linie zur juristischen Absicherung dienen, ist über die Hälfte der Deutschen hoffnungslos überfordert und letztlich beunruhigt, was dazu führt, dass die Arzneimittel falsch eingenommen oder weggeworfen würden. Mein liebes Tagebuch, vielleicht wäre da eine andere Vorgehensweise besser: In der Packung ein Beipackzettel nur mit den allerwichtigsten Hinweisen und so geschrieben, dass es etwa 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung versteht. Und alle, die mehr über ihr Arzneimittel wissen wollen, können sich über einen QR-Code oder einen Hinweis auf dem einfachen Beipackzettel auf einer Internetseite ausführlich über ihr Arzneimittel informieren und weiterführende Angaben holen. Bei diesen Texten könnte der Patient auch die Fremdwörter erklärt bekommt und er könnte sich durch Anklicken der medizinischen Fachausdrücke über diese Themen informieren. Was würde dagegen sprechen? 

20. Juli 2017

Das ist der Hammer, oder? Fast die Hälfte der Retaxationen war unberechtigt. Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr fast jeden zweiten Euro für seine Mitglieder zurückgeholt – rund 650.000 Euro flossen an die betroffenen Apotheken zurück bzw. mussten sie nicht zahlen. Mein liebes Tagebuch, ist das Kassenverhalten nicht ein Unding? Wie schlampig arbeiten denn da die Prüfstellen der Kassen? Oder heißt dort die Devise: Wir versuchen es einfach. Findet sich ein dummer Apotheker, der sich nicht wehrt, haben wir gewonnen. Die Zahlen des LAV Ba-Wü zeigen, dass Kassen oft zu Unrecht beanstanden. Vermutlich dürften sich vergleichbare Ergebnisse auch bei anderen Apothekerverbänden vermelden lassen. Also, das heißt für die Apotheke: sich wehren bei Retaxationen. Interessant ist auch die Beobachtung des LAV, dass Kassen ein intensiviertes Prüfverhalten an den Tag legen und nach immer neuen Retaxgründen suchen, jetzt, wo Formfehler von den Apotheken selbst geheilt werden können. Diese Retaxgeschichten sind für mich irgendwie die unterste Schiene im Verhältnis von Kasse zu Apotheke.

21. Juli 2017

Es ist die Woche der Postkarten, mein liebes Tagebuch! Wer dachte, dass heute E-Mails, SMS, WhatsApp und Messenger-Nachrichten das Medium der Zeit sind, der irrt. Heute verschickt man wieder Postkarten. So richtig retromäßig. Auch die ABDA setzt auf Postkarten. Glaubst du nicht, mein liebes Tagebuch? Ist aber so. Sie hat sich eine Postkartenflut als PR-Aktion zur Bundestagswahl ausgedacht oder von ihrer Lieblingsagentur Cyrano ausdenken lassen: Ab 31. Juli werden bei den Bundestagsabgeordneten und den regionalen und lokalen Politikern die Postkarten eintrudeln. Verschickt von der ABDA und ihren Mitgliedsorganisationen der Länder. Die Motive auf den Karten sind Karikaturen, mit denen aktuelle berufspolitische Probleme angesprochen werden sollen. Das erste Motiv spießt das Thema Arzneimittel aus Automaten auf: Arzneimittel als Waren wie Schokoriegel, Kaffee oder Zigaretten. Vielleicht aktuell, vielleicht plakativ gedacht. Aber, mein liebes Tagebuch, da beklagen sich die Gesundheitspolitiker, dass sie von DocMorris mit Postkarten und Massenpost zugemüllt werden. Und jetzt bekommen sie aus dem Lindencorso, Absender ABDA, ebenfalls mehrfach eine vorgedruckte Postkarte. Ein bisschen dizzy, oder? Meine Prognose: Das kommt nicht gut. Vielleicht sollte die ABDA diese Postkarten lieber an die Apotheken schicken zur Verteilung an Patienten – das Motiv verstehen auch die Apothekenkunden.

Die Apotheken könnten dann die ABDA-Postkarten in die neue Apotheken Umschau legen. Ups, nein, da liegt ja schon eine Postkarte drin, na sowas! Noch ‘ne Postkarte. „Danke, Apotheke“ steht da drauf. Und auf der Rückseite eine kleine Meinungsumfrage für Apothekenkunden, warum sie ihrer Apotheke mal herzlich Danke sagen könnten, nämlich weil… Die Kampagne der Apotheken Umschau stupst die Patienten liebevoll an, mal drüber nachzudenken, dass es heute nicht mehr so selbstverständlich ist, so einen geschätzten Service, wie ihn die Apotheke bietet, noch zu haben. Und regt die Kunden an, die Karte auszufüllen und in die Apotheke zurückzubringen: „Danke, Apotheke“. Die Idee hat was. Und bringt mit Sicherheit den einen oder anderen Kunden zum Nachdenken. Nudging nennt man das, ein sanftes Hinführen des Kunden, dass er das tut, was man gerne möchte, dass er es tut. Clever gemacht. Und wenn ein paar Karten zurückkommen, tut’s gut.

Und bald noch mehr Postkarten! Von Ann-Kathrin Kossendey und Jan Reuter. Sie sind so ein bisschen Les enfants terribles unter den Apothekers, aber im positiven Sinn. Mit unkonventionellen und neuen Ideen versuchen sie, die Szene zu bereichern und frischen Wind reinzubringen. Neueste Aktion: eine selbstgemachte PR-Kampagne „Daumen hoch für meine Apotheke vor Ort“. Mit frechen Slogans wie „Wir sind sexy“ oder „Wir nehmen’s persönlich“ fordern sie auf Facebook dazu auf, mit einem kleinen Text, einem Foto oder einem Video zu erzählen, warum man auf seine Apotheke vor Ort nicht verzichten möchte. Wer mitmachen möchte, kann bei Facebook unter dem Hashtag #DaumenhochfürmeineApothekevorOrt etwas posten oder sich die Posts anschauen. Die Slogans gibt’s auch unter Instagram und Twitter. Und bald folgen noch die Postkarten, die man dann in den Apotheken an die Kundschaft verteilen kann. Ein Ziel der Kampagne ist auch: Die Internet-Versender mit einer Online-Kampagne, also mit ihren eigenen Waffen schlagen. Mein liebes Tagebuch, dagegen sehen die ABDA-Postkarten alt aus.

Ach ihr Kinners von den Kassen, fällt Euch denn gar nichts Besseres oder zur Abwechslung mal was Anderes ein? Nach den AOKlern kommt jetzt die IKK Südwest aus den Löchern und bläst in das AOK-Horn: Ran an die Marge der Apotheker, da sind noch Spielräume drin – das ist der Tenor von Lutz Hager, Geschäftsführer der IKK Südwest. Er will „neue Vergütungspläne“, die Marge hat „Spielräume“, die zugunsten der Beitragszahler genutzt werden sollten. Mein liebes Tagebuch, manchmal hat man so das Gefühl, da posaunen selbsternannte Turmbläser einfach etwas in die Welt, ohne Ahnung vom Tuten und Blasen. Ob sie überhaupt wissen, wie eine Apotheke funktioniert, was sie leistet? Wenn man liest, dass der IKK Südwest-Chef differenzieren möchte zwischen Arzneimitteln, die nach seiner Meinung ohne große Aufwand abgegeben werden können, und Rx-Produkten und innovativen Medikamenten, die mehrere 10.000 Euro kosten und bei denen wir „intensive Beratung“ brauchen, die „organisiert und vergütet“ werden muss, dann kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Mein liebes Tagebuch, glaubt dieser Mann wirklich, die Notwendigkeit zur Beratung bei einem Arzneimittel hängt vom Preis ab oder vom Status? Bei Rx und je teurer, umso mehr Beratung und mehr Honorar? Ich fass es nicht. Da kann man nur froh sein, dass das Kassengeschwätz in der Politik in der Regel nicht allzu ernst genommen wird.


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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11 Kommentare

Stuttgarter Gespräche DAZ 29

von Christian Giese am 24.07.2017 um 14:55 Uhr

Jetzt erst gelesen,
dicke Bäuche und sonst wenig.
Sich über andere stellen, 20 bis 30 % würden nicht die Mindeststandards erfüllen ist schon reichlich abgehoben. Was soll das bringen?
Von dieser Führungs?- Runde hätte ich nicht nur klagen erwartet, sondern weitergehende innovative Vorschläge, wie man Raum schaffen kann für Standespolitiker und Kollegen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

ECHTE Zukunft

von Reinhard Rodiger am 23.07.2017 um 16:35 Uhr

Dank an die beiden Vorredner, die das Fehlen eines inneren
Willens zur Lebensfähigkeit eindrucksvoll beschreiben.Wer sich derartige Berater holt, verspielt jede Glaubwürdigkeit.Das gilt vor allem nach aussen.Wer soll in einen Beruf investieren, der sich selbst schlecht macht, um einige besser erscheinen zum lassen.
Der Verzicht auf Bearbeitung der Gegenwartsprobleme und Chancen ist schon erwähnt worden.Deshalb verkneife ich mir die Verschärfung.
Nichts ist zu vernehmen zu den eigentlichen Zukunftsfragen.Da steht im Mittelpunkt die Automatisierung versus Umsicht/menschlichen Kontakt.Das hat für viele Branchen disruptive Bedeutung.Wie unter einer Lupe ist dies bei "Apotheke" zu betrachten.
Der automatisierte Apotheker ist ein Muster für diese disruptive Situation..Es geht dabei nicht um die Apotheke, sondern den disruptiven Effekt der Automatisierung.Am lebendigen Beispiel.Hier gilt es, der Automatisierung wirksam etwas entgegen zu setzen.Gleiches gilt für Ärzte.
Wo ist die Debatte um Chancen und Risiken der Digitalisierung/Automatisierung? Auf diesem Feld geht es um ECHTE Zukunft.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Welche ECHTE Zukunft?

von Bernd Jas am 23.07.2017 um 19:08 Uhr

Entschuldigung Reinhard,
aber welche Berater meinst Du? Wenn Du "unsere" Standesführung meinst, die ist nicht geholt worden, die Clique hat sich quasi selber ernannt und sind jetzt so da (wo eigentlich eingefordert werden sollte), aber sie sind eifach nur da um da zu sein.
Oder Meinst Du Kapke, Schweim und co.?- denen ich persönlich eigentlich nur positives Zeugnis bestellen möchte.
Wer, wenn nicht die halten uns den Selbstkritik-Spiegel vor, und das schon seit Jahren. Der eine politisch der andere wirtschaftlich.
Die Apotheken zerbröseln, dass schaffen wir selber am besten! "Kauf zwei, bekomm drei und derlei Quatsch bei Arzneimitteln zieht das Gut Arzneimittel runter." Und obendrauf noch ein paar Taler und die Unschlau, diese merken gerade, dass ihnen die Felle mit Ihren eigenen Fischen im Strom entschwinden und nun vor Engagement nur so überschäumen, genauso der eigene Großhandel. Die Onkologie steht dank der Klinken putzenden Kollegen vor einem Scherbenhaufen. Die Patienten werden mit Online-Angeboten zugemüllt, die Gemeindeblättchen und Extrablätter finanzieren sich mit dem dreifachen ihres Eigengewichtes über uns anbrüllende Werbeeinlagen, nach den Kämpfen um Altenheime wird für umme geschuftet, aber Hauptsache Altenheimbelieferung, das ist kein miteinander (was es noch nie war) ..... DAS ist disruptiv.

AW: ECHTE Zukunft

von Reinhard Rodiger am 23.07.2017 um 20:25 Uhr

Lieber Bernd , zur Klarstellung: ich meine diejenigen, die dafür sorgen, dass zuerst Schwächen kommuniziert werden.Das betrifft die Verstärkung der inhärenten Selbstgeisselung und Abweisung der Verantwortung nach unten.Im vorliegenden Fall gilt das für Kaapke .Es geht um die angemessene Zuordnung der Verantwortlichkeiten.Berater sollen ja als "externe" die grobe Arbeit machen.Wer das in Auftrag gibt, will keinen Rat und schon gar keine Änderung.

Du hast ja recht mit selbst induzierten Problemen.Nur das Rumreiten auf Problemen ist ohne Ursachenanalyse nicht zielführend.Das Klima muss geändert werden.Wer sich allein gelassen fühlt, handelt im Eigeninteresse.Das ist eine Folge
der von oben gelebten Ignoranz einer lebendigen Opposition und fehlendem Angebot einer Mit-Gestaltungsoption.
Wo der Sinn systematisch ad absurdum geführt wird, entstehen
nur Negativbotschaften.
Wir brauchen Positivbotschaften.Stoff ist in seltener Fülle da.
Ungenutzt.

AW: GERECHTE Zukunft brauchen wir

von Bernd Jas am 23.07.2017 um 21:24 Uhr

Danke Reinhard,
habe verstanden.
Aber um Kapke nochmal in Schutz zu nehmen (Ich war ja bei den Stuttgarter Gesprächen nicht mit dabei); er wird ja normalerweise als Wirtschaftswissenschaftler bestellt um uns aufzuzeigen was wir für einen Blödsinn veranstalten, wenn wir zum Beispiel versuchen mit Großkonzernen mithalten zu wollen. Da sehen wir armen Würstchen nun also so aus wie dieselben, wenn sie sich in die Pfanne bequemen. Auf den Punkt gegart um von denen verspeist zu werden, die wir sein wollten. Der ungenutzte Positiv-Stoff dient dann nur noch als verratene Beilege.

Den eigentlichen Wahnsinn vergessen?

von Wolfgang Müller am 23.07.2017 um 11:45 Uhr

Sehr geehrter Herr Ditzel,

ich vermisse in Ihrem Wochenrückblick die wahrhaft denkwürdigen Ergebnisse des sog. "Stuttgarter Gesprächs: Quo vadis Apotheke?"" (Brauer, Hollmann, Kaapke, Schweim, Schrötz) der DAZ, von Ihnen persönlich in der aktuellen Print-Ausgabe zusammengefasst. Darf ich hoffen, dass Sie das Ganze auch nicht ganz so "zukunftsweisend" fanden und lieber schnell dem Vergessen anheim geben wollen? Vielleicht hat´s ja auch sonst keiner gemerkt?

Unser Aller Kaapke´s Zusammenfassung reicht, um den erstaunlichen Tenor des Ganzen zu erfassen (zaghafte, offensichtlich Praxis-kompetentere Ausnahme ist hier Hollmann):
"Apotheken haben ein Leistungs- und Kommunikationsdefizit. Das Leistungsproblem zeigt sich dort, wo 20 bis 30 Prozent der Apotheken die Mindeststandards nicht erfüllen, was viel stärker sanktioniert werden müsste, damit wir auf der Kommunikationsebene aus allen Rohren schießen können".

An anderer Stelle ist sogar zu verstehen, dass "Der Beruf" sich von 20 bis 40 Prozent Schwachleistern "BEFREiEN" müsste (es geht im Wesentlichen um Rezeptur-Schwächen bis -Verweigerung und zu wenig Besuch von Fortbildungs-Veranstaltungen), leider würde "Der Markt" das ja nicht von alleine regeln; oft seien diese Elenden ja dort sogar recht erfolgreich .........

Herr Ditzel, DAS und solche Leute als Interessen-Vertreter tut sich kein anderer Beruf an, akademisch oder nicht-akademisch. ECHTE Zukunft, orientiert an den real existierenden Gegebenheiten, Sanierungsvorschläge, damit es zu sowas wie "Rezepturverweigerung" automatisch erst gar nicht mehr käme: NULL. Dafür Symptom-Schusterei und berufsinterne Extrem-Drangsalierungs- und Sanktionierungs-Träume.

Auch wenn das gerade "nur" ein Silberrücken-Treffen war, dieser Geist weht doch (noch?) durch alle unsere Institutionen, die Zöglinge derer sind ja gerade maßgeblich "dabei". Diesbezüglich stellt sich für jeden Vernunftbegabten erneut und mehr als zuvor die Frage: Jetzt sich erst recht für eine gesunde, menschlich und kollegial komplett andersartige und wirtschaftlich WIRKLICH auch für normale Apotheken Überlebens-orientierte Alternative berufspolitisch engagieren (wo wäre die übrigens irgendwo bereits wählbar, das wäre mal interessant); oder: Dieses Umfeld ist dermaßen jenseits von Gut und Böse, dass man sich lieber endgültig raushält und in dieser extrem feindseligen, übergriffigen Athmosphäre nur noch ans eigene, opportunistische Überleben denkt.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag!

PS Nach gemeinsamer Lektüre Ihres Berichts noch auf ausdrücklichen Wunsch, mit freundlichen Grüßen, der hausärztliche Kommentar dazu:
"Grotesk. Wie doof muss man sein, sich diese Gruben selber zu graben", "Und Ihr lasst euch ja auch noch freiwillig von denen, die an dem Allen verdienen, schröpfen" und "Woher soll denn eigentlich noch euer Selbständigen-Nachwuchs kommen?"

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Den eigentlichen Wahnsinn vergessen

von Karl Friedrich Müller am 23.07.2017 um 13:48 Uhr

Sehr schöner Kommentar.
Feindselige und übergriffige Atmosphäre. Toll ausgedrückt.

Die Spitze macht also die Basis für Ihr Unvermögen verantwortlich. Die Spitze wird sich immer herausreden wollen. Dabei ist es so, dass endlich die Spitze mal Sanktionen erhalten müsste. Immer nur auf andere deuten und verantwortlich machen, selbst keine Verantwortung übernehmen, dafür den Berufsstand mit Postkartenaktionen lächerlich machen.
Die Kassen interessiert überhaupt nicht, wie fortgebildet oder sonst was wir sind. Die Kassen interessiert das vermeintlich einzusparende Geld, sonst nichts. Der Patient ist denen vollkommen egal, das Geplärre nach Qualität verlogen.
Was nützt die Fortbildung, wenn der Kunde per Selektivvertrag ins Internet gezwungen wird?
Alle Beteiligten sind bis zum Unerträglichen verlogen. (Auch unsere Standesführung) Die Sprüche nur vorgeschobene Retorik, um irgendwelche konzernfreundlichen Maßnahmen durchzusetzen.

AW: Den eigentlichen Wahnsinn vergessen / U40

von Ulrich Ströh am 23.07.2017 um 16:04 Uhr

Stimmt alles,Herr Müller !
Und wenn dann noch 200 Stationsspotheker dem Arbeitsmarkt der Präsenzapotheken fehlen werden,,,

Schlage vor,bei den nächsten Stuttgarter Gesprächen
die Altergrenze der Teilnehmer auf U 40 festzulegen.
Dann kommen wir vermutlich ohne 30 Prozent -Sanktionen
aus.

A

Postkarten

von Frank Ebert am 23.07.2017 um 11:16 Uhr

Wenn ich daran denke welche Chance der Hamburger Apotheker vertan hat, könnte ich verrückt werden. Der Kinderkram mit der Postkartenaktion ist doch zum Verzeifeln.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Ansichtskarten aus Berlin

von Ulrich Ströh am 23.07.2017 um 9:19 Uhr

Auweia,wir senden eine Postkartenflut ab 31.Juli an die Gesundheitspolitiker.
Mehr Retro geht nicht.....

Gab es in der Vergangenheit ein Beispiel,
das aufzeigt,wie man mit Postkarten an die Gesundheitspolitiker eine Verhaltensänderung erzielt hat ?




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AW: Ansichtskarten aus Berlin

von Anita Peter am 23.07.2017 um 10:43 Uhr

Verhaltensänderungen wurden eher mit Spargelfahrten und bezahlten Abendessen erreicht.

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