Eingelagerte Impfstoffe

Wie Deutschland auf einen Pocken-Anschlag reagieren würde

Stuttgart - 20.07.2017, 07:00 Uhr

Das Impfstoffwerk Dessau-Tornau in Rodleben bei Dessau hat unter anderem Pockenimpfstoffe hergestellt. (Foto: dpa / picture alliance)

Das Impfstoffwerk Dessau-Tornau in Rodleben bei Dessau hat unter anderem Pockenimpfstoffe hergestellt. (Foto: dpa / picture alliance)


Der eingelagerte Impfstoff hat keine Zulassung

Da die in Deutschland bevorrateten Pockenimpfstoffe vor der Einführung der Zulassungspflicht ab den 1960-er Jahren zur Pockenbekämpfung eingesetzt wurden, haben sie keine Zulassung, wie eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) auf Nachfrage bestätigt. In Westdeutschland wurde die in Hessen schon 1803 eingeführte Pockenimpfpflicht im Jahr 1976 aufgehoben, da das Virus erfolgreich bekämpft war – den letzten natürlich aufgetretenen Fall gab es 1977 in Somalia.

Die Sprecherin von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) betont, dass das Fehlen der Zulassung nicht bedeute, dass die Impfstoffe unwirksam sind. „Die Qualität der eingelagerten Impfstoffe wird durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in regelmäßigen Stichproben überprüft“, erklärt sie. Ohnehin werde die Wahrscheinlichkeit eines Pockenausbruchs in Deutschland – wie auch eine synthetische Herstellung des Virus oder eine beabsichtigte Freisetzung von Pockenviren – „als sehr gering angesehen“.

Die Bundesregierung hält Pläne bereit, wie auf die Infektion einzelner Erkrankter wie auch eine sich ausbreitende Epidemie zu reagieren wäre. „Für die öffentliche Gesundheit steht bei einem möglichen Pockenausbruch die konsequente und wirksame Unterbrechung der Weiterverbreitung der Viren im Vordergrund“, erklärt die Sprecherin Gröhes. „Dabei kommt neben der schnellen Diagnose von Pockeninfektionen und der Isolation Erkrankter insbesondere der Impfung vor allem von Ansteckungsgefährdeten eine große Bedeutung zu.“

Nach Plänen des Robert-Koch-Instituts soll bei einem ersten Pockenfall in einem anderem Land medizinisches Personal und ausgewählte Berufsgruppen in Deutschland geimpft werden, um das öffentliche Leben aufrechtzuerhalten. Sobald ein Pockenfall in Deutschland auftritt, werden die Kontaktpersonen geimpft – und bei Bedarf auch Massenimpfungen durchgeführt.



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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Mindestens zwei, besser drei

1 Kommentar

geimpft

von Karl Friedrich Müller am 20.07.2017 um 12:48 Uhr

.... dann bleiben nur die Alten übrig.....

Ein Demographie Gau....

;-)

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