Beratungs-Quickie

Fußpilz durch sommerlichen Badespaß

Stuttgart - 13.07.2017, 10:35 Uhr

Häufigste Infektionsquelle für Fußpilz: Schwimmbäder. (Foto: Julian Stratenschulte / dpa)

Häufigste Infektionsquelle für Fußpilz: Schwimmbäder. (Foto: Julian Stratenschulte / dpa)


Freibad oder schwitzende Füße – das sind die Konsequenzen der heißen Temperaturen der vergangenen Tage. Gemeinsam ist ihnen: Sie begünstigen Fußpilzerkrankungen. Nicht selten suchen Patienten die Beratung der Apotheke zu antimykotischen Therapien in der Selbstmedikation – welche Arzneimittel kann der Apotheker empfehlen? Welche Tipps sind pharmazeutisch sinnvoll, um den Fußpilz möglichst nachhaltig zu bekämpfen und wiederkehrende Tinea pedis-Infektionen zu vermeiden? 

Formalien-Check

Herr Horst S. löst ein Rezept über Fungizid Ratiopharm® Creme 20 g ein. Als Arzneimittel der Selbstmedikation verordnete sein Dermatologe ihm die antimykotische Creme auf einem „grünen Rezept“ – der 68-jährige Patient muss die Kosten für das apothekenpflichtige Präparat komplett selbst tragen.

Beratungs-Basics

Fungizid Ratiopharm® Creme enthält den Wirkstoff Clotrimazol. Das apothekenpflichtige Arzneimittel ist zugelassen zur Therapie von Mykosen der Haut und Schleimhäute, die durch Hefe- und Schimmelpilze hervorgerufen werden. Weitere Indikationen sind Kleienpilzflechte – Pytiriasis versicolor – und bestimmte bakterielle Erkrankungen durch das Corynebacterium minutissimum (Erythrasma).

Symptome von Fußpilz

Herr S. leidet an Fußpilz. Als passionierter Schwimmer kämpfe er häufiger mit Pilzerkrankungen der Haut und der Nägel, erklärt er der Apothekerin. Mittlerweile diagnostiziere er die Infektion meist schon selbst – sie mache sich durch Jucken und Brennen an den Füßen und Zehen bemerkbar, die Haut werde schuppig, rot und trocken und zeige Hautrisse und Blasen. „Außerdem beginnen die Füße dann immer so unangenehm zu riechen“, erläutert der Patient.

Ratiopharm empfiehlt, die antimykotische Creme zwei- bis dreimal täglich dünn aufzutragen. Die Füße sollten hierfür trocken sein, sowohl die Fußkanten wie auch die Zehenzwischenräume müssen sorgfältig mit der Clotrimazolcreme bedeckt werden. Die Dauer der Behandlung sollte der Patient mindestens zwei bis drei Wochen nach Verschwinden der klinischen Symptome beibehalten, um Rezidive zu vermeiden. Diese Zeit dauert es, bis der physiologische Erneuerungsprozess der Haut abgeschlossen ist und somit auch ruhende Sporen mit den oberen Schichten des Stratum corneum eliminiert sind. Die Leitlinie empfiehlt sogar eine noch längere Therapie und gibt als Orientierung drei bis vier Wochen vor. Clotrimazol hemmt die Ergosterolbiosynthese und somit einen wesentlichen Schritt bei der Bildung der Zellmembran von Pilzzellen. Der daraus resultierende Mangel an Ergosterol führt letztlich zur Lyse der Zelle. Der antimykotische Wirkstoff hat lediglich einen Effekt auf proliferierende Zellen – das erklärt die relativ lange erforderliche Therapiedauer mit dem Präparat. 

Nach Angaben der Fachinformation sind bei bestimmungsgemäßer Anwendung der Clotrimazolcreme – außer einer vrminderten Wirksamkeit von Amphotericin, Nystatin und Natamycin – keine Wechselwirkungen bekannt. Patienten vertragen die topische Therapie mit Clotrimazol in der Regel gut – Nebenwirkungen sind selten: Sie beschränken sich auf Hautirritationen wie Stechen, Rötung und Brennen.

Risikofaktoren für Fußpilz

Pilzinfektionen sind opportunistische Erkrankungen. Bestimmte Faktoren begünstigen jedoch, dass die ubiquitär vorkommenden Erreger zu klinischen Infektionen führen:

  • Familiäre Disposition
  • Fußfehlstellungen
  • Verletzungen im Bereich der Füße / Traumen
  • Diabetes mellitus
  • Durchblutungsstörungen
  • Periphere Neuropathien

Auch das männliches Geschlecht scheint eine Fußpilzerkrankung negativ zu begünstigen. Pilze bevorzugen ein feucht-warmes Milieu – warum Infektionen sich häufig an Körperstellen bemerkbar machen, an denen solche optimalen Wachstumsbedingungen vorliegen: Füße und schwitzende Körperfalten. Das erklärt auch, warum Sportler eher zu Pilzerkrankungen der Füße neigen: Leichte Traumen, durch Sportschuhe verursacht, und das dort herrschende „tropische“ Klima fördern Fußpilz.

Fußpilz muss behandelt werden, da er Ausgangspunkt für weitere mykotische Infektionen sein kann, zum Beispiel Nagelpilz (Onychomykose). Des Weiteren gilt Tinea pedis als gesicherter Risikofaktor für die Entwicklung eines Unterschenkel-Erysipels.

Auch noch wichtig

Welche allgemeinen Tipps kann der Apotheker geben, dass die Fußpilzerkrankung schnell ausheilt und möglichst nicht wieder auftritt?

Prophylaxe von Fußpilz

  • Badeschlappen tragen im Nassbereich von Schwimmbädern, Sauna oder Fitnessstudios
  • Desinfektionsbereiche in Schwimmbädern meiden
  • Kein Barfußgehen auf Teppichboden in Hotelzimmern
  • Füße nach dem Duschen / Baden gut abtrocknen, auch an die Interdigitalräume denken
  • Grundsätzlich nur das eigene Handtuch verwenden
  • Handtücher und Strümpfe bei mindestens 60 Grad waschen
  • Socken aus Kunstfasern meiden
  • Kurzfristiger Einsatz von Hygienewäschespülern für das Waschen infizierter Handtücher und Strümpfe
  • Schuhe nach dem Sport gut lüften
  • Verletzungen an den Füßen behandeln – sie können Eintrittspforte für Erreger sein

Darf`s ein bisschen mehr sein?

Die Apothekerin rät dem Patienten – da er wiederholt an Fußpilzinfektionen leidet – einen Termin beim Internisten, unter anderem zur Abklärung diabetischer Stoffwechsellagen. Außerdem empfiehlt sie, für die Dauer der Therapie Strümpfe und Handtücher mit Hygienewäschespüler (zum Beispiel Canesten® Hygienewäschespüler) zu waschen, die Schuhe zu desinfizieren, um Reinfektionen möglichst auszuschließen. Der Hygienespüler wird – neben dem Waschpulver – in das Fach für Weichspüler dosiert. Desinfizierende Schuhsprays gibt es beispielsweise von Allpresan®. Rissige Haut an den Füßen kann Eintrittspforte für Erreger sein – eine sorgfältige Fußpflege gegen trockene Haut unterstützt die Prävention. Zur Pflege eignen sich unter anderem Eucerin® Urea Fußcreme, Linola® Fußmilch.

Patientenfreundliche Alternativen zu Clotrimazol bei Fußpilz

Auch wenn die Resistenzsituation für Clotrimazol günstig zu bewerten ist, gibt es hinsichtlich der Adhärenzfreundlichkeit für Patienten alternative Wirkstoffe. Bifonazol, unter anderem in Canesten® extra, muss als antimykotische Imidazol-Alternative nur einmal pro Tag über drei Wochen angewendet werden. Terbinafin-haltige Arzneimittel (zum Beispiel in Lamisil® und Generika) müssen Patienten nur einmal täglich für sieben Tage applizieren. Bei der filmbildenden Lösung in Lamisil® Once genügt eine einmalige Anwendung. Allerdings müssen Patienten für eine mykologische Sanierung besonders sorgfältig beim Auftragen der Lösung sein – und flächendeckend den Fuß, inklusive Zehenzwischenräume und Fußkanten, benetzen.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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