Auswertung des BfArM

Mehr „Pillen“ mit unklarem Risiko

Stuttgart - 03.07.2017, 11:25 Uhr

(Foto: Wolfilser / stock.adobe.com)

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Laut einer Auswertung des BfArM werden weniger „Pillen“ mit dem höchsten Thromboserisiko verordnet als noch vor einigen Jahren. Hier scheinen die Aufklärungsmaßnahmen gefruchtet zu haben. Bedenklich ist allerdings, dass im selben Zeitraum die Zahl der Verordnungen der kombinierten, hormonellen Kontrazeptiva, deren Risiko man noch nicht abschließend bewertet hat, stark zugenommen hat. 

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um über das Risiko thromboembolischer Ereignisse bei der Anwendung kombinierter hormoneller Kontrazeptiva (KHK) aufzuklären und dieses zu minimieren: Rote-Hand-Briefe wurden verschickt, Patienteninformationen erstellt und Ähnliches. Hintergrund sind mehrere nationale und europäische Verfahren zur Risikobewertung.

Nun wollte die Bundesoberbehörde wissen, was diese Maßnahmen gebracht haben. Betrachtet wurde das Verordnungsverhalten vor, während und nach dem Risikobewertungsverfahren. Und es gibt gute und schlechte Nachrichten. Die Verordnungen bei den Kontrazeptiva, die bekanntermaßen das höchste Thromboembolierisiko aufweisen, sind weniger geworden – zumindest bei jungen Frauen zwischen 10 und 19 Jahren. Hier konnte ein Rückgang um 53 Prozent verzeichnet werden. Vorher machten diese Präparate 26 Prozent Gesamtverordnungen aus, später nur noch 12 Prozent. Für Ältere liegen keine Daten vor. Zu dieser Gruppe gehört zum Beispiel Drospirenon, ein Wirkstoff der durch Schadensersatzklagen gegen Yasmin-Hersteller Bayer und öffentlich gemachte persönliche Schicksale viele Negativschlagzeilen hatte. 

Folgen die Ärzte der BfArM-Empfehlung?

Im gleichen Zeitraum haben Ärzte 12 Prozent mehr kombinierte, hormonelle Kontrazeptiva (KHK) mit dem geringsten Thromboserisiko, zum Beispiel mit Levonorgestrel als Gestagenkomponente, verordnet – ganz so, wie es vom BfArM empfohlen worden war. Allerdings haben die Verschreibungen der „Pillen“, deren Risiko noch nicht abschließend bewertet ist, ebenfalls zugenommen – und zwar in stärkerem Ausmaß als die risikoarmen Präparate, nämlich um 37 Prozent. Zu der Gruppe, bei der das Risiko nicht beziffert werden kann, gehören beispielsweise die Pillen mit Chlormadinon und Dienogest, also Belara und Valette. Sie machten am Ende des Beobachtungszeitraums 51,8 Prozent der Gesamtverordnungen aus. Vorher waren es 39,5 Prozent gewesen. 

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Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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