Gesetzesvorhaben sorgt für Furore

Neugeordnete Primärversorgung in Österreich ohne Apotheker 

Remagen - 06.06.2017, 12:30 Uhr

In Österreich soll die primäre Gesundheitsversorgung neu strukturiert werden. Weder Ärzte noch Apotheker sind jedoch begeistert. (Foto: niyazz / Fotolia)

In Österreich soll die primäre Gesundheitsversorgung neu strukturiert werden. Weder Ärzte noch Apotheker sind jedoch begeistert. (Foto: niyazz / Fotolia)


Apothekerverband spricht von „Ho-Ruck Aktion“ 

Das klingt alles recht vielversprechend. Trotzdem lässt die Begeisterung der Betroffenen zu wünschen übrig. In der vierwöchigen Anhörung zu dem Gesetzentwurf, die am 21. Mai endete, hagelte es jede Menge Kritik. Die österreichische Ärztekammer (ÖÄK) befürchtet, dass die Hausärzte durch die neuen Einrichtungen verdrängt werden könnten. In einer aktuellen Presseaussendung warnt die Kammer davor, die Primärversorgung, wie sie jetzt schon von engagierten Ärzten gelebt werde, durch einen unausgereiften Gesetzesbeschluss zu gefährden. 

„Die Fülle der kritischen Stellungnahmen zum vorliegenden Gesetzentwurf sollte der Politik zu denken geben.“ sagt ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger. Er hofft, dass die Verantwortlichen die zahlreichen Bedenken ernst nehmen.

Der Apothekerverband spricht in einer Pressemitteilung von einer „Ho-Ruck Aktion“ im (Vor-) Wahlkampf. „Die Entscheidung über das PHC-Gesetz sollte nicht in dieser unsicheren politischen Situation übers Knie gebrochen werden.“ fordert der neue Verbandspräsident Jürgen Rehak. „Die Beschlussfassung des vorliegenden Gesetzentwurfs sollte ausgesetzt werden, um weitere Gespräche mit allen Beteiligten des Gesundheitssystems zu führen.“ Ein zentraler Kritikpunkt des Apothekerverbandes ist, dass das Primärversorgungsgesetz die Apotheken als wichtige Partner des österreichischen Gesundheitssystems nicht berücksichtigt. „Wir sind überrascht über die Außer-Achtlassung der Apotheken, denn es sind gerade die Apotheker in Österreich, die in mehr als 1400 Apotheken mit mehr als 300.000 Kunden täglich wichtige Aufgaben in der Primärversorgung in Österreich übernehmen“ betont Rehak.    

Apotheken sind bedarfsgerecht verteilt

Konkret fordert der Apothekerverband eine strukturierte Zusammenarbeit der Primärversorgungszentren mit den örtlichen öffentlichen Apotheken als verpflichtende Anforderung und die Gewährleistung der Arzneimittelversorgung und des Medikationsmanagements in den Primärversorgungseinrichtungen durch eine oder mehrere örtliche öffentliche Apotheken. Überdies sollten die Standorte der öffentlichen Apotheken für die Standortplanung der Primärversorgungszentren als Orientierung herangezogen werden, denn sie seien bereits dort angesiedelt, wo der Bedarf an einer wohnortnahen Versorgung von Bevölkerungsgruppen gegeben ist. 



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


1 Kommentar

Besser nicht dabei

von Dr. Thomas Müller-Bohn am 06.06.2017 um 15:34 Uhr

Die Kollegen in Österreich sollten froh sein, dass man sie nicht in ein solches System drängt. Da drohen Konzernstrukturen (MVZs lassen grüßen) und Honorierung durch Fallpauschalen, also Verlagerung des Risikos auf die Leistungserbringer. Natürlich muss die Zusammenarbeit mit den neuen Strukturen organisiert werden, aber nicht mehr.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.