Nach Auftreten in Tiefkühl-Himbeeren

Norovirus-Infektionen – kurz, aber heftig

Stuttgart - 12.05.2017, 16:45 Uhr

Hygiene ist das A und O, um die Verbreitung von Noro- Viren zu unterbinden. (Foto: picture alliance /dpa)

Hygiene ist das A und O, um die Verbreitung von Noro- Viren zu unterbinden. (Foto: picture alliance /dpa)


Noroviren verändern sich ständig

Infektionen mit Noroviren können das ganze Jahr über auftreten, wobei ein saisonaler Gipfel in den in den Wintermonaten zu beobachten ist. Eine kausale antivirale Therapie gibt es nicht. Primär muss versucht werden, die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auszugleichen. Bei starkem Erbrechen kann der Einsatz von Antiemetika erwogen werden. Der Prävention kommt daher eine entschiedene  Rolle zu. Eine nachgewiesene Infektion mit dem Norovirus ist meldepflichtig und muss dem Gesundheitsamt mitgeteilt werden.

Aufgrund von genetischen Unterschieden in der Polymerase- und Kapsidregion unterteilt man in fünf Genogruppen (GG I bis V). Drei davon sind human pathogen, nämlich GI, GII und GIV. Wobei die Genogruppen weiterhin in Genotypen differenziert werden. Das Norovirus zeichnet sich durch eine ausgeprägte Genomvariabilität aus. Das bedeutet eine durchgemachte Infektion bietet unter Umständen bei einem erneuten Ausbruch keinen Schutz. So bildet beispielsweise der weltweit dominante Genotyp GII.4 alle drei bis vier Jahre eine neue Driftvariante aus, die die vorherige verdrängt.

Steigt die Zahl der Noroinfektionen stark an, kann das auf das Auftreten von veränderten Viren hindeuten. So auch im vergangenen Winter, in dem 29 von 69 Ausbrüchen in neun Bundesländern auf  das Konto eines neuen Virustyp gingen, der durch eine Rekombination von GII.P16-Viren (ORF1) und GII.2-Viren (ORF2) entstanden ist – GII.P16- GII.2  Das Virus sei jedoch weder gefähr­licher noch verlaufe die Krankheit schwerer als sonst, heißt es von Seiten des RKI, es kann sich nur besser vor dem Immunsystem verbergen, sodass mehr Menschen erkranken.

Variabilität bringt Testverfahren an Grenzen

Diese Variabilität des Virus bringt auch gelegentlich die gängige Testverfahren an ihre Grenzen. Der Nachweis aus Stuhlproben erfolgt in der Regel  mit einem dieser drei Verfahren:

  • entweder durch den Nachweis der viralen RNA mittels RT-PCR (Reverse Transkriptase Polymerase-Kettenreaktion) oder  
  • durch den  Nachweis der viralen Antigene im ELISA (Enzyme Linked Immunosorbent Assay)
  • oder mithilfe von immunohromatographischen   Testmethoden   (Schnelltests).

Insbesondere bei kommerziellen Testsystemen auf Basis von ELISA und den Schnelltests schien die Sensitivität bei einer 2015 erstmalig in Deutschland nachgewiesenen Virus-Variante, GII.17, deutlich vermindert gewesen zu sein. Dies könnte unter anderem an der spezifischen Antikörper-Antigenbindung der kommerziellen Testsysteme liegen, die für diese Virusvariante weniger sensitiv ist, wie das Robert-Koch-Institut vermutet. Dadurch könnte es zu einer erhöhten  Falsch-Negativ-Rate in den GII.17-positiven Patientenproben kommen, befürchtet das RKI. RT-PCR und quantitative real-time-PCR (qPCR) hingegen detektierten den neuen GII.17 Genotyp sicher auch in niedrigen Konzentrationen, heißt es.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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