Apotheken im Wahlprogramm

So kam die FDP zum Fremdbesitz 

Stuttgart - 05.05.2017, 13:35 Uhr

Brandstifter im Apothekenwesen? Die FDP hat auf dem Bundesparteitag beschlossen, die Abschaffung des Fremdbesitzverbots ins Wahlprogramm zu nehmen. (Foto: dpa)

Brandstifter im Apothekenwesen? Die FDP hat auf dem Bundesparteitag beschlossen, die Abschaffung des Fremdbesitzverbots ins Wahlprogramm zu nehmen. (Foto: dpa)


„Eigentümerverhältnis für den Verbraucher irrelevant"

Er kritisiert auch die Äußerungen der FDP-Vize gegen die Einführung von Apothekenketten. „Das mag vielleicht die Meinung von Frau Doktor Strack-Zimmermann sein – inwiefern das die Meinung des FDP-Bundesvorstands wiederspiegelt, kann ich nicht beurteilen“, erklärt Sedlmayr. „Es steht für mich völlig außer Frage, dass ein Wahlprogramm, das der Bundesparteitag verabschiedet hat, in einer inhaltlichen Frage vom Bundesvorstand geändert wird.“ Er habe auch kein Problem damit gehabt, die Passage nochmal zu diskutieren – „aber es ist bei Weitem nicht so, dass das jemand untergeschoben hat oder mit einem Trick gearbeitet wurde“, betont Sedlmayr.

Auf Nachfrage erklärt der FDP-Politiker, dass er mit einer Freigabe des Fremdbesitzes auch das Mehrbesitzverbot als obsolet ansieht. Für beides gibt es aus seiner Sicht keinen Bedarf. „Als Verbraucher ist es für mich doch für meine Beratung von völlig nachrangiger Bedeutung, ob der Eigentümer ein approbierter Apotheker ist oder eine Kapitalgesellschaft“, sagt Sedlmayr. „Ich finde es richtig, dass die Beratung durch qualifiziertes Personal erfolgt – aber das Eigentümerverhältnis erscheint mir für den Verbraucher als irrelevant.“ 

„Auch das Präsidium ist an Parteitags-Beschlüsse gebunden“

Auch bei Phil Hackemann, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, stoßen die Äußerungen Strack-Zimmermanns auf Protest. „Sorry, aber das geht gar nicht“, erklärte er unter Bezug auf die Äußerungen gegenüber DAZ.online auf Twitter. „Auch das Präsidium ist an Parteitags-Beschlüsse gebunden“, schrieb Hackemann. Strack-Zimmermann reagierte am Donnerstagabend gleich – und äußerte sich deutlich anders als im Interview von Mittwoch. „Niemand wird Parteibeschlüsse zugunsten von Lobbygruppen ändern“, erklärte sie auf Twitter  

Wie es weitergeht, dürfte auch für ein weiteres langjähriges FDP-Mitglied spannend werden: ABDA-Chef Friedemann Schmidt hatte das Wahlprogramm etwas zurückhaltend als „inkonsistent“ bezeichnet. FDP-Gesundheitspolitiker planen, in den nächsten Wochen über das weitere Vorgehen in Sachen Fremdbesitzverbot zu diskutieren. „Wenn wir in diese Richtung gehen, muss der Apotheker weiter die Verantwortung haben“, erklärt der bayerische Landesvorstand und Fremdbesitz-Gegner Ullmann. 



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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6 Kommentare

Frei ... Durch ... Panik

von Christian Timme am 06.05.2017 um 10:42 Uhr

Wenn "Ratten" plötzlich "rechnen" können um das "sinkende Schiff" zu verlassen ... kann es nur um ... % gehen ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Abfackeln

von Dr Schweikert-Wehner am 06.05.2017 um 7:28 Uhr

Schauen wir nicht länger zu, fackeln wir die Apos ab.
Hab ich das richtig verstanden, dass die Vorstandstussi ihre Aussagen, die sie gegenüber der DAZ gemacht hat tags drauf gegenüber ihren Parteifreunden revidiert hat?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Abfackeln ... FDP brennt besser als Apotheke ...

von Christian Timme am 06.05.2017 um 10:51 Uhr

Nicht nur diese "Tussi" fährt mehrgleisig ... und dann geht der Überblick verloren ...

Verkaufen wir die Gesundheit an KGs

von T. La Roche am 05.05.2017 um 16:36 Uhr

" „Als Verbraucher ist es für mich doch für meine Beratung von völlig nachrangiger Bedeutung, ob der Eigentümer ein approbierter Apotheker ist oder eine Kapitalgesellschaft“, sagt Sedlmayr."
Eigentlich brauchen wir auch keine unabhängigen Gerichte, unabhängigen Politiker und unabhängige Ärzte sind auch Blödsinn, das Antikorruptionsgesetz hätte man sich ebenfalls sparen können. Wir beraten in Zukunft im Gesundheitsbereich je nachdem wo mehr Geld fließt und verkaufen dem Herrn Sedlmayr immer den "Scheiß des Monats", wenn´s Geld stimmt, ist das doch egal.
Es wird für die Verbraucher (Patienten!) zwar teurer und schlechter, aber irgendwie freier. Er kann frei zwischen 2-3 Ketten wählen und ist befreit von diesen 16.000 selbstständigen Apothekenbesitzern.
Voll cool, hehehe!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Chef vom Dienst

von Helge Killinger am 05.05.2017 um 15:03 Uhr

"Bei Armin Sedlmayr, Mitglied des FDP-Präsidiums in Bayern, stoßen diese Aussagen der stellvertretenden Bundesvorsitzenden auf großes Unverständnis – da er zusammen mit seinem Parteikollegen Matthias Fischbach die Fremdbesitz-Freigabe mit initiiert hatte."

-Armin Sedlmayr, ein 28 jähriger Jurist, Berufserfahrung "Chef vom Dienst" (Xing-Profil)!!
-Matthias Fischbach, Mitarbeiter einer internationalen Unternehmensberatung am Kapitalmarkt (CapCo).

Damit hat sich die FDP-Bayern erledigt.

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und die anderen freien Berufe ?

von freier, persönlich haftender Apotheker am 05.05.2017 um 14:29 Uhr

Mal eine Frage an die FDP(-Ärzte).
Ist es der FDP auch prinzipiell als Verbraucher egal welche Kapitalgesellschaft hinter einer Ärztekette steckt ?

Nur mal so drüber nachdenken, liebe Ärzte .... einige die da waren haben das Nachdenken ja schon begonnen ;-).
Wir sind der erste freie Beruf den die FDP über die Klinge springen lässt......welcher ist der nächste :-(.

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