Apotheken im Wahlprogramm

So kam die FDP zum Fremdbesitz 

Stuttgart - 05.05.2017, 13:35 Uhr

Brandstifter im Apothekenwesen? Die FDP hat auf dem Bundesparteitag beschlossen, die Abschaffung des Fremdbesitzverbots ins Wahlprogramm zu nehmen. (Foto: dpa)

Brandstifter im Apothekenwesen? Die FDP hat auf dem Bundesparteitag beschlossen, die Abschaffung des Fremdbesitzverbots ins Wahlprogramm zu nehmen. (Foto: dpa)


Überraschung und Kritik sogar in der Parteispitze

Sogar die für Gesundheitsfragen zuständige Parteivize Marie-Agnes Strack-Zimmermann zeigte sich gegenüber DAZ.online erstaunt über den radikalen Passus. „Während der teils unübersichtlichen Debatte ist dieser Halbsatz da reingekommen“, betonte sie – „auf Parteitagen geht es schon einmal etwas hektischer zu“. Sie versprach den Apothekern, dass „alle Gesundheitspolitiker der FDP“ keine Apothekenketten wollen, sondern – wie es auch im Wahlprogramm steht – inhabergeführte Apotheken stärken möchten. „Wir können den Apothekern versprechen, dass wir uns in den kommenden Wochen in der Partei zusammensetzen und uns überlegen, wie wir mit diesem Widerspruch umgehen“, erklärte die FDP-Vize. „Ob wir einen vom Parteitag beschlossenen Passus wieder aus dem Wahlprogramm löschen können, weiß ich noch nicht.“

Unverständnis bei den Initiatoren

Bei Armin Sedlmayr, Mitglied des FDP-Präsidiums in Bayern, stoßen diese Aussagen der stellvertretenden Bundesvorsitzenden auf großes Unverständnis – da er zusammen mit seinem Parteikollegen Matthias Fischbach die Fremdbesitz-Freigabe mit initiiert hatte. „Der Bundesvorstand war inhaltlich offenbar der Ansicht, den Antrag zu befürworten“, erklärt er angesichts der Tatsache, dass die Antragskommission die automatische Übernahme des Antrags initiiert hatte. „Insofern überrascht es mich, wenn da jemand überrascht ist.“

Obwohl beispielsweise auch seinem Vorstandskollegen Ullmann aus Würzburg unklar ist, inwiefern alle Delegierten die Konsequenzen des bayerischen Antrags bewusst waren, sieht Sedlmayr die Forderung nach Aufhebung des Fremdbesitzverbots nun als gesetzt an. „Es wurde beim Bundesparteitag beschlossen – insofern kann man auch davon ausgehen, dass das auch die Mehrheitsmeinung widerspiegelt“, erklärt er.  



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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6 Kommentare

Frei ... Durch ... Panik

von Christian Timme am 06.05.2017 um 10:42 Uhr

Wenn "Ratten" plötzlich "rechnen" können um das "sinkende Schiff" zu verlassen ... kann es nur um ... % gehen ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Abfackeln

von Dr Schweikert-Wehner am 06.05.2017 um 7:28 Uhr

Schauen wir nicht länger zu, fackeln wir die Apos ab.
Hab ich das richtig verstanden, dass die Vorstandstussi ihre Aussagen, die sie gegenüber der DAZ gemacht hat tags drauf gegenüber ihren Parteifreunden revidiert hat?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Abfackeln ... FDP brennt besser als Apotheke ...

von Christian Timme am 06.05.2017 um 10:51 Uhr

Nicht nur diese "Tussi" fährt mehrgleisig ... und dann geht der Überblick verloren ...

Verkaufen wir die Gesundheit an KGs

von T. La Roche am 05.05.2017 um 16:36 Uhr

" „Als Verbraucher ist es für mich doch für meine Beratung von völlig nachrangiger Bedeutung, ob der Eigentümer ein approbierter Apotheker ist oder eine Kapitalgesellschaft“, sagt Sedlmayr."
Eigentlich brauchen wir auch keine unabhängigen Gerichte, unabhängigen Politiker und unabhängige Ärzte sind auch Blödsinn, das Antikorruptionsgesetz hätte man sich ebenfalls sparen können. Wir beraten in Zukunft im Gesundheitsbereich je nachdem wo mehr Geld fließt und verkaufen dem Herrn Sedlmayr immer den "Scheiß des Monats", wenn´s Geld stimmt, ist das doch egal.
Es wird für die Verbraucher (Patienten!) zwar teurer und schlechter, aber irgendwie freier. Er kann frei zwischen 2-3 Ketten wählen und ist befreit von diesen 16.000 selbstständigen Apothekenbesitzern.
Voll cool, hehehe!

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Chef vom Dienst

von Helge Killinger am 05.05.2017 um 15:03 Uhr

"Bei Armin Sedlmayr, Mitglied des FDP-Präsidiums in Bayern, stoßen diese Aussagen der stellvertretenden Bundesvorsitzenden auf großes Unverständnis – da er zusammen mit seinem Parteikollegen Matthias Fischbach die Fremdbesitz-Freigabe mit initiiert hatte."

-Armin Sedlmayr, ein 28 jähriger Jurist, Berufserfahrung "Chef vom Dienst" (Xing-Profil)!!
-Matthias Fischbach, Mitarbeiter einer internationalen Unternehmensberatung am Kapitalmarkt (CapCo).

Damit hat sich die FDP-Bayern erledigt.

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und die anderen freien Berufe ?

von freier, persönlich haftender Apotheker am 05.05.2017 um 14:29 Uhr

Mal eine Frage an die FDP(-Ärzte).
Ist es der FDP auch prinzipiell als Verbraucher egal welche Kapitalgesellschaft hinter einer Ärztekette steckt ?

Nur mal so drüber nachdenken, liebe Ärzte .... einige die da waren haben das Nachdenken ja schon begonnen ;-).
Wir sind der erste freie Beruf den die FDP über die Klinge springen lässt......welcher ist der nächste :-(.

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