March for Science

Weltweite Proteste für freie Wissenschaft

Berlin - 24.04.2017, 11:30 Uhr


Am Samstag demonstrierten hundert tausende Menschen in Deutschland wie auch in rund 40 Ländern für die Freiheit der Wissenschaft und gegen Populismus und „alternative Fakten“. Fast alle deutschen Forschungsorganisationen waren vertreten. Die Organisatoren wollen die Proteste fortsetzen.

Ausgelöst durch die Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten sowie populistische und nationalistische Tendenzen in vielen Ländern formierte sich im Februar eine Protestbewegung, die am Samstag zu Kundgebungen in weltweit mehr als 600 Orten führte: Beim „March for Science“ sprachen sich Menschen für eine freie und unabhängige Wissenschaft aus. In Deutschland waren es nach Schätzungen insgesamt gut 37.000 – darunter mehr als 10.000 in Berlin, rund 3000 Teilnehmer in Tübingen, und auch in Frankfurt, Bonn, München oder Helgoland gingen die Menschen auf die Straße.

Darunter waren auch viele Pharmazeuten. „Kritisches Denken und fundiertes Urteilen setzt voraus, dass es verlässliche Kriterien gibt, die es erlauben, die Wertigkeit von Informationen einzuordnen“, betont der Verband der demokratischen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VDPP) in einer Erklärung. Die „gründliche Erforschung unserer Welt“ – wie auch die Einordnung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden – sei Aufgabe von Wissenschaft. „Wenn jedoch wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder lediglich ‚alternativen Fakten‘ als gleichwertig gegenübergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wird jedem konstruktiven Dialog die Basis entzogen“, schreibt der VDPP.

Da der konstruktive Dialog eine elementare Grundlage unserer Demokratie sei, betreffe eine solche Entwicklung nicht nur Wissenschaftler, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes, betont der VDPP. Auf wohl allen Veranstaltungen in Deutschland kam dabei auch die deutsche Geschichte mit der Instrumentalisierung von Wissenschaft und Forscher durch die Diktaturen im Nationalsozialismus und in der DDR zur Sprache.

Mit Besorgnis blickten auch viele Demonstranten nach Ungarn, wo die Regierung die Bildungsfreiheit begrenzen möchte – und ausländischen Universitäten strenge Auflagen verpassen möchte. Daher steht die Zentraleuropäische Universität (CEU), die der ungarischstämmige Milliardär George Soros gegründet hatte, vor dem Aus. Gleichzeitig richtete sich die Kritik der Teilnehmer der Märsche auch gegen die Verhaftungswelle von Forschern sowie das frühere Reiseverbot für Wissenschaftler in der Türkei.

„Der Marsch für die Wissenschaft soll keine einmalige Aktion bleiben“, erklärte Tanja Gabriele Baudson, die die Märsche in Deutschland mit koordiniert hatte. „Die Probleme, die wir angesprochen haben, bestehen weiterhin.“ Das enorme Interesse zeige, dass die Initiative einen Nerv getroffen habe. „Diese Energie wollen wir nutzen, um weiter zu machen.“


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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