Interview Maria Michalk (CDU)

Union will SPD noch vom Rx-Versandverbot überzeugen

Stuttgart - 21.04.2017, 07:00 Uhr

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unions-Fraktion, Maria Michalk, hat noch Hoffnung in Sachen Rx-Versandverbot. (Foto: Laurence Chaperon / Abgeordnetenbüro)

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unions-Fraktion, Maria Michalk, hat noch Hoffnung in Sachen Rx-Versandverbot. (Foto: Laurence Chaperon / Abgeordnetenbüro)


Elektronisches Rezept wäre Vorteil für Vor-Ort-Apotheken

DAZ.online: Kritiker äußern ja häufig, das Rx-Versandverbot sei rückwärtsgewandt. 

Michalk: Wir verschließen uns nicht neuen Lösungen. Ich hätte es beispielsweise gerne gesehen, dass das elektronische Rezept schon Realität ist, dann wäre die Diskussion rund um das Rx-Versandverbot zielgenauer.

DAZ.online: Aber ist das E-Rezept nicht erst recht eine große Unterstützung für den Versandhandel? Apotheker befürchten, dass die Rezepte dann in erste Linie bei den Online-Apotheken landen…

Michalk: Ich glaube, dass auch stationäre Apotheken Vorteile durch das e-Rezept hätten: Wenn der Arzt dem Apotheker des Patienten das elektronische Rezept auf den Rechner schicken kann, kann dann der örtliche Apotheker viel schneller reagieren und das Medikament beispielweise schon vor dem Eintreffen des Kunden bestellen. Bislang beklagen sich viele Bürger, dass sie mit dem papiergebundenen Rezept zweimal zur Apotheke gehen müssen, wenn es nicht vorrätig ist, wobei ich auf den etablierten Bringdienst verweise.

DAZ.online: Sowohl beim EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung als auch beim „EU-Dienstleistungspaket“, das berufsrechtliche Regelungen für Apotheker und Ärzte aufweichen könnte, gibt es Proteste der Heilberufler gegen Regelungen aus Brüssel. Redet uns die EU aus Ihrer Sicht zu viel in die Gesundheitsversorgung hinein?

Michalk: Ja, der Eindruck verstärkt sich. Das Gesundheitswesen ist im nationalen Recht geregelt. Wenn wir durch europäische Institutionen – wie dem Europäischen Gerichtshof – gezwungen werden, unsere Regeln dem EU-Recht anzupassen, dann sagen viele: Wehret den Anfängen. Wir müssen im Gesundheitsbereich an den nationalen Kompetenzen festhalten. In der Vergangenheit haben wir schon sehr viel daran gearbeitet, dass unsere freien Berufe weiter unter den Qualitätsbedingungen, die wir ihnen auflegen, arbeiten. Wenn die Regeln durch EU-Recht so aufgeweicht werden, dass die Qualität in Frage gestellt wird, dann können wir das nicht mittragen.



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Was soll das, Frau Michalk?

von Heiko Barz am 21.04.2017 um 13:53 Uhr

Dieser Artikel ist ein Paradebeispiel berechnenden Wahlkampfs.
Wenn ich, - Frau Michalk - genau weiß, dass alles was ich sage in keiner Weise zielführend sein kann, weil nichts mehr, siehe Kabinettsbeschluß, änderbar ist, dann kann ich aus wahltaktischen Gründen den Apothekern reichlich bitteren Honig auf Maul schmieren.
Von Frau Michalk war im Vorfeld bei den Grundsatzdiskussionen zum AVHVerbot nichts aber auch gar nichts zu lesen und zu hören. Nun kann sie sich mit der Klarheit, nichts mehr bewegen zu müssen und zu können, bei Diskussionen reichlich aus dem Fenster lehnen. Es hat ja für sie keine politischen Konsequenzen. Zynischer geht es eigentlich nicht mehr.
Zu vergleichen wäre es, wenn der Schlachttermin für die Kuh festgelegt ist und man ihr noch einmal über den Kopf streicht und und ins Ohr flüstert: Keine Angst, es wird schon nicht so schlimm.

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