Welt-Parkinson-Tag

200 Jahre Parkinson und keine Heilung in Sicht

Stuttgart - 11.04.2017, 07:00 Uhr

Der Schauspieler Michael J. Fox erhielt mit 29 Jahren die Diagnose Parkinson. (Foto: picture alliance / AP Photo)

Der Schauspieler Michael J. Fox erhielt mit 29 Jahren die Diagnose Parkinson. (Foto: picture alliance / AP Photo)


Pharmakotherapeutische Ansätze

  • Levodopa ist sozusagen ein ZNS-gängiges Prodrug von Dopamin. Um die vorzeitige Aktivierung in der Peripherie zu verhindern, wird es immer gemeinsam mit einem Decarboxylase-Hemmer – Benserazid und Carbidopa – gegeben. Im weiteren Krankheitsverlauf wird typischerweise das therapeutische Fenster immer enger, das heißt, es kommt zu einem schnellen Wechsel zwischen On- und Off-Phasen. Helfen kann hier die zusätzliche Gabe eines Catechol-O-Methyltransferase(COMT)-Hemmers. Die COMT ist neben den Monoaminoxidasen A und B (MAO-A und MAO-B) eines der Enzyme, die Dopamin im synaptischen Spalt abbauen. Bei älteren Patienten ist Levodopa das Mittel der Wahl. Bei jüngeren beginnt man laut Leitlinie mit einem D2-Agonisten. MAO-B-Hemmer würden sich aber aufgrund der guten Verträglichkeit auch anbieten.

  • D2-Dopamin-Agonisten wirken wie Levodopa am D2-Rezeptor. Ursprünglich stammten sie aus Mutterkorn. Diese sogenannten Ergot-Dopamin-Agonisten haben aber heute nur noch einen Reservestatus. Eingesetzte Wirkstoffe sind hier Ropinirol, Pramipexol und Rotigotin. Sie haben gegenüber Levodopa den Vorteil, dass sie als 24-Stunden-Formulierungen verfügbar sind. Anwendungsgebiet der D2-Dopamin-Agonisten ist, neben jüngeren Patienten bei Behandlungsbeginn, der Zusatz zu Levodopa, beispielsweise um Off-Phasen zu überbrücken.  
  • MAO-B-Hemmer, Selegilin, Rasagilin und Safinamid, haben mittlerweile an Bedeutung gewonnen, seit man weiß, dass sie ähnlich gut wirken wie Levodopa oder Dopaminagonisten.
  • NMDA-Antagonisten wie Amantadin. Als Antagonist am N-Methyl-D-Aspartat(NMDA)-Rezeptor ist der Ansatzpunkt, die Glutamat-Wirkung an diesem Rezeptor zu reduzieren, die ja aufgrund des Mangels an Dopamin, das der Gegenspieler ist, relativ zu stark ist. Amantadin hat aber heute an Bedeutung verloren und wird nur noch bei schwer behandelbaren Symptomen eingesetzt. 
  • Anticholinergika wie Biperiden kommen nur noch zum Einsatz, wenn der Ruhetremor nicht in den Griff zu bekommen ist. 
  • Apomorphin, ein Morphin-Derivat und ein direkter Agonist an postsynaptischen D1- und D2-Rezeptoren, wird per Injektion verabreicht, wenn Off-Phasen auf andere Weise nicht ausreichend behandelbar sind. 

Daneben spielen auch konservative Maßnahmen wie Gehirntraining und Bewegungstherapie nachweislich eine wichtige Rolle, um den Verlauf der Erkrankung zu beeinflussen.

Irgendwann austherapiert

Irgendwann ist dann allerdings die Pharmakotherapie, die das Fortschreiten der Erkrankung nicht verlangsamen kann, ausgereizt. Und auch andere therapeutische Optionen wie die Tiefe Hirnstimulation kommen eines Tages an ihre Grenzen. So nehmen sowohl die Behinderungen wie Bewegungsunfähigkeit, Schlafstörungen, Schluckbeschwerden und Schmerzen, als auch die dopaminergen Nervenwirkungen zu, also Halluzinationen und Dyskinesien. So ist die Parkinson-Therapie ohnehin ein ständiger Balanceakt zwischen Über- und Unterdosierung, zwischen Unbeweglichkeit und Nebenwirkungen, der mit fortschreitender Erkrankung immer schwieriger wird. So kann es dann ab einem gewissen Punkt sinnvoll sein, die Dopamin-Agonisten abzusetzen und nur noch Levodopa und COMT-Hemmer (evlt. plus MAO-B-Hemmer) zu geben – für den Preis motorischer Nebenwirkungen. So sind dann im Endstadium vor allem pflegerische Maßnahmen sowie das Management von Infektionen, Aspiration und anderen Komplikationen angezeigt. 

Der Welt-Parkinson-Tag findet 2017 bereits zum zwanzigsten Mal statt. Seit 1997 wird er jedes Jahr am 11. April begangen – dem Geburtstag von Dr. James Parkinson, der 1755 in London geboren wurde und 1817 die Erkrankung erstmals beschrieben hat. Ziel dieses Tages ist es, das Bewusstsein für die Parkinson-Krankheit zu erhöhen und ein besseres Verständnis der Erkrankung und der Lebenssituation von Betroffenen und ihren Familien zu schaffen.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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