Ändert STIKO ihre Empfehlung?

Pertussis-Impfung während Schwangerschaft schützt Säugling besser

Berlin / Stuttgart - 06.04.2017, 12:00 Uhr

Eine Impfung während der Schwangerschaft schützt das Neugeborene offenbar besser vor Keuchhusten als eine Impfung vorher. (Foto: Daniel MR / Fotolia)

Eine Impfung während der Schwangerschaft schützt das Neugeborene offenbar besser vor Keuchhusten als eine Impfung vorher. (Foto: Daniel MR / Fotolia)


Keuchhusten-Impfung bei Schwangeren: Was empfiehlt die STIKO aktuell?

Bislang empfiehlt die STIKO eine Pertussis-Impfung lediglich für Frauen mit Kinderwunsch. Diese sollten, wenn die letzte dokumentierte Impfung gegen Keuchhusten länger als zehn Jahre zurückliegt, sich einmalig mit Tdap impfen lassen. Wird dieser Zeitpunkt vor der Konzeption versäumt – weil die Schwangerschaft möglicherweise ungeplant war –, soll die Mutter die Pertussis-Impfung laut STIKO in den ersten Tagen nach der Geburt nachholen.

Keuchhusten-Impfung also vor der Schwangerschaft und nach der Schwangerschaft – doch was ist während der Schwangerschaft? DAZ.online hat beim Robert-Koch-Institut (RKI) nachgefragt.

Ändert die STIKO ihre Pertussis-Empfehlung? 

„Die STIKO wird sich mit der Frage befassen. Es gibt dazu eine Arbeitsgruppe, zu der bei spezifischen Fragen bei Bedarf externe Experten eingeladen werden“, sagt Susanne Glasmacher vom RKI. Zum Zeitrahmen könne man keine Prognose abgeben.

Gibt es überhaupt einen zugelassenen Impfstoff gegen Keuchhusten in der Schwangerschaft?

Einen zugelassenen Impfstoff gibt es bereits: Boostrix® und Boostrix Polio® dürfen seit Dezember 2016 auch Schwangeren im dritten Trimenon verabreicht werden. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte europaweit die Zulassung der beiden Impfstoffe erweitert. Die Impfstoffe waren zuvor zur Auffrischimpfung für Kinder ab dem vierten Lebensjahr indiziert. Sie schützen vor Diphterie, Tetanus, Pertussis und – im Falle von Boostrix Polio® – auch vor Poliomyelitis.

Ob die Impfung von schwangeren Frauen im gleichen Maße angenommen und akzeptiert wird wie in den Vereinigten Staaten, ist bislang noch nicht evaluiert worden. Da sich der Zulassungsstatus der TdaP-Impfstoffe erst kürzlich geändert hat, „kann es noch keine Impfquoten bei Schwangeren geben“, sagt das RKI zu diesem Punkt.

Ist eine Pertussis-Impfung für Schwangere sicher?

Eine bestehende Schwangerschaft ist keine Kontraindikation für Totimpfstoffe. Ganz im Gegenteil: Eine Grippeimpfung zählt zu den Standardimpfungen während einer Schwangerschaft. Eine Einschränkung nennt das RKI allerdings. Eine Impfung sollte möglichst nicht im ersten Trimenon erfolgen. Insbesondere in dieser Zeitspanne erleiden Frauen häufiger Spontanabborte. Eine negative Korrelation mit der Impfung soll so vermieden werden.

Auch Boostrix® und Boostrix Polio® sind sicher für eine Anwendung in der Schwangerschaft. Die für die Erweiterung der Zulassung relevanten Daten basierten auf der Impfung von 793 Schwangeren zwischen der 28. und 38. Schwangerschaftswoche. Die Ergebnisse: Die Schwangeren haben die Impfung gut vertragen und es kam zu keinen schwerwiegenden Nebenwirkungen bei der Mutter beziehungsweise dem neugeborenen Kind.



Inka Müller-Seubert, Rechtsanwältin
redaktion@DAZ.online


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