Interpharm 2017

Von Autoimmunerkrankungen und Hühnern

Bonn - 31.03.2017, 18:00 Uhr


Warum sollten Patienten mit Autoimmunerkrankungen ihren Impfpass suchen?

Dass Patienten mit einer immunsuppressiven Therapie eine höhere Anfälligkeit für bestimmte Infektionen haben, ist keine neue Erkenntnis. Insbesondere solche unter Mehrfachimmunsuppression leiden häufiger an Pneumonien und Influenza. Als Apotheker wissen wir das – doch wissen es auch die Patienten? Trotz des bekannten Risikos ist nicht bei jedem Immunsupprimierten der Impfstatus einwandfrei. „Das lässt sich verbessern“, findet Verena Stahl. Und wie der Impfstatus bei Pneumokokken, Herpes zoster und Influenza aussieht, sollte nicht nur der Arzt überprüfen. „Auch als Apotheker sollten wir den Eindruck erzeugen, dass wir gut Bescheid wissen – weil wir wissen gut Bescheid“, meint Stahl. „Patienten fehlt beim Arzt oft der Mut, nachzufragen, warum es wichtig ist geimpft zu sein, erklären Sie es in der Apotheke“.

Erst impfen, dann immunsupressive Therapie

Multiple Sklerose-Patienten, die mit Fingolimod – Gilenya – behandelt werden, leiden häufiger an Varizella zoster. Das Risiko ist zweifach erhöht. Das scheint zunächst viel. Doch was sagen diese Zahlen absolut? „Hier stehen elf Gürtelrosefälle unter Fingolimod versus sechs Fälle für Patienten, die kein Gilenya erhalten – bei 1000 Patienten pro Jahr. Das hört sich doch gleich anders an“, erklärt Verena Stahl. Das Schöne daran: Dieses Problem lässt sich einfach lösen. Es gibt klare Vorgaben, wie das Gürtelrose-Risiko in Schach gehalten werden kann. Seronegative MS-Patienten sollten die Varizellenimpfung nachholen – und zwar vor Beginn einer Therapie mit Fingolimod. Diese sollte vier bis sechs Wochen nach erfolgter, zweiter Impfung starten.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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