Österreich

Neue Organisation zum Schutz vor Arzneimittelfälschungen

Wien - 08.02.2017, 06:55 Uhr

Auch in Österreich wird ein System gegen Arzneimittelfälschungen vorbereitet, das im Jahr 2019 aktiviert werden soll. (Foto: Bilderbox)

Auch in Österreich wird ein System gegen Arzneimittelfälschungen vorbereitet, das im Jahr 2019 aktiviert werden soll. (Foto: Bilderbox)


Zum besseren Schutz vor Arzneimittelfälschungen haben maßgebliche Verbände der Arzneimittelherstellung und Distribution in Österreich eine neue Organisation zum Schutz vor Arzneimittelfälschungen gegründet, die „Austrian Medicines Verification Organisation“.

Entsprechend der EU-Richtlinie gegen Arzneimittelfälschungen (Falsified Medicines Directive, FMD) müssen alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union ab Februar 2019 ein nationales Verifizierungssystem für rezeptpflichtige Arzneimittel zum Einsatz bringen. Damit soll deren Echtheit bei der Abgabe in der Apotheke überprüft werden können. In Deutschland ist das SecurPharm-Konsortium für die technische Umsetzung der FMD zuständig.  

In Österreich haben der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs Pharmig, der Österreichische Generikaverband OeGV, die Österreichische Apothekerkammer sowie der Verband der Österreichischen Arzneimittelvollgroßhändler PHAGO hierzu gemeinsam den Österreichischen Verband für die Umsetzung der Verifizierung von Arzneimitteln AMVO (Austrian Medicines Verification Organisation) gegründet.

Wie aus der Mitteilung von Pharmig hervorgeht, soll die Organisation ein neues Datensystem in die Praxis implementieren. Die AMVO sei dafür verantwortlich, die hierfür erforderlichen Prozesse zu planen und umzusetzen.  

Vorbereitungen laufen mit Hochdruck

Pharmaunternehmen, Großhändler und Apotheken arbeiteten derzeit mit Hochdruck daran, dass das System in der Praxis zuverlässig funktioniert, teilt Pharmig mit. Beispielsweise müssten Maschinen zur Verpackung von Arzneimitteln umgerüstet werden, Hersteller und Vertriebsunternehmen, der Großhandel und die Apotheken müssen neue IT-Prozesse und -Systeme einführen.

Jan Oliver Huber, Vorsitzender im Vorstand der AMVO und Generalsekretär der Pharmig, dazu: „Die Industrie investiert für dieses System Beträge in Millionenhöhe. Wesentlich ist letztlich aber, dass die Partner der Versorgungskette, von der Industrie über den Großhandel bis hin zu den Apotheken, durch ihre noch engere Zusammenarbeit für noch mehr Sicherheit bei Arzneimitteln sorgen – zum Wohle der Patienten.“  

Nachverfolgung auch innerhalb Europas

Um eine lückenlose Nachverfolgung der einzelnen Arzneimittelpackungen auch innerhalb Europas zu gewährleisten, soll das in Österreich zu implementierende zentrale Datenspeicherungssystem an ein europäisches System angeschlossen werden. In Zahlen bedeutet dies laut Pharmig, dass das System in 32 Ländern etabliert werden müsse. 2.500 Hersteller dockten daran an, tausende Großhändler und Apotheken müßten aufgerüstet werden und 10,5 Milliarden Packungen pro Jahr EU-weit mit Sicherheitsmerkmalen versehen werden.

„Auf der sicheren Seite“

Seit Juni 2015 warnen die Österreichische Apothekerkammer, das Innenministerium und das Gesundheitsministerium in der gemeinsamen Aufklärungskampagne „Auf der sicheren Seite“ vor gefälschten Medikamenten aus dem Internet.

Obwohl es in Österreich illegal sei, rezeptpflichtige Arzneimittel online zu verkaufen, gelänge es den Fälscherbanden mit abgefeimten Tricks, Kunden auf ihre Websites zu locken und ihnen gefälschte Ware zu zum Teil horrenden Preisen unterzujubeln, hieß es bei der Vorstellung der Kampagne.

„Die AGES Medizinmarktaufsicht, die dem Gesundheitsministerium untersteht, hat in den letzten Jahren mehr als 4000 Verdachtsproben analysiert.“ erklärte Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser. „95 Prozent aller dieser getesteten Proben waren gefälschte oder illegale Produkte, oftmals mit anderen Inhaltsstoffen als deklariert und in falscher Dosierung.“

Verbraucher haben falsche Vorstellungen

Eine repräsentative Umfrage unter 1000 Personen im April und Mai 2015 hatte gezeigt, dass fast die Hälfte der Österreicher nicht wusste, dass in ihrem Land der Verkauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten im Internet verboten ist. Außerdem war vielen Kunden nicht klar, was rezeptpflichtig ist und was nicht. So hatten 31 Prozent der Befragten angegeben, das Potenzmittel Viagra sei rezeptfrei. 60 Prozent glauben, Testosteron-haltige Arzneimittel zum Muskelaufbau dürften über das Internet ohne Rezept bestellt werden.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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