Theranos

Trumps designierte Bildungsministerin an umstrittener Bluttestfirma beteiligt

Stuttgart - 24.01.2017, 11:10 Uhr

Die designierte Bildungsministerin Betsy DeVos steht in den USA in der Kritik. (Foto: dpa)

Die designierte Bildungsministerin Betsy DeVos steht in den USA in der Kritik. (Foto: dpa)


Die Kandidatin von US-Präsident Donald Trump für das Amt der Bildungsministerin, Betsy DeVos, hält erhebliche Anteile an der US-Bluttestfirma Theranos. Die wurde noch vor wenigen Jahren für ihre angeblich überragende Technologie gefeiert, ist heute jedoch schwer angeschlagen.

Auch Milliardäre haben in finanziellen Dingen nicht immer ein gutes Händchen. Betsy DeVos, US-Präsident Donald Trumps Kandidatin für das Amt der Bildungsministerin, besitzt Anteile an der Bluttestfirma Theranos, die nach ihren eigenen Angaben mehr als eine Million Dollar wert sein sollen. Doch die Werthaltigkeit von Theranos selbst steht erheblich infrage: Noch vor zwei Jahren wurde das Unternehmen wegen seiner Technologie hoch gehandelt – die Firma wollte einfache und kostengünstige Bluttests für jedermann herstellen, die Firma brachte es teilweise auf eine Marktkapitalisierung von neun Milliarden Dollar. Unternehmensgründerin und Geschäftsführerin Elizabeth Holmes wurde in den Gazetten sowie in Wirtschaftskreisen als Biotechstar gefeiert.

Der Schein verblasste jedoch, als das Wall Street Journal Zweifel an der Technologie von Theranos äußerte. Die Testergebnisse der Geräte erwiesen sich als zu ungenau, die US-Behörden ermittelten. Zudem wurde Holmes wegen Regelverstößen für zwei Jahre untersagt, Labore zu betreiben. Die Unternehmerin wehrt sich juristisch gegen die Entscheidung. Mittlerweile klagen außerdem Investoren gegen Theranos. Sie behaupten, die Firma habe ihre Technologie nicht korrekt dargestellt, während sie gleichzeitig Geld eingeworben habe. Auch die Börsenaufsicht SEC ermittelt. Nach Medienberichten hat Theranos in den vergangenen Monaten rund 70 Prozent seiner Beschäftigten entlassen, während das US-Magazin Forbes den Unternehmenswert bereits Mitte vergangenen Jahres auf null herabsetzte.

Da kam es der US-Bildungsministern in Spe, DeVos, wahrscheinlich ungelegen, dass ihre private Beteiligung an Theranos nun in die Öffentlichkeit gerückt ist. Heraus kam ihr finanzielles Engagement durch einen Bericht von Stat News, weil sie anlässlich ihrer Ministerin-Nominierung Unterlagen bei der Behörde für Regierungs-Ethik einreichen musste. Der exakte Anteil von DeVos an Theranos blieb dabei allerdings unklar, weil die Behörde derartige Auskünfte nicht verlangt. Nach Angaben des US-Mediums MedCity News soll sie jedoch angegeben haben, dass ihr das Theranos-Engagement weniger als 201 Dollar an Einnahmen gebracht habe. Eine Sprecherin von DeVos machte zu der Angelegenheit keine Angaben.

Weitere Prominente in Theranos investiert

Doch Betsy DeVos ist nicht die einzige bekannte Investorin, die mit hohen Beträgen auf Theranos gesetzt hat. Laut Stat News erwarben auch News Corp Chairman Rupert Murdoch Anteile an der Firma ebenso wie Oracle Mitbegründer Larry Ellison und US-Baumagnat Riley Bechtel. Zudem ist DeVos auch nicht die einzige aus Trumps engem Umfeld, die Verbindungen zu der Firma hat. General James Mattis, der neue US-Verteidigungsminister, verbrachte dem Bericht nach vier Jahre im Aufsichtsrat von Theranos, ehe er vergangenen Dezember zurücktrat. Nach seinen eigenen Angaben erhielt er für seine Funktion 150.000 Dollar. Außerdem soll Mattis mehr als 400.000 Aktien von Theranos besitzen, deren Wert er jedoch nicht näher spezifiziert habe, da dieser „nicht wirklich feststellbar“ sei.

DeVos unterstützt auch Gedächtnis-Performance

Derweil muss sich Betsy DeVos noch auf einer anderen Ebene rechtfertigen. Nach Angaben der New York Times ist die designierte Bildungsministerin eine starke Unterstützerin von „Biofeedback-Technologien“, die Kindern helfen sollen, ihre schulischen Leistungen zu steigern. Sie und ihr Ehemann seien wesentliche Finanziers des Unternehmens Neurocore in Michigan. Die Firma betreibe arzneimittelfreie „Gedächtnis-Performance-Center“ und reklamiere für sich, mit 10.000 Kindern und Erwachsenen gearbeitet zu haben, um Aufmerksamkeitsprobleme, Autismus, Schlaflosigkeit und Stress zu überwinden. Kritiker halten DeVos vor, dass ihre Aktivitäten bei Neurocore nicht vereinbar seien mit dem Amt der Bildungsministerin.

In einer Vereinbarung mit der Behörde für Regierungsethik teilte Betsy DeVos mit, sie habe sich aus dem Aufsichtsrat von Neurocore zurückgezogen, halte aber an ihrer finanziellen Beteiligung fest. In einer Veröffentlichung ihrer persönlichen Vermögensverhältnisse gab sie deren Wert mit 5 bis 25 Millionen Dollar an. Das Ehepaar DeVos managt seine Unternehmensbeteiligungen über das Family Office Windquest Group in Michigan.



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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