Sorgfältige Diagnose nötig

Asthma bei Kindern

Stuttgart - 18.01.2017, 09:00 Uhr

(Foto: V / Fotolia)

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Ärzte diagnostizieren bei Kindern oft fälschlicherweise Asthma und behandeln sie dann dauerhaft mit inhalativen Arzneimitteln. Dieses Thema hat ein führender Schweizer Pneumologe jetzt angestoßen. 

In einem Interview mit der überregionalen Schweizer Tageszeitung „Tages-Anzeiger“ aus Zürich macht der Lungenspezialist Alexander Möller, Leiter Pneumologie am Kinderspital Zürich und ehemaliger Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (SGPP), darauf aufmerksam, dass Asthma bei Kindern oft zu leichtfertig diagnostiziert wird. Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Krankheiten im Kindesalter.

Laut Tages-Anzeiger leiden in dem Alpenland rund 70.000 Schulkinder an Asthma. Das heißt, dass eventuell Tausende überbehandelt werden. Möller stützt seine Vermutung auf eigene Erfahrungen sowie auf eine niederländische Studie aus dem Frühjahr 2016.

Erkenntnisse aus den Niederlanden

In einer retrospektiven Analyse hatten die Forscher etwa 650 Fälle von Kindern zwischen sechs und 18 Jahren mit einer Asthmadiagnose oder einer chronischen Behandlung mit inhalativen Asthmamitteln aus Zentren für die Primärversorgung in Utrecht untersucht. Bei mehr als 50 Prozent der 546 Kinder mit einer Asthmadiagnose war diese tatsächlich eher unwahrscheinlich. Bei etwa einem Viertel wiesen die Symptome immerhin darauf hin, aber nur bei 16 Prozent war die Diagnose spirometrisch abgesichert worden. Trotzdem erhielten rund 300 Kinder dauerhaft eine inhalative Asthmamedikation, darunter knapp die Hälfte sowohl Beta-2-Sympathomimetika als auch Corticoide.

Bereits frühere Studien hätten solche Überdiagnosen festgestellt, schreiben die Autoren um Ingrid Looijmans-van den Akker im Fachblatt "British Journal of General Practice". Das Ausmaß sei mit der neuen Untersuchung jedoch erstmals quantifiziert worden.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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Aufatmen!

1 Kommentar

Asthma

von Richard Friedel am 30.06.2017 um 20:15 Uhr

Gesund mit Hilfe der Wechselatmung. Bei ihr, wie man weiß, werden die Nasenlöcher abwechselnd mit den Fingern geschlossen, so dass per Reflex die Atmung vertieft und die Herztätigkeit gesteigert wird.
Diese Reflexwirkung lässt sich aber durch bloßes Berühren der Nasenflügel mit einem Finger oder durch Anspannen der Lippen hervorrufen.
Diese Atemlehre kann man selbstredend auch im Schlaf ohne viel Übung benutzen. Wie mit der üblichen Form der Wechselatmung überwindet man Asthma ohne chemische Keule unter Anwendung von Übungen zum Anspannen der Lippen (keine sogenannte Lippenbremse).

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