Europa, Deine Apotheken – Frankreich

Über Versandhandelskritiker und Medikationsmanager

Berlin - 16.01.2017, 07:00 Uhr

Einer der reguliertesten Märkte Europas: Stagnierende Apothekenzahl, Bedarfsplanung, strikte Versand-Regeln, kein Mehr- und Fremdbesitz - das ist der französische Apothekenmarkt. (Foto: dpa)

Einer der reguliertesten Märkte Europas: Stagnierende Apothekenzahl, Bedarfsplanung, strikte Versand-Regeln, kein Mehr- und Fremdbesitz - das ist der französische Apothekenmarkt. (Foto: dpa)


Wie funktioniert das Apothekenhonorar?

Auch das Apothekenhonorar ist staatlich reguliert. Allerdings durchläuft das Honorarsystem der Pharmazeuten derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Bis 2014 gab es eine prozentuale Marge, die sich am Preis des abgegebenen Arzneimittels orientierte. (Bei teuren Arzneimitteln lag die Marge bei 6 Prozent, bei günstigeren Präparaten zwischen 0 und 22,90 Euro gab es 26, 1 Prozent für die Apotheker). Außerdem konnten die Pharmazeuten ein relatives niedriges Fixhonorar von 0,53 Euro abrechnen.

Weil die Medikamentenpreise in Frankreich seit Jahren aber tendenziell sinken, die Anzahl der abgegebenen Packungen aber gleichzeitig steigt, hatte der Apothekerverband schon länger eine Umstellung des Honorars im Visier. 2014 vereinbarten der Verband und die Regierung dann, dass der Anteil des Fixhonorars schrittweise ansteigen soll, während die Bedeutung der Prozent-Marge abnehmen soll. Ziel war es, dass sich die Gesamtvergütung gemessen an 2014 aber nicht verändern sollte. (Laut französischem Apothekerverband gaben die Apotheker 2014 insgesamt 2,5 Milliarden Arzneimittelpackungen ab, und rechneten 5,3 Milliarden Euro Honorar bei der Krankenversicherung ab.) 2015 wurde das Fixum daher auf 80 Cent angehoben, 37 Prozent der Einnahmen der Apotheker sollten aus dem Fixhonorar kommen. Dieser Anteil stieg im vergangenen Jahr auf 47 Prozent, das Fixum kletterte pro Packung auf 1 Euro.

Europaweites Vorbild beim Medikationsmanagement

Ein europaweites Vorbild ist Frankreich in Sachen Medikationsberatung und Medikationsmanagement. In Frankreich ist die sogenannte „pharmazeutische Bildung“ von Patienten eine der im Sozialrecht verankerten Kernaufgaben der Apotheker. Seit 2013 gibt es auch konkrete Beratungsprojekte, bei denen die Apotheker für eine bestimmte Dienstleistung entlohnt werden. Erstens beraten die Pharmazeuten Patienten, die erstmals auf eine Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten eingestellt werden. Allein von dieser Beratung haben seit 2013 bereits mehr als 230.000 Patienten profitiert. Zweitens gibt es ein ähnliches Beratungsprojekt, bei dem die Apotheker Diabetiker beraten, die neu auf mehrere Arzneimittel eingestellt werden. Laut Apothekerverband bieten etwa zwei Drittel aller französischen Apotheken diese Dienstleistungen an.

Eine noch viel weitreichendere, flächendeckende Maßnahme ist das Dossier Pharmaceutique (DP), das es seit Anfang 2007 gibt. Dabei handelt es sich um elektronische Medikations-Akten der Patienten, in die Klinikärzte und niedergelassene Mediziner sowie Apotheker alle wichtigen Informationen zur Medikation eintragen. Ziel dieser Dossiers ist die Vermeidung von Neben- und Wechselwirkungen. In Frankreich sind 99,8 Prozent aller Apotheken an das national etablierte System angeschlossen. In etwa 32 Millionen Franzosen haben eine solche Akte. Die letzte Neuerung am Dossier ist das elektronische Impfbuch: Patienten können alle Impfungen digitalisieren lassen und in ihre Akte eintragen lassen. Gegen Vorlage ihrer Versicherungskarte kann jeder Arzt und Apotheker sehen, welche Impfung wann ansteht.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Gerichtsurteil in Frankreich

Verlagskonzern darf nicht Apotheke spielen

OTC-Preise in Frankreich

Da lässt sich einiges sparen

530 Arzneimittel betroffen

Lieferengpässe in Frankreich

Mündliche Verhandlung in Luxemburg

Rabatte der Shop Apotheke vor dem EuGH

Mehr Kompetenzen in der Prävention

Frankreich: Landesweite Grippeimpfungen in Apotheken

1 Kommentar

Europäische Kopfmassage für ApothekerInnen und mehr ...

von Christian Timme am 16.01.2017 um 11:29 Uhr

Für Diskussionen mit der Politk, nicht nur vor Ort, hier wird der "Schmierstoff geboten", der für den nötigen "Speed" im Kopf sorgt. Tolle Serie die den Durchblick fördert und auch bereits "abgearbeitete Alternativen", hoffentlich mit Erkenntnissgewinnen aufzeigt. Danke für diese "Kopfnahrung" an Herrn Rohrer und die DAZ-Onlineredaktion. Bitte weitermachen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.