Europa, Deine Apotheken – Frankreich

Über Versandhandelskritiker und Medikationsmanager

Berlin - 16.01.2017, 07:00 Uhr

Einer der reguliertesten Märkte Europas: Stagnierende Apothekenzahl, Bedarfsplanung, strikte Versand-Regeln, kein Mehr- und Fremdbesitz - das ist der französische Apothekenmarkt. (Foto: dpa)

Einer der reguliertesten Märkte Europas: Stagnierende Apothekenzahl, Bedarfsplanung, strikte Versand-Regeln, kein Mehr- und Fremdbesitz - das ist der französische Apothekenmarkt. (Foto: dpa)


Frankreich ist das apothekenreichste Land in der EU. Rund 22.400 Apotheken versorgen die etwa 66 Millionen Einwohner des Landes. Das Apothekensystem ähnelt dem deutschen Markt: Es gelten ein striktes Fremdbesitz- und ein eingeschränktes Mehrbesitzverbot. Besonders streng gehen die Franzosen mit dem Versandhandel um. Aber auch in Frankreich gab es bereits mehrere Deregulierungs-Anläufe.

Es ist kein leichtes Unterfangen, in Frankreich eine Apotheke zu gründen. Teils Jahrhunderte alte Regeln sorgen bei unseren Nachbarn im Südwesten dafür, dass der Staat die Kontrolle darüber hat, wer wann und wo eine Apotheke eröffnen darf. Zunächst dürfen sich nur Apotheker für die Eröffnung einer neuen Offizin bewerben, die das rund sechsjährige Studium und die anschließende obligatorische Doktorarbeit erfolgreich bestanden haben. Gegen Ende des Studiums müssen sich die Studierenden aber schon entscheiden, ob sie später einmal eine Apotheke leiten wollen. Denn dann müssen sie ein halbjähriges Praktikum absolvieren, um den Zusatz „Offizinapotheker“ auf ihrem Zeugnis zu erhalten.

Für die Gründung neuer Apotheken gibt es in Frankreich zudem eine Bedarfsplanung: In den französischen Regionen gibt es Planungsbezirke, in denen eine Apotheke mindestens 2.500 Bürger versorgen muss. Soll es im gleichen Bezirk noch eine weitere Apotheke geben, so müssen mindestens 4.500 weitere Menschen dort leben. Ausnahmen von diesen Bedarfsplanungsregeln gibt es für Städte und Übersee-Regionen.

Stagnierende Apothekenzahl

Gibt es in einem Planungsbezirk eine Vakanz, braucht der bewerbende Apotheker aber noch eine Lizenz, die er gleich bei zwei Stellen beantragen muss: bei dem regionalen Ableger der nationalen französischen Krankenversicherung sowie bei der für die Region zuständigen Apothekerkammer. Ein Resultat dieser strengen Niederlassungsbestimmungen ist, dass die Apothekenzahl in Frankreich sehr stabil ist: 2002 lag sie bei rund 22.900, heute gibt es etwas mehr als 22.400 Apotheken.

Ein einzigartiges Modell bietet der französische Apothekenmarkt beim Mehrbesitzverbot. Grundsätzlich gilt: Jeder Apotheker darf nur eine Apotheke besitzen (Auch aus diesem Grund ist übrigens die Zahl der in inhabergeführten Apotheken tätigen Pharmazeuten in Frankreich im EU-Vergleich am höchsten. In französischen Apotheken arbeiten die meisten Apotheker in Europa, siehe Grafik unten). Will ein Apotheker eine zweite und eine dritte Apotheke eröffnen, so geht das nur über sehr komplexe Gesellschaften, an denen mindestens noch ein weiterer Pharmazeut beteiligt sein muss.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Europäische Kopfmassage für ApothekerInnen und mehr ...

von Christian Timme am 16.01.2017 um 11:29 Uhr

Für Diskussionen mit der Politk, nicht nur vor Ort, hier wird der "Schmierstoff geboten", der für den nötigen "Speed" im Kopf sorgt. Tolle Serie die den Durchblick fördert und auch bereits "abgearbeitete Alternativen", hoffentlich mit Erkenntnissgewinnen aufzeigt. Danke für diese "Kopfnahrung" an Herrn Rohrer und die DAZ-Onlineredaktion. Bitte weitermachen.

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