Lesen mit den Fingern

Wie die Braille-Schrift in die Welt kam

Berlin - 03.01.2017, 15:00 Uhr


Die Form für Blinde, sich Schrift anzueignen

Die Weltblindenunion warnt zu diesem Anlass davor, die Braille-Schrift mit Blick auf neue Errungenschaften zu vernachlässigen. In einer Mitteilung äußert der Verband die Sorge, dass es weniger Unterstützung für Unterricht und Nutzung der Punktschrift geben könnte „aufgrund des Glaubens, dass Technologien wie E-Books, Hörbücher und Screen-Reader Braille ersetzen könnten“.

Tatsächlich bietet die heutige Medienwelt auch für Blinde viele neue Möglichkeiten. Hörbücher sind viel breiter verfügbar als früher, Computer und Smartphones können Texte vorlesen. Doch das kann die Braille-Schrift aus Sicht von Professor Thomas Kahlisch nicht ersetzen: „Die ist eigentlich alternativlos“, sagt der Leiter der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig, der auch im Präsidium des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands sitzt. „Das ist die einzige Form, mir als blinder Mensch Schrift anzueignen.“

Natürlich sei es für Blinde sehr praktisch, etwa Diktierfunktionen am Smartphone nutzen zu können. Doch diese Technik habe auch Grenzen. „Da rollen sich einem die Fußnägel hoch, was die Leute so wegschicken“, sagt er mit Blick auf Missverständnisse und Rechtschreibfehler. „Das funktioniert im Berufsleben nicht.“ Lesekompetenz sei ein Eckpfeiler der Bildung – und für Blinde damit ebenso wichtig wie für Sehende, heißt es bei der Weltblindenunion.



Sebastian Kunigkeit, dpa Wissenschaftsredaktion
redaktion@daz.online


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