Lesen mit den Fingern

Wie die Braille-Schrift in die Welt kam

Berlin - 03.01.2017, 15:00 Uhr


In Fahrstühlen sind die kleinen Symbole aus hervorstehenden Punkten inzwischen häufig zu sehen, auch auf Medikamentenverpackungen. Für viele blinde Menschen ist die Braille-Schrift ein Schlüssel zum Wissen der Welt: In Zeichen aus bis zu sechs Punkten, angeordnet wie die Sechs auf einem Würfel, macht sie das Alphabet fühlbar. 

Die Geschichte der Punktschrift begann mit einem Schicksalsschlag. Louis Braille kam 1809 als Sohn eines Sattlers im Dorf Coupvray östlich von Paris zur Welt - in der Nähe liegt heute der Freizeitpark Disneyland. Im Alter von drei Jahren verletzte der Junge sich mit einem spitzen Werkzeug seines Vaters am rechten Auge. Eine folgende Infektion ging auch auf das linke Auge über, Louis erblindete.

Die Eltern wollten trotzdem eine möglichst gute Schulbildung für das aufgeweckte Kind. Sie schickten ihn ganz normal zur Dorfschule, wo Louis sich als wissbegierig und begabt erwies. Schließlich konnte er eines der ersten Blindeninstitute der Welt in Paris besuchen.

Dort arbeiteten Blinde damals noch mit einer Reliefschrift: Ins Papier gedrückte Buchstaben, sehr schwierig und langsam zu lesen. Auf die Idee einer Punktschrift kam Louis durch einen Artilleriehauptmann – der hatte eine „Nachtschrift“ erfunden, mit der sich Soldaten im Dunkeln verständigen sollten. Das System war mit zwölf Punkten aber sehr kompliziert. Braille vereinfachte es und stellte 1825 im Alter von nur 16 Jahren sein Verfahren mit sechs Punkten vor.

Auch wenn die Punktschrift, die für blinde Menschen so wichtig ist, somit vor fast 200 Jahren erfunden wurde, ist auch im digitalen Zeitalter noch unverzichtbar. Der Welt-Braille-Tag am morgigen Mittwoch erinnert an den Geburtstag ihres Erfinders Louis Braille.



Sebastian Kunigkeit, dpa Wissenschaftsredaktion
redaktion@daz.online


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