Beratungs-Quickie

Durchfall und Erbrechen bei einem Kleinkind

Stuttgart - 30.12.2016, 08:00 Uhr

 (Foto: tiagozr / Fotolia)

 (Foto: tiagozr / Fotolia)


Darf`s ein bißchen mehr sein?

Die Enterozyten ernähren sich hauptsächlich über den Darm und beziehen ihre Nährstoffe weniger über den Blutweg. Die durch die Infektion geschädigte Darmschleimhaut regeneriert sich am raschesten, wenn möglichst früh die enterale Ernährung wieder aufgenommen wird. Kleinkinder sollten ihre normale Kost erhalten, wobei stärkehaltige Produkte wie Kartoffeln, Haferbrei oder Zwieback bevorzugt werden sollten. Mit stark zucker- und fetthaltigen Speisen sollten Eltern zunächst zurückhaltend sein. Sie können versuchen, ihrem Kind leicht verdauliche Nährstoffe wie Bananenmus oder geriebenen Apfel anzubieten. Die Pektine aus dem Apfel „gelieren“ und binden zusätzlich Wasser, was unterstützend bei Durchfall wirkt.

Es gibt auch pektinhaltige Arzneimittel. Diarrhösan® ist allerdings für Kinder erst ab dem zweiten Lebensjahr geeignet. Es ist als traditionelles Arzneimittel registriert. Die Wirksamkeit wurde bislang in klinischen Studien nicht bestätigt.

Die Mutter sollte ihrem Kind immer wieder Flüssigkeit anbieten. Tees mit Kamillenblüten, Fenchel und Anis wirken beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt (zum Beispiel H&S Bio Kindertee Wohliger Bauch).

Hygienische Maßnahmen sind zu beachten. Eine sorgfältige Händehygiene insbesondere nach dem Windelwechsel reduziert die Ausbreitung von Keimen im Haushalt. In den meisten Fällen sind Enteritiden viral bedingt. Vor allem in den ersten fünf Lebensjahren sind Rotaviren mit 40 Prozent die häufigste Ursache. Noro- und Adenoviren zeichnen für 30 Prozent viraler Gastroenteritiden verantwortlich. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Rotaviren als erste Vakzination überhaupt. Bereits im Alter von sechs Wochen startet die Grundimmunisierung des Säuglings. Den zweiten und dritten Teil der Grundimmunisierung erhalten die Babies nach zwei und vier Monaten.

Die junge Frau bedankt sich für die Beratung. Das sei schon das zweite Mal in diesem Winter, dass ihre Familie mit Magen-Darm-Infekten kämpfe. Dennoch sei sie gerade bei ihrem jüngsten Sohn immer besonders in Sorge. Da sei es hilfreich, einen kompetenten Kinderarzt und eine gute Apotheke an der Hand zu haben.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


2 Kommentare

Retardkapsel?

von Gast am 03.01.2017 um 23:50 Uhr

Handelt es sich auf S. 2 bei der Verwendung des Begriffes "Retardkapsel" um einen Schreibfehler oder ist das Präparat tatsächlich retardiert formuliert?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Retardkapsel

von Celine Müller am 05.01.2017 um 8:51 Uhr

Sie haben völlig recht - es hat sich in der Tat ein Schreibfehler eingeschlichen. Es muss natürlich „Rektalkapsel“ heißen. Der Fehler ist bereits korrigiert. Dankeschön für Ihren aufmerksamen Hinweis und viele Grüße, Celine Müller

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.