„Absehbarer Rohrkrepierer“

SPD und Grüne wollen Rx-Versandverbot nicht zustimmen

Berlin - 13.12.2016, 14:00 Uhr

Klares Nein: Einen Tag nachdem das Bundesgesundheitsministerium seinen Gesetzentwurf zum Rx-Versandverbot präsentierte, sprechen sich die Gesundheitsexperten der SPD dafür aus, dem Gesetz nicht zuzustimmen. (Foto: dpa)

Klares Nein: Einen Tag nachdem das Bundesgesundheitsministerium seinen Gesetzentwurf zum Rx-Versandverbot präsentierte, sprechen sich die Gesundheitsexperten der SPD dafür aus, dem Gesetz nicht zuzustimmen. (Foto: dpa)


Grüne wollen Honorar-Reform statt Versandverbot

Die Grünen-Fraktion hatte es vor etwa zwei Wochen geschafft, alle wichtigen Player im Apothekenmarkt erstmals an einen Tisch zu bekommen, um über die Folgen des EuGH-Urteils zu diskutieren. Bei diesem Fachgespräch im Bundestag hatte sich Schulz-Asche bereits dafür stark gemacht, dass Apotheken auf dem Land künftig besser vergütet werden sollen. Und die Grünen-Politikerin bleibt dabei: „Apotheken im ländlichem Raum sind in der Regel gefährdet, wegen des Wegfalls der örtlichen Verschreiber, des Bevölkerungsrückgangs und einer Apothekenvergütung, die eher die städtische Bestlagen honoriert und nicht die wichtigen Nacht- und Notdienstleistungen auf dem Land. Daran wird auch ein Rx-Versandverbot nichts ändern.“

Das BMG beschreibt das Rx-Versandverbot in seinem Gesetzentwurf als alternativlos. Eine höhere Honorierung der Apotheker sei aufgrund der GKV-Finanzen nicht machbar und Boni dürfe man nicht zulassen, weil sonst das Sachleistungsprinzip in Frage gestellt werden könnte, heißt es im Entwurf. Schulz-Asche gibt dem vom BMG vorgelegten Papier keine Zukunft: „Der Gesetzentwurf ist keine Lösung des Problems, sondern der Versuch, die eigenen Versäumnisse zur gesundheitlichen Versorgung in Stadt und die Land über den Bundestagswahltermin zu retten“, sagte sie. „Europakritische Ressentiments mit der Besitzstandswahrung großer Präsenzapotheken zu verbinden, sollte im Interesse einer gesicherten Versorgung in der Zukunft vermieden werden. Gefragt sind jetzt keine absehbaren Rohrkrepierer, sondern tragfähige Lösungen, wie wir sie in unserem Fachgespräch thematisiert haben. Leider hat Minister Gröhe diesen Ansatz nicht übernommen und verhindert gemeinsame konstruktive Lösungen zu Lasten einer nachhaltigen und modernen Medikamentenversorgung. Wir sind gespannt, wie sich jetzt der Koalitionspartner verhält.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Bitte einmal ALTERNATIVLOS.

von Christian Timme am 13.12.2016 um 23:17 Uhr

Viele Köche verderben den Brei. Bitte einmal ALTERNATIVLOS als ein eigennütziges rot-grünes Gezerre mit Zeitschinden und auf Kosten der Präsenzapotheken. Für was haben wir ein BMG, einen Gesundheitsminister, Beamte etc., doch nicht um einem Koalitionpartner und einer Oppositionspartei nur eine Bühne selbstverliebter Eigendarsteller zu bieten. Die hier zum Teil eingebrachten geistigen Bremsergüsse sind die Rohrkrepierer und der Rest fließt ganz schnell ab. Herr Gröhe bitte einmal Vollreinigung.

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rx vesandverbot

von Dr. Radman am 13.12.2016 um 19:45 Uhr

Rein rechnerisch bräuchte man die SPD nicht. .die Union und die linke reichen aus, um das Gesetz durchzuboxen.

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