Sprechstunde Ernährung 

„Sind Smoothies gesund?“

Stuttgart - 17.11.2016, 11:00 Uhr


		
	
	
		
			
				
					
						Ersetzen Smoothies
frisches Obst?  (Foto: Syda Productions / Fotolia)

Ersetzen Smoothies frisches Obst?  (Foto: Syda Productions / Fotolia)


Ob gekühlt oder ungekühlt, mit Bananenmark oder Apfelsaft, mit Sauerkirschen und Grünkohl: Smoothies gibt es in unzähligen Varianten. Doch was steckt drin? Und vor allem: Ist ein Smoothie gut für meine Gesundheit? Ein Spezial der aktuellen Ausgabe der PTAheute. 

Smoothies sind aus dem Lebensmitteleinzelhandel, der Gastronomie und der mix-begeisterten Privatküche fast nicht mehr wegzudenken. Sie sind so herrlich bunt und sehen doch einfach nur gesund aus. Ist es die teuerste Art, Obst zu essen? Ist Obst trinken besser als es zu kauen? Sind sie ohne Einschränkung empfehlenswert? Ersetzen sie das frische Obst? Wie werden sie zubereitet? Sollte man beim Einkaufen auf etwas Besonderes achten? Viele Fragen zu einem aktuellen Modegetränk, die heute in der Ernährungssprechstunde beantwortet werden.

Der Begriff „Smoothie“ stammt aus dem Englischen, und „smooth“ bedeutet cremig, fein, gleichmäßig. Durch das Pürieren der Zutaten werden sie gleichmäßig sämig und sind dickflüssig. Allerdings bestehen die Smoothies nicht immer nur aus dem Fruchtmark, denn dadurch hätten die Getränke eine zu dicke Konsistenz und wären nicht mehr trinkbar. Es gibt sie inzwischen in einer Vielzahl an Variationen, in den unterschiedlichsten Farben, Zusammensetzungen und Geschmacksrichtungen. Die Industrie lässt sich immer neue Rezepte einfallen und im Privathaushalt sind der Zubereitung keine Grenzen gesetzt.

Gesetzliche Regelung

Die Bezeichnung „Smoothie“ ist lebensmittelrechtlich nicht definiert. Es dürfen alle Lebensmittel als Zutaten verwendet werden, die lebensmittelrechtlich zugelassen sind. Allerdings müssen Zutaten, die in der Bezeichnung stehen oder auf dem Etikett abgebildet sind, auch wirklich im Getränk enthalten sein. Da Smoothie also keine Verkehrsbezeichnung ist, wird eine Beschreibung auf dem Etikett unbedingt notwendig. Auf vielen Smoothies stehen dann Bezeichnungen wie „Zubereitung aus Fruchtmark und Fruchtsaft“, „Zubereitung aus Obst, Gemüse sowie Gemüse- und Fruchtsäfte“ oder „Mehrfruchtmark mit Fruchtsaft“.

Bei industrieller Herstellung muss sich ein verpacktes Produkt an weitere kennzeichnungsrechtliche Regelungen halten. Neben der genauen Beschreibung des Produktes muss eine Zutatenliste auf dem Etikett stehen. Die Zutaten sind entsprechend ihres Gewichtsanteiles in absteigender Reihenfolge angegeben. Wird bildlich oder im Text auf bestimmte Obst- und Gemüsesorten hingewiesen, müssen diese auch im prozentualen Mengenanteil auf der Zutatenliste erscheinen, wie etwa bei einem Smoothie Banane-Kirsch trägt die Zutatenliste u.a. die Angaben: 37 Prozent Bananenmark, 33 Prozent Sauerkirschen. Weiterhin müssen alle anderen Zutaten wie etwa Säfte, zugesetzte Aromen (nicht erlaubt bei „Mehrfruchtsäften“) und Zusatzstoffe wie das Antioxidationsmittel Ascorbinsäure (verzögert die Braunfärbung) angegeben werden. Verpflichtend sind weiterhin Angaben zum Hersteller oder Abfüller, ein Mindesthaltbarkeitsdatum, eine Angabe zur Kühllagerung, falls erforderlich, sowie eine Nährwertkennzeichnung (ab 13. Dezember 2016 verpflichtend) mit den Angaben zum Gehalt an Energie (in kcal und kJ) sowie Fett, davon gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydraten, davon Zucker, Eiweiß und Salz (in g pro 100 g).

Das Mindesthaltbarkeitsdatum variiert bei den käuflichen Smoothies sehr stark und hängt davon ab, ob die Smoothies gekühlt oder ungekühlt angeboten werden. Ein Blick auf das Etikett und das Datum verrät dem interessierten Kunden, ob der Smoothie zu Hause weiter gekühlt werden muss und wie schnell man ihn trinken sollte.

Wie ist ein Smoothie zusammengesetzt? 

In der Regel werden für die kalten Mixgetränke Obst, Obstsäfte und Wasser verwendet, aber auch Gemüse, Kräuter, Milch, Milchprodukte oder Kokosmilch können eine weitere Zutat darstellen. Im Gegensatz zu den Obstsäften wird bei den Smoothies zu einem gewissen Anteil Fruchtpüree oder Fruchtmark aus den ganzen Früchten mit ihrer verzehrbaren Schale verwendet und daher auch gerne „Ganzfruchtsaftgetränke“ genannt. 

Einige Kunden fragen sich, warum in vielen Smoothies Bananenmark oder Apfelsaft enthalten ist. Beide Obstsorten enthalten viel Pektin, das für die Entstehung und den Erhalt der sämigen Konsistenz wichtig ist. Bananen sind auch eine gute Komponente für die Dickflüssigkeit und den süßen Geschmack. Leider findet man oft auch in gekauften „grünen Smoothies“ einen sehr hohen Gehalt an Obstsäften wie Apfel- und Birnensaft und nur einen geringen Anteil (1-2 Prozent) am Namensgeber „grünes Gemüse“ wie Grünkohl, Spinat und Zucchini. Es scheint, dass grünes Gemüse nur zur „Grünfärbung“ und dem Geschmackserlebnis eingesetzt wird, wofür schon geringe Zutatenmengen ausreichen.

Die wertvollen Inhaltsstoffe des Gemüses sind somit aber nur in geringen Mengen enthalten. Bei der Namensnennung der Smoothies argumentieren die Hersteller, dass man sich auf jenes Gemüse oder Obst bezieht, das beim Genießen des Getränkes geschmacklich auffällt. Dies können dann bei einem „Beerensmoothie“ Johannisbeeren, Erdbeeren und Brombeeren sein, obwohl mengenmäßig am meisten Apfelsaft und Bananenmark enthalten sind.

Laut Hersteller „würde der Verbraucher in die Irre geführt, wenn man den Smoothie Apfel-Banane nennen würde, da der Smoothie stärker nach Beeren schmeckt, als nach dem mengenmäßig am meisten enthaltenen Apfelsaft.“ Ein weiteres interessantes Beispiel ist ein Kiwi-Apfel-Limetten-Smoothie, der zu 47 Prozent aus Apfelsaft und nur zu 16 Prozent Kiwipüree und 1,2 Prozent Limettensaft besteht neben den weiteren Zutaten wie Ananassaft und Traubensaft. Das beudeutet: insgesamt besteht der Smoothie nur zu 16 Prozent aus Fruchtmark, und der Rest ist Fruchtsaft. 

Wie gesund sind Smoothies? 

Die Hersteller betreiben gerne mit der Aussage Werbung, dass ein Smoothie eine Portion Obst ersetzt. Für die industriell hergestellten Smoothies werden aber in der Regel erhitzte Zutaten eingesetzt, die weniger Vitamine enthalten als frische Rohstoffe. Durch die Erhitzung können auch geschmacksgebende Aromastoffe verloren gehen, die durch die Zugabe von „natürlichen Aromen“ wieder ausgeglichen werden.

Im Rahmen eines Untersuchungsprogrammes des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurden im Handel erhältliche Smoothies genauer unter die Lupe genommen. Dabei fiel auf, dass einige Produkte Mängel in der Kennzeichnung und irreführende Angaben aufwiesen. Beim Blick auf die Nährwertangaben zeigt sich, dass die Obstsmoothies abhängig von der Fruchtart einen hohen Gehalt an fruchteigenen Kohlenhydraten bzw. Zuckern haben. Dieser liegt pro 100 ml zwischen 11 und 17 g, d.h. bei einer Verpackungsgröße von 250 ml werden 28 bis 43 g Zucker aufgenommen.

Zwar stammt dieser Zucker fast immer aus den Früchten, doch auch diese Zuckerarten (Glukose und Fruktose) können zu einer insgesamt zu hohen Zucker- und somit erhöhten Energieaufnahme beitragen. Insbesondere bei bestehendem Übergewicht und einer Diabeteserkrankung muss die Menge an aufgenommenen schnell resorbierbaren Kohlenhydraten („Zucker“) über die Smoothies zur täglichen Zuckeraufnahme u.a. auch über Honig, Süßigkeiten, Limonaden, Zucker in Backwaren und Fertiggerichten dazugezählt werden. Ernährungsexperten geben als Ziel an, die Zufuhr an Zucker auf ca. 50 g pro Tag zu begrenzen. Bei unerklärlichen Magen-Darmbeschwerden, Durchfall und einer Fruktosemalabsorption sollten Smoothies mit einem hohen Zuckergehalt gemieden werden.

Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wird der Verzehr von täglich zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse (insgesamt ca. 600 g) empfohlen. Die Zubereitung kann dabei sehr vielseitig sein und auch dem Geschmack und den Vorlieben des Kunden entsprechen. Da durch das Kochen erhebliche Vitaminverluste auftreten, sollten Obst und Gemüse in vielfältiger, roher und zubereiteter Form genossen werden: als Rohkost, Salat, Saft und kurz gedünstetes bzw. blanchiertes Gemüse. „Gemüsemuffel“ gewinnen über die grünen Smoothies vielleicht wieder mehr Freude am Gemüseessen.

Allerdings sollte täglich maximal eine Portion Obst bzw. Gemüse durch ein Glas Saft oder Smoothie ersetzt werden. Ein Smoothie kann dabei einen höheren Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und insbesondere Ballaststoffen aufweisen als ein Saft, da das gesamte Fruchtfleisch verarbeitet und dann püriert getrunken wird. Nachteile sind beim gekauften Saft und Smoothie, dass die verarbeiteten Produkte eine Rohkost und frisches Obst nicht vollständig ersetzen können, da sie in der Regel erhitzt wurden und somit wichtige Nährstoffe wie auch sekundäre Pflanzenstoffe verloren gehen können.

Weiterhin ist anzumerken, dass sowohl Säfte als auch Smoothies im Vergleich zu ihren Rohstoffen nicht gekaut werden müssen. Nur durch das Kauen können die Zähne gesund gehalten werden.  Auch der Sättigungseffekt kommt viel später, und die Erfahrung zeigt, dass dann insgesamt mehr Nahrung aufgenommen wird. Säfte und Smoothies sollten daher nicht die gesamte empfohlene Zufuhrmenge an Obst und Gemüse abdecken. Die Erfahrung zeigt auch, dass viele Kunden und Patienten mit gesundheitlichen Problemen es nicht bei einem Glas Saft pro Tag belassen und zusätzlich weitere große Mengen an Zucker über Limonaden und Süßspeisen aufnehmen.

Für Senioren oder Erkrankte, die unter Schluck- und Kaustörungen oder an Untergewicht bzw. einer Mangelernährung leiden, kann der Smoothie ein wichtiger Ersatz für schwer kaubares Obst und Gemüse sein und eine wertvolle Energiespritze darstellen. Viele Pflegeheime bieten inzwischen regelmäßig selbst hergestellte Smoothies in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen an.  

von Dr. oec. troph. Silke Bauer, Fachjournalistin für die aktuelle PTAheute, Heft 21



Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Ökotest untersucht Smoothies

Green Smoothies gegen Karnevals-Grippe?

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 3

Warum Obst essen gesünder ist als Smoothies trinken

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 4

Süßes Versteckspiel – Zucker hat viele Namen

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 2

Glucose-Fructose-Gemische – das Spiel mit Unbekannten

DGE-Stellungnahme bestätigt: Hoher Gemüse- und Obstverzehr senkt Erkrankungsrisiko

Gemüse und Obst in der Prävention

Wie Ernährung und Zahngesundheit zusammenhängen

Gesundes Essen = gesunde Zähne

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 10

Honigschlecken – es ist nicht alles Gold, was glänzt

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.