Pille für den Mann

Was kommt nach dem Kondom?

Berlin - 09.11.2016, 13:45 Uhr

Trotz der Nebenwirkungen: Die Mehrzahl der teilnehmenden Paare fand die Verhütungsvariante attraktiv. (Foto: justyle / Fotolia)

Trotz der Nebenwirkungen: Die Mehrzahl der teilnehmenden Paare fand die Verhütungsvariante attraktiv. (Foto: justyle / Fotolia)


Nebenwirkungen der Hormongabe: Akne, gesteigerte Libido, Muskelschmerzen

Die zweite Phase der aktuellen Studie dauerte wegen des Abbruchs maximal 56 Wochen. Die Paare nutzten in dieser Zeit keine andere Methode der Empfängnisverhütung außer der zweimonatigen Spritze, die sich die Männer weiterhin vom Arzt abholten. Innerhalb dieses einen Jahres wurden vier Frauen schwanger, das entspricht einer Quote von 1,57 pro 100 beteiligte Frauen. Damit ist diese Verhütungsvariante nicht ganz so sicher wie die Pille für die Frau. Hier liegt der Wert bei 0,1 bis 0,9 ungewollten Schwangerschaften je 100 Frauen pro Jahr.

Dass die Hormongaben für den Mann (meist milde) Nebenwirkungen haben können, weiß man schon aus älteren Studien. Am häufigsten berichteten die Teilnehmer in der aktuellen Studie über Akne (147 von 320), gesteigerter Libido (122), Muskelschmerzen (52) und emotionalen Störungen (54). Neun Teilnehmer rutschten in eine depressive Verstimmung oder Depression, ein Mann beging vier Wochen nach seiner dritten Hormonspritze Selbstmord. Zwar versicherte die Familie des Mannes, der Freitod hätte persönliche Gründe. Doch werden dieses Ereignis und die Vielzahl der gemeldeten emotionalen Probleme die Verantwortlichen bewogen haben, die Studie vorzeitig zu beenden.

Hormone wurden nach dem Abbruch nicht mehr gegeben, die Männer aber weiter untersucht. Bei 94,8 Prozent von ihnen stieg die Spermienmenge innerhalb eines Jahres wieder auf normale Werte, die Männer waren wieder zeugungsfähig. Trotz der Nebenwirkungen, die auftraten, fand die Mehrzahl der teilnehmenden Paare die Verhütungsvariante attraktiv, zwei Drittel würden sie weiter nutzen. Bevor an eine breite Anwendung zu denken ist, seien weitere Studien nötig, um offene Fragen zu klären, schreiben die Studienautoren. Wegen der Häufigkeit der Effekte auf das Gemüt der Probanden (fast alle berichteten Fälle kamen erstaunlicherweise aus dem Studienzentrum in Indonesien) sei Vorsicht geboten. Möglicherweise sei die verwendete Hormonkombination für manche Männer nicht geeignet. 



Ulrike Gebhardt
redaktion@daz.online


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