Hintergrund zum EuGH-Urteil

Schicksalstag für deutsche Apotheken

Berlin - 18.10.2016, 17:10 Uhr

Die deutschen Apotheker blicken gespannt nach Luxemburg: Hier verkündet der EuGH am Mittwoch sein Urteil zu den Rx-Boni. (Foto: Fessy)

Die deutschen Apotheker blicken gespannt nach Luxemburg: Hier verkündet der EuGH am Mittwoch sein Urteil zu den Rx-Boni. (Foto: Fessy)


Die möglichen Folgen der EuGH-Entscheidung für die deutsche Apotheke

Seitdem sind über vier Monate vergangen – Zeit genug für die Luxemburger Richter, sich Gedanken zu machen, ob sie Szpunar folgen wollen oder nicht. Wenn sie es nicht tun, dürften die Apotheker in Deutschland aufatmen. Es bliebe dabei, dass ein Preiswettbewerb auf Rx-Ebene ausgeschlossen ist. Die ABDA, die sich in den vergangenen Monaten zurückgehalten hat, einen Plan B öffentich zu kommunizieren, wird sich bestätigt fühlen.

Entscheidet die Erste Kammer hingegen zugunsten der DPV und damit von DocMorris, müssen sich die Apotheken hierzulande darauf einstellen, dass DocMorris seine Boni reaktiviert und verschärft um Rezepte, vor allem von Chronikern, werben wird. Und vermutlich wird DocMorris nicht die einzige Versandapotheke sein, die mit geldwerten Vorteilen bei der Rezepteinreichung wirbt. Zugleich ändert sich für die deutschen Apotheker nichts am geltenden Recht. Das ist zwar „Inländerdiskriminierung“ – aber gegen die lässt sich so schnell nichts machen. Wer dennoch Boni gewährt, muss mit Abmahnungen rechnen. Um etwas zu ändern, müsste der Gesetzgeber aktiv werden. Eine immer wieder ins Gespräch gebrachte Möglichkeit ist, den Rx-Versandhandel wieder zu verbieten. Das hatte der EuGH immerhin 2003 für zulässig erachtet. Ob er heute nochmals so entscheiden würde, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Nun kann man der Auffassung sein, dass die Apotheker in Deutschland sich nicht auf Streitereien mit ihrer Landesapothekerkammer oder Mitbewerbern einlassen wollen. Der Freiburger Rechtsanwalt Dr. Morton Douglas glaubt jedoch nicht, dass sie stillhalten werden. Selbst wenn sich an ihrer Rechtslage nichts ändert, würden zahlreiche deutsche Apotheken binnen kürzester Zeit Boni anbieten. Wenn dann die Kammern gegen sie vorgehen, erwartet Douglas ein Wiederaufleben des Vorteil24-Modells, nur auf sichereren rechtlichen Füßen. Zur Erinnerung: In diesem Modell boten deutsche Vor-Ort-Apotheken ihren Kunden an, Arzneimittel mit Preisvorteil bei einer kooperierenden EU-ausländischen Versandapotheke zu bestellen, die dann in der deutschen Apotheke abgegeben werden – samt Beratung an Ort und Stelle. Douglas ist überzeugt: Entscheidet der EuGH im Sinne des Generalanwalts, steht das gesamte Arzneimittelpreisgefüge auf dem Spiel.

Für die meisten deutschen Apotheken dürfte es jetzt heißen: Die Hoffnung stirbt zuletzt.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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Fragen und Antworten zum EuGH-Urteil 

5 Kommentare

Benachteiligung auch deutscher Internetapotheken

von Edmund Roßmann am 08.03.2017 um 16:26 Uhr

Da schreit die Lobby gegen den EUGH.
Im Raum München dauert es oft 1 bis 2 Tage bis das Medikament da ist. (2x Apotheke laufen!). Bei Bestellung über Internet sind die Medikamente am übernächsten Tag be dem Besteller im Haus! Der Preisunterschied - besonders bei Medikamenten für chronisch Kranke - ist enorm! Das Ganze riecht nach Dobrinth-Maut für chronisch Kranke. Die Politiker sollten bei ihren Entscheidungen weniger der Lobby folgen als dem Wähler!

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Zusammenhang EUGH Urteil und Mehrwersteuer

von Dr.Keckeisen am 20.10.2016 um 18:37 Uhr

Zahlt Doc Morris 19% Mehrwertsteuer oder 6% wie Belgien und Niederlande ? Bekommte er als Exporteur die 6% bei der Aus womöglich zurück.Das würde die angebotene Rabatte und Boni erklären!Wer kennt sich damit aus ?

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Felix Maertin

von Frank Ebert am 19.10.2016 um 14:42 Uhr

Sie lesen heute aber schon die Reaktionen ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Urteil

von Frank ebert am 18.10.2016 um 15:04 Uhr

Glaubt wirklich einer das Boniverbot bleibt? Schließlich geht es gegen Deutschland und da haben wir Dank Merkel ganz schlechte Karten. Ab Morgen wird der Zusammenbruch des Apothekensystems in Deutschland beginnen.

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AW: Urteil

von Felix Maertin am 19.10.2016 um 7:35 Uhr

Wandern Sie doch bitte aus oder geben Sie Ihren Dünnpfiff Montag Abends in Dreseden von sich.

Wie oft schon überall der Untergang gepredigt wurde...

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