Wucherpreise

Die dubiosen Methoden der US-Pharmaindustrie

New York - 11.10.2016, 11:30 Uhr

Der extrem gestiegene Preis des EpiPen von Mylan war Ende September 2016 sogar Thema des Government Reform Committee in Capitol Hill in Washington. (Foto: dpa)

Der extrem gestiegene Preis des EpiPen von Mylan war Ende September 2016 sogar Thema des Government Reform Committee in Capitol Hill in Washington. (Foto: dpa)


Extreme Preise – sie machen es alle: Turing, Mylan, Pfizer, Gilead...

Turing und Mylan mögen extreme Beispiele sein, doch auch Konkurrenten wie Pfizer, Biogen, Gilead oder Amgen nutzen ihre Preismacht bei exklusiven Medikamenten recht schamlos aus. Während Regierungen in Europa in der Regel die Preise für Arzneimittel kontrollieren, können die Hersteller in den USA verlangen, was sie wollen. Ihr größter Abnehmer ist die staatliche Krankenversicherung für ältere oder behinderte Bürger, Medicare. Sie darf die Preise aber nicht direkt verhandeln. Das übernehmen die privaten Versicherer, allerdings unter strikten Auflagen des Staats.

Das Ergebnis ist ein verworrenes System, bei dem die Preise in der Regel nicht von denen bezahlt werden müssen, die sie auskungeln. Den Pharma-Konzernen, die ihre hohen Forderungen mit gesellschaftlich notwendigen Forschungs- und Entwicklungsausgaben rechtfertigen, spielt das in die Karten. Allerdings erhalten auch viele Patienten Rabatte, so etwa die von Medicaid, dem öffentlichen Gesundheitsprogramm für Arme. Pharma-Manager verteidigen sich deshalb mit dem Argument, die Wucherpreise existierten ja nur auf dem Papier.

Das stimmt jedoch nur bedingt, meint Experte Carroll: „Die Versicherung schützt einige vor den Kosten und erlaubt höhere Preise.“ Doch die bedürftigsten Patienten würden am stärksten von den extrem hohen Auslagen getroffen, die man in den USA in der Regel beim Medikamentenkauf vorstrecken muss. Ob und was die Versicherung letztlich trägt, ist oftmals mit Ungewissheit und langer Wartezeit verbunden. „Die Armen sind diejenigen, die am ehesten verzichten, weil sie sich das nicht leisten können“, so Carroll.

Dass das US-Gesundheitssystem dringenden Reformbedarf hat, daran gibt es kaum Zweifel. Die dubiose Preismacht der Pharma-Hersteller ist dabei eine große Baustelle, da sind sich ausnahmsweise sogar die Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump einig. Obwohl das Land mit Abstand die höchsten Gesundheitsausgaben pro Kopf hat, schneidet es im internationalen Vergleich schlecht ab. Im Ranking der Weltgesundheitsorganisation WHO landete es abgeschlagen auf Rang 37 – zwei Plätze vor Cuba und einen hinter Costa Rica.

  



dpa-AFX / DAZ.online
redaktion@daz.online


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