Medikationsplan

Ärzte wollen mehr Geld und weniger Patienten

Berlin - 05.10.2016, 11:00 Uhr

Unzufrieden mit dem Kompromiss: KBV-Chef Dr. Andreas Gassen meint, dass das Honorar für den Medikationsplan nur ein Einstieg sein könne. (Foto: Lopata/axentis.de)

Unzufrieden mit dem Kompromiss: KBV-Chef Dr. Andreas Gassen meint, dass das Honorar für den Medikationsplan nur ein Einstieg sein könne. (Foto: Lopata/axentis.de)


Eingrenzung auf bestimmte Patienten statt Apotheker-Hilfe

Eine ähnliche Kritik hatte in der vergangenen Woche auch der Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) geübt, der von einem „starren Gebilde“ sprach und davon, dass der Medikationsplan in seiner Nachhaltigkeit „deutlich eingeschränkt“ sei. Die Fachärzte hatten auch bemängelt, dass die Apotheker beim Erstellen der Medikationschecks außen vor bleiben. Zur Erinnerung: Apotheker müssen den Plan ergänzen, wenn der Patient es verlangt, bekommen dann aber kein Geld dafür. Auch die ABDA hatte darauf hingewiesen, dass Patienten aus ihrer Sicht nur profitieren, wenn Pharmazeuten und Ärzte ihr Wissen über die Medikation zusammentragen würden.

KBV-Chef Gassen wünscht sich als Verbesserung nun allerdings nicht die Beteiligung der Apotheker. Vielmehr möchte Gassen den Patientenkreis noch weiter einschränken. Gegenüber der Ärzte Zeitung sagte er: „Es wäre sinnvoll gewesen, den Medikationsplan auf gewisse Patientengruppen einzugrenzen. Wenn Sie davon ausgehen, dass etwa 20 bis 30 Millionen Patienten Anspruch auf einen Medikationsplan haben, kann mir keiner sagen, dass diese Patienten alle wirklich einen solchen Plan brauchen. Ich bleibe dabei: So ist dieses Konstrukt medizinisch nicht sinnvoll.“

Kassen und Ärzte haben Patientenkreis erheblich eingeschränkt

Dabei haben KBV und GKV den Patientenkreis schon erheblich eingeschränkt. Im E-Health-Gesetz war eigentlich vorgesehen, dass alle Patienten einen Medikationsplan erhalten sollen, wenn sie drei oder mehr Arzneimittel gleichzeitig einnehmen. In ihren Verhandlungen haben Kassen und Ärzte nun aber festgelegt, dass nur solche Patienten infrage kommen, die über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen drei oder mehr Medikamente gleichzeitig einnehmen. Viele Menschen werden so kein Anrecht auf einen Plan haben: Dabei könnten insbesondere Patienten, die zwei Arzneimittel einnehmen und über einen begrenzten Zeitraum dazu noch ein Antibiotikum bekommen, von der Übersicht auf dem Plan profitieren.

Wie ist es zu dieser Einschränkung – die im Gesetz eigentlich nicht geplant war – gekommen? Die KBV schiebt den Kassen die Schuld in die Schuhe: „Das Verhandlungsergebnis stellt einen Kompromiss dar: Der GKV-Spitzenverband hat aus Kostengesichtspunkten die Zahl möglicher Anspruchsberechtigter als wichtigen Verhandlungspunkt betrachtet.“ Eine Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes hingegen wies darauf hin, dass man sicherstellen wollte, dass es sich um eine Dauermedikation handelt.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Medikationsplan

von Alexander Zeitler am 05.10.2016 um 21:20 Uhr

Oh Herr Gröhe, Sie Ahnungsloser. Einen seiner ahnungslosen vorgänger sieht man gerade in de Talkshows:Heiner Lauterbach.
Kein Wunder, dass bei so einem Personal NICHTS erreicht. Siehe Dobrindt und die Maut.
Immer weiter Dillettanti!!!!!

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