Donepezil & Co.

Status quo der Alzheimertherapie

22.09.2016, 15:00 Uhr

Unterstützen zu Beginn der Erkrankung Alzheimerpatienten im Alltag: Kleine Merkhilfen (Foto:RAM / Fotolia)

Unterstützen zu Beginn der Erkrankung Alzheimerpatienten im Alltag: Kleine Merkhilfen (Foto:RAM / Fotolia)


Donepezil & Co.: Pharmakotherapie bei Alzheimer

Die Pharmakotherapie der Kernsymptomatik der Demenz ist überschaubar: Derzeit sind vier Arzneimittel zugelassen. Die Antidementiva überzeugten während einer 24-wöchigen Therapie verglichen mit Placebo – sie verbesserten die kognitive Leistungsfähigkeit und die Alltagsbewältigung der Patienten.

Die klassischerweise bei der Alzheimer-Demenz eingesetzten Antidementiva greifen vorwiegend im cholinergen System an und hemmen die Acetylcholinesterase und somit den Abbau des Neurotransmitters, und erhöhen auf diese Weise die Konzentration von Acetylcholin im synaptischen Spalt. Zu dieser Wirkstoffgruppe zählen Donepezil, Galantamin und Rivastigmin. Sie sind zugelassen zur symptomatischen Behandlung von lediglich leichten bis mittelschweren Formen der Alzheimer-Demenz. Die Wirkung aller Acetylcholinesteraseinhibitoren ist dosisabhängig. Das bedeutet: Nach einschleichender Dosierung und abhängig von der individuellen Verträglichkeit sollten jeweils die Maximaldosen appliziert werden. Und zwar: Zehn Milligramm bei Donepezil, 24 Milligramm Galantamin und zwölf Milligramm Rivastigmin jeweils als Tageshöchstdosen.

Rivastigmin ist als Pflaster verfügbar, bei Donepezil gibt es Schmelztabletten, was insbesondere vorteilhaft für Patienten mit Schluckstörungen sein kann.

Welcher Acetylcholinesterasehemmer ist der beste?

Es gibt keine klinisch relevanten Unterschiede bezüglich der Wirksamkeit einzelner Acetylcholinesteraseinhibitoren. Auch gibt es keine zeitliche Begrenzung für die Therapie mit Donepezil & Co. Sie können fortlaufend gegeben werden. Rechtliche Grauzonen ergeben sich allerdings beim Fortschreiten der Demenz hin zum schweren Stadium: Für diese Indikation ist keines dieser Arzneimittel zugelassen – ein klassischer Off-Label-Use liegt vor. Unter diesem Vorbehalt empfiehlt die im Januar aktualisierte Leitlinie zu Demenzen allerdings zum ersten Mal die Weiterbehandlung mit Donepezil und Galantamin bei Patienten mit schwerer Demenz. Studien lieferten Hinweise auf die Wirksamkeit auch bei dieser Patientensubgruppe.

Memantin, der vierte bei Alzheimer eingesetzte Wirkstoff hat als einziger eine Zulassung für die Indikation der mittelschweren bis schweren Demenz. Als NMDA-Rezeptor-Antagonist unterscheidet sich der Wirkmechanismus grundlegend von dem der Acetylcholinesteraseinhibitoren. Die bei Alzheimer pathologisch erhöhten Glutamatspiegel führen zu neuronalen Funktionsstörungen und werden durch den Einsatz von Memantin reduziert. Auch dieser Wirkstoff soll einschleichend bis zu Maximaldosis von 20 Milligramm auftitriert werden. Die Fachinformation empfiehlt jeweils eine wöchentlich Dosiserhöhung um fünf Milligramm. Memantin steht Patienten auch als Lösung oder in Form von Schmelztabletten zur Verfügung. 

Add-on Memantin zu Donepezil?

Die Datenlage zur kombinierten Behandlung mit den Wirkstoffen Donepezil und Memantin ist nicht eindeutig. Bei leichter bis moderater Demenz, empfiehlt die Leitlinie aufgrund der aktuellen Datenlage keine Zusatzbehandlung mit dem NMDA-Rezeptor-Antagonisten. Die Kombitherapie sei in diesem Stadium einer Monotherapie mit Donepezil nicht überlegen, heißt es hierzu. Während im schweren Stadium der Demenz erwogen werden kann, eine bereits bestehende Donepezilbehandlung um Memantin zu erweitern.

Wie sieht`s mit Ginkgo Biloba aus?

Ginkgo Biloba steht als einzige pflanzliche Therapiemöglichkeit in den Empfehlungen der Demenz-Leitlinie. Für die leichte bis mittelschwere Demenz kann eine Behandlung mit dem standardisierten Spezialextrakt EGb 761 erwogen werden. Dieser ist in Tebonin® enthalten. Mit einer täglichen Dosis von 240 Milligramm wird das OTC-Präparat sogar von der GKV erstattet. Das pflanzliche Arzneimittel gilt als sicher und zeigt eine positive Nutzen-Risiko-Bilanz.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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