ABDA-Präsidentschaftskandidat Kai-Peter Siemsen

„Wir Apotheker müssen die politischen Visionen vorgeben“

Berlin - 19.09.2016, 12:30 Uhr

Wie bestellt und nicht abgeholt: Kai-Peter Siemsen beschwert sich darüber, dass Friedemann Schmidt seine guten und sinnvollen Ankündigungen nicht umgesetzt hat. (Foto: Schelbert)

Wie bestellt und nicht abgeholt: Kai-Peter Siemsen beschwert sich darüber, dass Friedemann Schmidt seine guten und sinnvollen Ankündigungen nicht umgesetzt hat. (Foto: Schelbert)


Was machen die da eigentlich, in Berlin?

DAZ.online: Nun sind Apotheker ja eher selten zufrieden mit ihrer Standesorganisation. Warum werden Sie als ABDA-Präsident nicht müde, wenn Ihnen der 300. Kollege sagt, dass die ABDA aus seiner Sicht zu wenig Honorarerhöhungen herausgeholt hat?

Siemsen: Die Apotheker haben in der Tat ein besonderes Anspruchsdenken. Wenn eine Gewerkschaft eine Lohnerhöhung von acht Prozent fordert und es gibt am Ende 2 Prozent mehr, sind alle zufrieden. Wenn die ABDA 9,60 Euro Fixhonorar fordert und es gibt 8,35 Euro, heißt es: ‚Die ABDA hat versagt!‘ Aber auch da meine ich: Wir müssen den Sorgen der Mitglieder zuhören, das ist unsere Pflicht. Und wenn wir merken, wir kommen bei der Politik mit unseren Forderungen nicht voran, müssen wir Beharrlichkeit zeigen und über neue Wege diskutieren. Der Apotheker vor Ort fragt sich doch: ‚Was machen die eigentlich für mich?‘ Deswegen muss auch ein ABDA-Präsident immer wieder seine Forderungen gut sicht- und hörbar wiederholen.

DAZ.online: Warum dauert es denn bei den pharmazeutischen Dienstleistungen beispielsweise so lange?

Siemsen: Da kann ich Friedemann Schmidt keinen Vorwurf machen. Wir haben alle unterschätzt, wie mühsam dieser Weg sein wird. Es gibt ja schon einige Projekte: Athina, ARMIN oder in Westfalen-Lippe. Vielleicht müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, dass unser Berufsstand das Thema zu spät entdeckt hat. Einige von uns wollten den Ärzten nicht auf die Füße treten. Hinzu kommt, dass die Politik seit fast 20 Jahren keine Systempolitik, sondern nur noch Symptompolitik betreibt und wichtige Strukturreformen vor sich herschiebt. Außerdem gibt es im Gesundheitswesen kein partnerschaftliches Verhalten mehr. Heute sitzen sich Spitzenverbände zumeist skeptisch gegenüber, früher hat man mehr Sachen gemeinsam angepackt.

DAZ.online: Wie wollen Sie in den kommenden Wochen nun die Werbetrommel für sich rühren?

Siemsen: Ich werde keinen großen, persönlichen Wahlkampf führen. Einige Delegiertenversammlungen und Vorstände haben mich zu einem Gespräch bereits eingeladen, dem werde ich natürlich entsprechen. Insbesondere zu den Kammern und Verbänden im Norden habe ich ja ohnehin einen engen Kontakt. Auch weitere Einladungen werde ich gerne entgegennehmen.

Siemsen würde gerne mit Arnold weitermachen

DAZ.online: Mit welchem Vize würden Sie eigentlich gerne „regieren“?

Siemsen: Matthias Arnold hat ja gesagt, er kandidiert für das Amt des Vize-Präsidenten. Da es eine Bewerbung, wie von Schmidt und Arnold angekündigt, im „Doppelpack“ gar nicht gibt, sondern jeder Interessent sich für jedes Amt unabhängig bewerben muss, würde auch ich mich über eine Zusammenarbeit mit Matthias Arnold freuen. Natürlich gibt es aber noch andere Kandidaten. Wichtig ist mir, dass der- oder diejenige aktiv ist. Stefan Fink ist ein gutes Beispiel: Haben Sie den mal über sein ARMIN-Projekt reden hören? Der Mann brennt dafür. Auch Thomas Preis hat sich schon einmal als Vize-Präsident beworben. Auch das könnte ich mir vorstellen.

DAZ.online: Passt denn das zeitintensive Amt des ABDA-Präsidenten in ihr derzeitiges Leben?

Siemsen: Ich habe das natürlich lange mit meiner Frau besprochen und hätte es niemals ohne Ihre Zustimmung gemacht. Unsere Kinder sind ja inzwischen aus dem Haus. Ebenso wichtig war mir aber auch die Rückendeckung meines Kammervorstandes. Und die habe ich.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Interview mit dem Hamburger Kammerpräsidenten Kai-Peter Siemsen

Klarer, lauter, diskussionsfreudiger

Gegenkandidat für Friedemann Schmidt

Kai-Peter Siemsen will ABDA-Präsident werden

Kai-Peter Siemsen: Hintergründe, Ziele und Statements

Wer ist der Gegenkandidat?

Hamburger Kammerpräsident will gegen Friedemann Schmidt antreten

Kai-Peter Siemsen kandidiert als ABDA-Präsident

Lagebericht des ABDA-Präsidenten

Schmidt ruft Apotheker zu Zusammenhalt auf

Kommentar zur Kampfkandidatur 

Widerstand unterschätzt, Probleme kleingeredet

Milz wird neue Vertreterin der angestellten Apotheker

Schmidt bleibt ABDA-Präsident

3 Kommentare

Tja, die Gewerkschaften .....

von Gunnar Müller, Detmold am 19.09.2016 um 18:54 Uhr

..... die ABDA hätte sicherlich dieselbe Rückendeckung, wenn sie - wie diese - jedes Jahr (!) eine Erhöhung der Apotheken-Vergütung in dieser Größenordnung erreichen würde ......
Auch hier ist mehr apothekerliche Standfestigkeit resp. ABDA-"Präsenz" erforderlich, als Sie befürchten, Herr Siemsen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Wo hakt's ?

von gabriela aures am 19.09.2016 um 14:10 Uhr

Sehr geehrter Herr Siemsen,

vielen Dank für Ihre erklärenden Worte und die Vorstellung Ihrer Pläne.


Eine Qintessenz aus obigem Interview ist für mich:
Das Hauptamt "blockiert".

Ähnlich wie Sie halte ich FS für einen hervorragenden Redner, war in den Anfangszeiten ein großer Fan und hatte eigentlich noch sehr lange die Hoffnung: da dreht sich was, da passiert was.

Jetzt steht aber jeder Präsident (ob FS oder KPS) offensichtlich grundsätzlich vor dem gleichen Problem:
Teile des Hauptamtes
Da hat sich scheinbar FS die Zähne ausgebissen und vermutlich irgendwann einfach aufgegeben.Nicht genug Unterstützung oder vielleicht auch gar nicht den unbedingten Willen zu Veränderungen gehabt- das bleibt sein Geheimnis.
(Ich wiederhole mich: im Gespräch mit v.Stackelberg bei einer Interpharm war er klasse - aber kaum ist ein "Aufpasser" der ABDA dabei, ist es vorbei....)

Haben Sie die Unterstützung, den Rückhalt aus den MOs , hier die Machtverhältnisse zu verschieben?
Haben Sie den langen Atem, den es sicher braucht, um die Struktur, die Verantwortungsbereiche innerhalb der ABDA (zumindest) teilweise zu verändern und liebgewonnene Pfründe zu beschneiden ?
Haben Sie eine Mehrheit, die uneigennützig den Weg mitgeht ?

Eine Schlußbemerkung:
"Wenn die ABDA 9,60 Euro Fixhonorar fordert und es gibt 8,35 Euro, heißt es: ‚Die ABDA hat versagt!‘ "
Das ist nur die halbe Wahrheit.
Vielmehr hat mich folgendes Szenarium entsetzt:
Fritz Becker, wahrlich ein alter Hase im Geschäft, hat nur einen Tag(!) vor Verkündung der satten 25 Cent , gesagt:
"Wir könnten bei 9,14 € landen ! "
Wie kann man die Lage nur so falsch einschätzen ?
Und es war ja nicht die einzige enttäuschte Hoffnung in den letzten Jahren - bei jedem noch kommenden Gesetz sahen wir uns berücksichtigt mit unseren Forderungen. Und seitdem platze so ziemlich jede Seifenblase .
Konsequenzen: keine, nur immer wieder lange Gesichter und ungläubiges Kopfschütteln.
Und die Ankündigung, daß ja noch einige weitere Ragierungsvorhaben auf der Tagesordnung stehen und da sind wir dann aber ganz sicher dabei.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Notwendiger Wechsel!

von Christian Giese am 19.09.2016 um 13:02 Uhr

Narzistisch-technokratische Führungen sind immer Kurzläufer.
Gut so, Herr Siemsen, die Chancen stehen deshalb nicht schlecht!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.