Neues Buch von Jens Spahn

„Datenschutz ist was für Gesunde“

Berlin - 19.09.2016, 07:00 Uhr

Ex-Gesundheitspolitiker Jens Spahn veröffentlicht in einem Buch seine Visionen zur Digitalisierung des Gesundheitswesens. (Foto: Laurence Chaperon)

Ex-Gesundheitspolitiker Jens Spahn veröffentlicht in einem Buch seine Visionen zur Digitalisierung des Gesundheitswesens. (Foto: Laurence Chaperon)


Ärzte und Apotheker kommunizieren unsicher

Spahn prophezeit, dass sich insbesondere die Ärzte auf große Veränderungen in ihrem Berufsverständnis einstellen müssen. Durch das Internet seien Patienten heutzutage selbstständiger und belesener. Daher gelte: „Es gibt kein Zurück mehr. Der Arzt der Zukunft wird viel mehr Partner seiner Patienten sein und viel weniger ‚Halbgott in Weiß‘.“ Die Ärzte müssten sich auch darauf einstellen, dass viele ihrer heutigen Tätigkeiten durch Maschinen ersetzt werden. Schließlich werde es Hochleistungscomputer geben, die mit dem Weltwissen der Medizin programmiert sein werden. Hinzu kämen 3D-Drucker, die Organe drucken könnten, und Sensoren und Wearables könnten unsere Körperfunktionen überwachen.

„Die Ärzte der Zukunft werden sich daran gewöhnen müssen, plötzlich im Wettbewerb mit solchen vernetzten Expertensystemen zu stehen“, heißt es in dem Buch. Die Autoren kündigen einen „Wettkampf“ zwischen Mensch und Maschine an, ähnlich wie dem zwischen Dampfmaschine und Menschen während der Industrialisierung.

Spahns Vorhersage für den Ausgang dieses Duells: „Wenn es nur um das Wissen rund um Diagnostik und Therapie geht, wird der Computer gewinnen. Er wird mehr wissen, immer verfügbar sein und ziemlich sicher seine Dienste auch deutlich preiswerter anbieten können, als es die Gebührenordnung für Ärzte vorsieht. Wenn es aber um das hohe Gut des Vertrauens, der Empathie und der Menschlichkeit geht, wird der Mensch gewinnen.“

Datenabwicklung unsicher wie bei Postkarten

Schon als Gesundheitspolitiker hatte Spahn insbesondere die Apotheker immer wieder aufgefordert, sich an Fortschritten zu beteiligen, weil sonst andere diese Entwicklungen übernehmen würden. Bei dieser Linie bleiben auch die drei Autoren des Buches. Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser aber auch Patientenvertreter gehörten zu oft – beispielsweise bei der elektronischen Gesundheitskarte – zu den „Bremsern“, weil sie vor dem „gläsernen Patienten“ warnen. Dabei fürchteten viele wahrscheinlich nur die „Transparenz ihres Tuns“, heißt es in dem Buch.

Die These der Autoren: Die heutige Datenabwicklung ist viel durchlässiger, viel ungeschützter als sie mit Computern jemals sein könnte. Zur Kommunikation zwischen Arzt und Apotheker heißt es: „Da werden täglich tausendfach Diagnosen und Empfehlungen per einfacher E-Mail hin- und hergeschickt oder nach wie vor – noch spannender  – per Fax. Aus der Sicherheitsperspektive gesehen könnten Sie da in beiden Fällen genauso gut eine Postkarte schicken, denn das Mitlesen ist für Außenstehende genau so einfach wie bei einer Postkarte.“ In einer Zeit des Online-Bankings und der elektronischen Steuererklärung sei auch das Papier-Rezept „antiquiert“.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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