Nach Todesfällen

Politiker fordern schärfere Gesetze für Heilpraktiker

Berlin - 17.08.2016, 18:00 Uhr

Ein Schild am Gebäude des Biologischen Krebszentrums Bracht (BKB Bracht) und ein Siegel der Polizei weisen auf die Schließung der Klinik hin. (Foto: Henning Kaiser / dpa)

Ein Schild am Gebäude des Biologischen Krebszentrums Bracht (BKB Bracht) und ein Siegel der Polizei weisen auf die Schließung der Klinik hin. (Foto: Henning Kaiser / dpa)


Drei Patienten einer „Biologischen Krebsklinik“ starben kurz nach einer umstrittenen Behandlung. Gegenüber DAZ.online fordern Gesundheitspolitiker der Union, SPD und Linken nun Gesetzesänderungen. Auch der Patientenschützer Eugen Brysch sieht dringenden Handlungsbedarf für Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.  

Der Fall eines „Krebsheilers“ in Brüggen-Bracht lenkt den Blick wieder auf ein Feld, das oft im Dunklen bleibt. Der Heilpraktiker warb, dass eine nicht geprüfte Substanz besser sei als alle Chemotherapeutika – und behandelte laut einer Information des Kreis Viersen seine später verstorbenen Patienten in einer Notfallsituation mit Vitaminen. Wie andere laufende Gerichtsverfahren und auch Recherchen von Journalisten zeigen, handelt es sich um keinen Einzelfall, sondern um eher um einen besonders dramatischen. Gegenüber DAZ.online fordern Gesundheitspolitiker der Großen Koalition wie auch der Linken nun Änderungen der Heilpraktiker-Gesetzgebung.

Als „unfassbar“ bezeichnet der Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Edgar Franke (SPD), die Vorfälle. „Es ist die Frage, ob Heilpraktiker die fachliche Eignung für onkologische Therapien haben“, erklärt er auf Nachfrage. „Wir müssen gewährleisten, dass Scharlatane keine Menschen therapieren dürfen.“ Der Fall könne als Anlass genommen werden, den Rahmen für die Befugnisse von Heilpraktikern neu zu regeln. Das sei Aufgabe des Bundesgesetzgebers, sagt er. „Das Heilpraktikergesetz muss überarbeitet und geschärft werden.“

Auch der stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Rudolf Henke (CDU), denkt über Begrenzungen und Konkretisierungen der Befugnisse von Heilpraktikern nach. Während es früher kaum einen Unterschied machte, ob ein Patient zum Arzt, zum Heilpraktiker oder zur Kräuterfrau ging, sei die Qualität und Bandbreite der ärztlichen Versorgung nun sehr gut ausgebaut. „Schon aus Gründen der Patientensicherheit frage ich mich deshalb, ob man die Heilpraktiker-Erlaubnis so undifferenziert erteilen soll wie bisher“, erklärt das Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer gegenüber DAZ.online. Er ist auch Vorsitzender des Marburger Bundes.  

Der CDU-Politiker verweist darauf, dass in der Schweiz nach einem Diskussionsprozess Heilpraktikern manche Kompetenzen zugesprochen, andere verboten wurden. „Ich denke, dass man diese Diskussion führen muss und führen wird“, erklärt Henke. Die Grenze dessen, was für Heilpraktiker erlaubt ist, müsse klarer definiert werden. „Das ist glaube ich der Weg, den man gehen sollte“, erklärt er. 

„Verzweiflung von Krebspatienten nicht ausnutzen"

Das Heilpraktiker-Gesetz regele aktuell „nur sehr wenig“, erklärt auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Kathrin Vogler. Insbesondere zur Qualifikation und zur Berufsausübung der Heilpraktiker gäbe es wenig Anforderungen. „Entsprechend viel müssen die Durchführungsverordnungen der Länder regeln“, sagt sie auf Nachfrage. „Eine Revision wäre überfällig.“

Wenn Patienten gefährdet werden, müssten laut Vogler Erlaubnisse zurückgezogen und straf- und zivilrechtliche Verfahren angestrengt werden. „Wenn die Selbstkontrolle versagt, muss staatliche Kontrolle ausgeübt werden“, betont sie. Das wäre auch im Sinne der Heilpraktiker, die ihre berufliche Verantwortung ernst nehmen. „Die Verzweiflung von Krebspatienten, denen die Schulmedizin keine Hoffnung mehr machen darf, darf nicht von Scharlatanen zum Geldverdienen genutzt werden“, erklärt Vogler gegenüber DAZ.online.

Für jede Therapie müssten Belege zu ihrer Sicherheit und Wirksamkeit erbracht werden – auch wenn Patienten die Freiheit haben sollten, wissenschaftlich nicht belegte Therapien auf eigenes Risiko auszuprobieren. „Sonst dürften ja zum Beispiel auch die meisten Heilkräuter nicht mehr als solche verkauft werden“, sagt die Linken-Politikerin. Aber diejenigen, die solche Therapien anbieten und teilweise sogar anpreisen, „müssen wahrheitsgemäß über den wissenschaftlichen Gehalt, das angenommene Wirkprinzip und vor allem über mögliche Risiken aufklären“, verlangt Vogler. „Insbesondere dann, wenn es um schwere und lebensbedrohliche Erkrankungen geht, dürfen Patienten nicht manipuliert und von der Nutzung konventioneller Therapiemöglichkeiten abgehalten werden.“

Auch die Grünen zeigen sich offen, die Regeln zu ändern. „Wir wollen, dass Patientinnen und Patienten gut und sicher versorgt sind“, erklärte die Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche gegenüber DAZ.online. Auch Heilpraktiker hätten ein Interesse daran, dass Scharlatane keine Chance haben. „Es muss gesetzlich sichergestellt sein, dass Ausbildung und Zulassung nach einheitlichen hohen Standards erfolgt“, sagte sie. 

Gröhe hat bislang keine Änderungspläne

Anders als seine Parlamentskollegen sieht Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auch angesichts der Zwischenfällen, über die er sich als erschüttert gezeigt hatte, offenbar keinen Handlungsbedarf. „Aktuell ist keine Änderung geplant“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums DAZ.online am Mittwoch auf Nachfrage. „Die Verabreichung von Substanzen, die nicht zugelassen sind und sich in einer Grundlagenforschung befinden, ist nicht vertretbar“, hatte Gröhe betont – doch offenbar wären Gesetzesänderungen nötig, um dies durchzusetzen.

Sein Ministerium sieht sich im Bereich Heilpraktiker-Wesen als kaum zuständig an. Die laut Heilpraktikergesetz nötige Überprüfung, ob von einem Alternativmediziner eine Gesundheitsgefahr ausgehen würde, und die Erteilung der Erlaubnis „liegen wie auch die Überwachung der Ausübung der beruflichen Tätigkeit als Heilpraktiker in der Verantwortung der Länder“, erklärte eine Sprecherin gegenüber DAZ.online.

Das Heilpraktikergesetz

Mit dem „Heilpraktikergesetz“ regelten die Nationalsozialisten erstmalig den Bereich der nicht-ärztlichen Medizin – sie wollten eine „Neue Deutsche Heilkunde“ etablieren und im Zuge dessen auch alternative Heilmethoden nutzen und regulieren. Das Gesetz ist mit nur rund 300 Wörtern äußerst kurz gehalten. Nur etwas umfassender ist die „Erste Durchführungsverordnung“ zum Gesetz, die beispielsweise eine Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten zukünftiger Heilpraktiker durch das Gesundheitsamt regelt. Die Erlaubnis wird hiernach nicht erteilt, wenn keine Volksschulbildung nachgewiesen werden kann – oder „die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten würde“.

Gesundheitsminister Gröhe hat keine Zaungastfunktion, er muss handeln

Für seine zurückhaltenden Äußerungen erhält Gröhe starke Kritik von Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. „Ich glaube, dass der Gesundheitsminister keine Zaungastfunktion hat, sondern aktiv handeln muss“, sagt Brysch gegenüber DAZ.online. Es sei ein äußerst schwaches Argument, sich darauf zurückzuziehen, dass man verwaltungstechnisch nicht zuständig sei. „Wenn es Gefahr für Leib und Leben gibt, kann ein Gesundheitsminister nicht sagen, das passt nicht zu meiner Verwaltungsstruktur“, betont Brysch.

Seiner Einschätzung nach handele es sich bei der Alternativmedizin um einen Milliardenmarkt, von dem kaum einer wisse, was genau geschieht. Deutschland scheine verschiedenste Therapieansätze aus aller Welt anzuziehen. „Da muss man sich von Seiten der Politik fragen, wie es sein kann, dass wir ein solcher Magnet sind – im Ausland begreift das keiner“, sagt Brysch. Das Heilpraktikergesetz müsse nachgeschärft werden. „Hier ist alles erlaubt, was nicht verboten ist“, erklärt er. In den Niederlanden ginge man einen anderen Weg. „Dort darf nur verabreicht werden, was zuvor zugelassen wurde“, sagt Brysch.

Update: Das Statement der Grünen wurde nachträglich ergänzt.

Im TV

Krebs – Das Geschäft mit der Angst
Ein Film von Claudia Ruby
die story | 17. August 2016, 22.10 - 22.55 Uhr | WDR
Der Film ist auch verfügbar in der ARD-Mediathek



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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21 Kommentare

Politik, Heilpraktiker,Ärzte

von Knabe Bärbel am 04.10.2016 um 22:14 Uhr

Top-Verdiener im Parlament: Der Aachener Rudolf Henke. Foto: Stock/Reiner Zensen
AACHEN. Der Aachener Bundestagsabgeordnete und Ärztefunktionär Rudolf Henke (CDU) hat es erneut auf die Liste der zehn Spitzenverdiener im Deutschen Bundestag des Internetblogs „abgeordnetenwatch.de“ geschafft. Mit seinen vielen einträglichen Nebenjobs hat er demnach seit Beginn der Legislaturperiode im November 2013 bis heute mindestens 252 000 Euro hinzuverdient.

Nachdem vor fünf Jahren vor allem der frühere Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Republik mit seinen Nebenverdiensten in Wallung versetzt hat, finden sich inzwischen ausschließlich Vertreter der Unionsparteien auf der Liste der Top Ten.

Weit abgeschlagen bleiben weiterhin die beiden Aachener Bundestagsabgeordneten Ulla Schmidt (SPD) und Andrej Hunko (Linke). Letzterer verzeichnet überhaupt keine Nebenverdienste, Ulla Schmidt hat im Laufe der Legislaturperiode bisher mindestens 40 000 Euro hinzuverdient – als Mitglied des Philips-Aufsichtsrats und als Beiratsmitglied der K&S Sozialbau AG.

Darüber wird Henke nur müde lächeln können, der bereits vor Jahren gegenüber den „Nachrichten“ zugab, „ordentlich nebenher“ zu verdienen. Seine Haupteinnahmequelle ist weiterhin seine Präsidentschaft der Ärztekammer Nordrhein, die ihm monatlich mindestens 7000 Euro zusätzlich einbringt, es kann aber auch mehr als doppelt so viel sein.

Der Grund für diese Unklarheit ist, dass die Bundestagsabgeordneten nicht die genaue Höhe ihrer Nebeneinkünfte bekanntgeben müssen, sondern lediglich „Stufen“ angeben. Im Falle der Henke-Präsidentschaft ist dies „Stufe 3“ für monatliche Einkünfte zwischen 7000 und 15 000 Euro. Als Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund verzeichnet Henke weitere Monatseinnahmen zwischen 3500 bis 7000 Euro. Die Allianz Krankenversicherung, das St. Antonius Hospital Eschweiler und die Deutsche Ärzteversicherung tragen ebenfalls zu einem ansehnlichen Salär bei.

Jede Einrichtung überweist jährlich zusätzlich zwischen 7000 und 15000 Euro an Henke für seine Dienste. Seine Nebenverdienste sind damit höher als die Diät des Bundestagsabgeordneten von derzeit monatlich 9082 Euro. Der Blog „abgeordnetenwatch.de“ geht davon aus, dass die Nebeneinkünfte in Wahrheit noch wesentlich höher sind, da nach den geltenden Veröffentlichungsregeln des Bundestags immer noch viele Einkünfte verschleiert werden könnten.

Der Blog fordert daher „die Offenlegung aller Nebeneinkünfte vom ersten Euro bis zum letzten Cent sowie die namentliche Nennung aller Geldgeber“. Nur so würden sich finanzielle Abhängigkeiten und mögliche Interessenkonflikte offenlegen und kritisch hinterfragen lassen.

Für eine Stellungnahme war Henke nicht zu erreichen. Zuletzt hatte er jedoch stets darauf verwiesen, dass er seine parlamentarischen Pflichten zu keinem Zeitpunkt vernachlässigt habe. Zudem kämen seine beruflichen Erfahrungen und Kenntnisse sowie sein ärztliches Fachwissen auch der Arbeit des Bundestages zugute.

Rudolf Henke zählt zu den Spitzenverdienern im Bundestag - Lesen Sie mehr auf:
http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/rudolf-henke-zaehlt-zu-den-spitzenverdienern-im-bundestag-1.1150953#plx1790451978

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Biologische Krebsmedizin

von Benedde am 20.08.2016 um 23:05 Uhr

Die meisten der Kommentare hier scheinen wirklich von blindem demagogischen Hass gegen die biologische Medizin motiviert zu sein. Die möglichen Verfehlungen einer einzelnen Einrichtung als Grund für einen Rundumschlag gegen Heilpraktiker zu instrumentalisieren, ist einfach übelste Stimmungsmache. Tatsächlich leistet die komplementäre biologische Krebsmedizin doch großartiges im Sinne einer Verbesserung der Überlebensraten, der Lebensqualität und der besseren Verträglichkeit konventioneller Therapien. Viele dieser Therapieansätze stehen wissenschaftlich auf soliden Füssen. Im übrigen scwarze Scharfe gibt es in vielen Berufsgruppen. Mir sind von Fortbildungen und durch Austausch mit Kollegen ehrlich gesagt niemand bekannt, der nicht in gewissenhafter und verantwortlicher Weise zum Wohle der Patienten arbeitet.

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Von wegen gut ausgebaute Qualität der ärztlichen Versorgung

von Dr. Werner Ullrich am 18.08.2016 um 10:42 Uhr

Da wird eine Heilpraktiker-Klinik geschlossen und in allen möglichen Medien geschrieben, dass dort Menschen gestorben sind, die zuvor an Krebs erkrankt waren. Mann stelle sich nur einmal vor, es würden Krebspatienten in ärztlichen Krankenhäusern sterben. Ist das unvorstellbar? Nein, es ist traurige Realität. Die herkömmlichen und finanziell sehr einträglichen Krebstherapien mit Chemotherapie und herkömmlicher Strahlentherapie haben doch offensichtlich keinen erkennbaren Fortschritt gebracht. Sehen wir uns nur die Todeszahlen an in der Entwicklung der letzten 25 Jahre - kein Fortschritt. Da werden 5-Jahre-Überlebensraten genannt. Und warum gibt es keine 10-Jahre-Überlebensraten? Die Antwort lautet: Weil die Zahlen im Promille-Bereich sind. Es wird in der westlichen Welt für diese herkömmlichen Methoden, sehr viel Geld ausgegeben. Wo ist der Effekt, oder wie im Artikel beschrieben: die hohe ärztliche Qualität? Diese kann sich doch nur im Erfolg für die Patienten zeigen. Wo sonst? Doch da ist Fehlanzeige. Somit kein Wunder, dass man sich als betroffener Patient alternativen Methoden hinwendet, denn die herkömmlichen versagen. Milliarden Euro werden jährlich ausgegeben allein für die Substanzen der Chemotherapie. Wenn wir vom Hodenkarzinom und Hodgkin absehen, bringt diese äußerst aufwendige Therapie nichts außer unerträglichen Belastungen für die Erkrankten. Vielleicht sogar Lebensverkürzung. Eine Umfrage unter Onkologen (ärztlichen!) hat ergeben, dass diese überwiegend selbst im Fall der Fälle Chemotherapie ablehnen, obwohl sie es bei ihren Patienten täglich einsetzen. Aber mir scheint, hier werden in Medien politische Aufträge gegen den Stand der Heilpraktiker erfüllt. Keine Frage, die Polizei einzusetzen, wenn es um Versagen oder Pfusch geht, durch die Menschen ihr Leben verlieren. Eine Schließung geschieht hoffentlich auch in den ärztlich geleiteten Kliniken, wenn es dort solche Vorkommnisse gibt. Die Trennung sollte meines Erachtens zwischen gut und schlecht erfolgen und nicht zwischen Berufsgruppen.

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AW: Wirklich?

von Norbert Aust am 18.08.2016 um 14:25 Uhr

> Sehen wir uns nur die Todeszahlen an in der Entwicklung der letzten 25 Jahre - kein Fortschritt.

Wirklich nicht?
Auf der Webseite des Zentrums für Krebsregisterdaten finden Sie die Statistik, dass die Todesraten seit 1998 - weiter geht die Statistik nicht zurück - um 20 % gesunken sind. Bei etwa gleichbleibender Erkrankungsrate.

Dort finden Sie übrigens auch 10-Jahres-Überlebensraten.
Ich weiß nicht, ob hier links funktionieren:
http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Krebs_gesamt/krebs_gesamt_node.html

Auch Demagogie ohne Rücksicht auf die Faktenlage treibt die die Menschen reihenweise zu Scharlatanen, die aus irgendwelchen halbgaren Hirngespinsten heraus krude Therapien anwenden.

AW: Artikel

von I.Fischer am 18.08.2016 um 14:38 Uhr

Herr Dr.Ullrich, vielen Dank für Ihren Artikel. Wann hört das endlich mal auf "alle Heilpraktiker" sind Pfuscher und haben keine Ahnung und warum kommen wir nicht endlich zu einer Zusammenarbeit?! Was vorgefallen ist, ist nicht tragbar! Aber wie viele Patienten sterben täglich in Kliniken, an Medikamenten...die von Ärzten behandelt werden? Auch darüber gibt es ausreichend Recherchen und Statistiken.
Das kann man so nicht stehen lassen. Es gibt sehr viele gut ausgebildete Heilpraktiker, die sehr sorgsam und sich ihrer Verpflichtung dem Menschen gegenüber wohl bewußt sind und entsprechend arbeiten und es wäre sinnvoll beides zu verbinden, als die ewige Hetzerei, wer besser ist. Letztlich wollen beide Berufsgruppen das Beste für Patienten.

AW: ??

von Norbert Aust am 18.08.2016 um 17:01 Uhr

@ I. Fischer

Warum sind denn eigentlich die Heilpraktiker, die keine Pfuscher sind, nicht froh, wenn über gesetzliche Maßnahmen ausgeschlossen werden soll, dass Pfuscher als Heilpraktiker tätig werden können? Eigentlich müssten diese das Ansinnen doch begrüßen? Letztendlich müssten die Nicht-Pfuscher unter den Heilpraktikern eine verschärfte Prüfung ohne Weiteres bestehen können.

AW: Bitte?

von Udo Endruscheit am 18.08.2016 um 17:07 Uhr

Herr Dr. Ulrich, nur am Rande, für Ihre Demagogie gibt der im Artikel angesprochene Fall nichts her. Die Patienten waren alle nicht in einem letalen Stadium. Sie sind nach den bisherigen Erkenntnissen unmittelbar an der Folgen der Applikation des Mittels verstorben, das ihnen der "Heilpraktiker" verabreicht hat.
Ihre -faktisch ohnehin dünne- Apologie pro Alternativ steht damit schon auf einem zusammengebrochenen Pfeiler. Und was wollen Sie uns sonst noch sagen? Weg mit der evidenzbasierten Medizin, wir lassen das Rumprobieren fröhliche Urständ feiern, denn die Leute sterben doch sowieso?
Ich hoffe, Sie sind kein Mediziner, denn sonst würde ich schon dazu raten, die eigene Position als Teil der wissenschaftsorienterten Medizin mal zu überdenken.

Danke

von Natalie Grams am 18.08.2016 um 8:31 Uhr

Bester Kommentar ever - Danke!

Danke natürlich auch für den kritischen Blick es Redakteurs!

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AW: Skeptizismus

von Loengard am 18.08.2016 um 13:32 Uhr

Informationen zu GWUP, CSICOP und anderen "Skeptiker"-Organisationen - http://www.skeptizismus.de/


"Skeptiker"-Organisationen: Selbstdarstellung und Rhetorik - http://www.skeptizismus.de/rhetorik.html


"Skeptiker"-Organisationen: Fallbeispiele - http://www.skeptizismus.de/beispiele.html

AW: Kalter Kaffee...

von Susanne Aust am 18.08.2016 um 15:13 Uhr

@Loengard: Seit 13 Jahren derselbe Kommentar von Ihnen - etwas Neueres kennen Sie nicht? Schade. Für die Mitleser eine Stellungnahme der GWUP dazu: https://www.gwup.org/infos/themen/113-skeptikerorganisationen/304-gwup-kritik-beispiel-skeptizismus-de

AW: Bullshit

von Loengard am 18.08.2016 um 15:49 Uhr

13 Jahre??? XD

Vor 13 Jahren hatte ich noch gar keinen Internetanschluss, kannst die GWUP nochmal...was für ein bescheuerter Kommentar und noch eine dreiste Lüge obendrauf!

AW: Nachtrag

von Loengard am 18.08.2016 um 15:51 Uhr

Kannte die GWUP nochmal...sollte das heißen

AW: Noch´n Nachtrag

von Loengard am 18.08.2016 um 15:53 Uhr

Boah...jetzt aber "kannte die GWUP noch nicht mal" soll das richtig heißen -.-*

Falscher Eindruck ...

von Reinhard Herzog am 17.08.2016 um 23:37 Uhr

Hier wird der Eindruck vermittelt, als ob sich Heilpraktiker außerhalb des Arzneimttelgesetzes, der Lebensmittel-, Medizinprodukte- und Hygieneregeln, der Haftungsregeln u.a.m. bewegen dürfen und quasi einen "therapeutischen Freifahrtschein" haben.

Das ist definitiv nicht so. Da greift mehr als vielleicht auf den ersten Blick ersichtlich.

Allerdings: Wo kein Kläger, da kein Richter. Und so gibt es weniger ein Regelungsdefizit als ein Aufklärungs- und Erkennungsdefizit, das berühmte "Dunkelfeld". Möglicherweise liesse sich die Liste der Behandlungsverbote (die es bereits gibt, z.B. viele Infektionskrankheiten) sinnvoll erweitern.

Über die Zugangsvoraussetzungen zum Heilpraktiker lässt sich trefflich streiten. Wobei auch etliche Naturwissenschaftler, Apotheker-Kollegen, der eine oder andere aus den Pflegeberufen, Tierärzte (sic!) usw. dabei sind, also durchaus mit ganz ordentlichen Vorkenntnissen und medizinischer Affinität.
Bei der Heilpraktiker-Überprüfung sieben die Amtsärzte im mündlichen Teil ganz kräftig aus. Und es gibt etliche Heilpraktikerschulen (mit durchaus gutem Lehrangebot), deren gewissenhafter und erfolgreicher Besuch die Bestehenswahrscheinlichkeit deutlich steigert.

Die Mehrzahl der Heilpraktiker macht einen ganz passablen Job: Sie verkaufen vor allem ihre Zeit und Aufmerksamkeit, die woanders so knapp sind ... und gehen als Querdenker bisweilen erstaunlichen Krankheitsursachen auf den Grund, die eben nicht in evidenzbasierte Leitlinien passen.
Zudem gibt es auch noch so etwas wie eine Eigenverantwortung der Menschen bzw. Patienten.

Also, machen wir nicht den Fehler, immer, wenn irgend etwas passiert, reflexhaft nach Verschärfungen zu rufen, die am Ende alle mehr einschränken - für minimale Erfolge im Gesamtkontext.
Wie viele Patienten werden durch Ärztefehler geschädigt? Wie viele büßen für unterschiedlichste, wirtschaftliche Interessen? Werden in den Mühlen des schulmedizinischen Systems zermahlen? Und auch dies ist bis zu einem gewissen Grad hinzunehmen, denn "shit happens", Fehlerfreiheit ist eine Illusion, und gegen Bosheit und Dummheit kämpfen selbst die Götter vergebens ...

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AW: Heilpraktiker-Methoden

von Udo Endruscheit am 18.08.2016 um 4:33 Uhr

Oh, die Heilpraktiker müssen natürlich einige Grenzen beachten, die zum Schutz vor gröbsten Fehlern bestehen. Aber erstens halten sie sich häufig nicht daran und zweitens hindert sie niemand daran, ihre Praxis auf einem ordentlich Schuss Esoterik plus einer Dosis echter Pseudomedizin zu betreiben. Die Heilpraktikerschulen spielen dabei eher eine verhängnisvolle Rolle. Die Programme solcher Heilpraktikerschulen, die durch nichts reguliert sind, kann man vielfach im Internet einsehen. Ich kann genug davon vorzeigen, wo nichts, aber auch gar nichts enthalten ist an seriösen Lehrinhalten. Einen Patienten sehen die Anwärter vor ihrer Niederlassung praktisch nie. Im Grunde zielen all diese Schulen auf eine mehr oder weniger aufwendige -und kostenträchtige- Prüfungsvorbereitung ab. Was darüber hinausgeht, enthält in der Regel eine gute Portion Esoterik, vielfach werden auch Argumente gegen Impfungen "gelehrt".
Dass es Leute gibt, die sich ehrlich Mühe geben, gestehe ich gern zu. Das aber rechtfertigt keinen Zweig von "Heilkundeausübenden" neben akademisch ausgebildeten Ärzten. Die Szene ist ein Sumpf und Kontrollen gibt es de facto nicht.
Bei Heilpraktikern findet man die Masse der nicht ärztlich tätigen Homöopathen, jede Menge Impfgegner, Propagandisten "energetischer" Heilmethoden, von Reiki, TCM und Co. Und das sind nur die bekannteren. Die haben in einem geordneten, wissenschaftlich basierten Gesundheitswesen nichts zu suchen.

Und dann immer wieder das elende Argument der Fehler und Unzulänglichkeiten im wissenschaftsbasierten medizinischen System. Natürlich gibt es die. Sie gehören aber und werden auch benutzt für den nötigen ständigen Erkenntnisfortschritt. Aber man kann doch nicht die Unzulänglichkeiten in einem System nicht als Argument für die Rechtfertigung von "Unzulänglichkeiten" einer ganz anderen Klasse in einem anderen System heranziehen! Das ist nur ein Haltet-den-Dieb-Argument.
Wer weiß außerdem, wie schlecht de mageren haftungsrechtlichen Regelungen für Heilprakiker im Bedarfsfall wirklich greifen? Da muss es schon einen Extremfall wie gerade geben, und damit werden sich Richter und Staatsanwälte schon noch ordenltich schwertun.
Es gibt nur eine Wissenschaft. Ein Teil davon ist die medizinische Wissenschaft, die -mit grandiosem Erfolg- den allgemein geltenden wissenschaftlichen Prinzipien -Hypothese,Theorie, Versuch der Falsifizierung, daraus folgend verbesserte Hypothese...- folgt. All das ist der "zweiten Szene", dem Heilpraktikerwesen, einer längst überholten deutschen Besonderheit- fremd. Sie arbeitet durchweg auf der Basis von Glaubenssystemen. Und das brauchen wir nicht und können wir uns auch nicht leisten.

AW: Heilpraktiker sind genau richtig in dieser Zeit

von Ina Elsner am 18.08.2016 um 8:55 Uhr

Lieber Reinhard Herzog,

ich stimme ihnen in allen Punkten zu.
Großes Lob für diesen ausführlichen Bericht.

AW: Heilpraktiker - weshalb gehen Menschen hin?

von Ellen Baas am 18.08.2016 um 9:48 Uhr

Vielen Dank an Dr. Herzog für seinen Kommentar.
Man kann gegen alles sein und gleich nach Gesetzen rufen, wenn irgendwo irgendetwas passiert ist. In manchen Fällen mag das sinnvoll sein. Weshalb aber nicht mal nach dem "Warum" fragen? Sich in Menschen hineinversetzen, die Heilpraktiker überhaupt besuchen? Kann es denn nicht am (manchmal vielleicht auch gesunden) Misstrauen gegen die Schulmedizin oder schlechten Erfahrungen mit ihr liegen? Oder daran, dass es in unserem "normalen" Gesundheitswesen irgendwie an der Menschlichkeit fehlt, seit in so vielen Belangen auf die Wirtschaftlichkeit der größte Wert gelegt wird? Menschen sind oft bereit, den Besuch beim Heilpraktiker zu bezahlen, weil sie sich beim Arzt "durchgeschleußt" und unverstanden fühlen. Der hat nämlich nicht so viel Zeit wie ein Heilpraktiker und nicht immer den Nerv (er muss ja schließlich wirtschaftlich denken und die Zeit, die bekanntlich Geld ist, läuft...), zu hören, was der Patient zu berichten hat. Außerdem sitzt oft das Wartezimmer voll und wir hören auch warum: Ärztemangel! Irgendwie alles ein wenig paradox - der Bedarf ist da, es fehlen aber offenbar Arztpraxen (und bald wohl auch Apotheken, wenn man die Gesundheitspolitik so anschaut). Tja, da wird es wohl künftig mehr Heilpraktiker geben, an die sich die (noch zahlungsfähigen) Kranken wenden. Da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz...
Fazit:
- Das gesamte Gesundheitswesen ist eigentlich der Patient und hier sind wirklich die Politiker (und Menschen, die bereit sind, sich einzumischen) gefordert.
- Ein neues Gesetz für Heilpraktiker allein wäre nur wieder eine aufgesattelte Lösung, die am falschen Ende ansetzt und sich einreiht in die ohnehin schon unübersichtliche Gesetzeslandschaft.
- Pauschalierungen helfen nie weiter, egal, ob es d i e Heilpraktiker oder d i e Schulmediziner trifft.

AW: Falscher 'falscher Eindruck'

von Norbert Aust am 18.08.2016 um 10:30 Uhr

Herr Herzog,
dass es möglicherweise Heilpraktiker gibt, die eine gute Vorbildung haben, die vielleicht sogar über gewisse therapeutische Fähigkeiten verfügen, schützt uns nicht vor den Problemen mit diesem Berufsstand, die am anderen Ende der Skala auftreten.

Ausbildungsrichtlinien, Prüfungsrichtlinien oder sonstige gesetzliche Regelungen hierzu stellen Mindestanforderungen dar. DIe Frage ist, ob jemand, der die Mindestanforderungen erfüllt, die für Heilpraktiker gelten, tatsächlich fähig ist, die Heilkunde auszuüben. Ich behaupte nein, denn das Heilen selbst kommt in der Heilpraktikerprüfung nicht vor. Und diese ist das Maß aller Dinge, worauf der Ausbildungsinhalt vieler Heilpraktikerschulen ausgerichtet ist: das Bestehen der Heilpraktikerprüfung. Mehr nicht.

Die von Ihnen angesprochenen "guten Heilpraktiker" dürften ja doch eigentlich kein Problem damit haben, höhere Mindestanforderungen zu erfüllen als sie jetzt gelten, oder? Damit greifen Ihre Argumente nicht.

Patientenschutz muss endlich durchgesetzt werden!

von Udo Endruscheit am 17.08.2016 um 21:16 Uhr

Deutschland ist ein Tummelplatz für Alternativmedizin jeglicher Art und Couleur. Ganz vorne mit dabei spielt das Heilpraktikerwesen, ein Überbleibsel der Gesetzgebung aus dem Jahre 1939, die damals eigentlich nur eine erste Stufe des Ausschlusses von Heilbehandlungen durch andere als akademisch ausgebildete Ärzte sein sollte (bis 1939 durfte jedermann an anderen Menschen herumdoktern). Die zweite Stufe ist in den Kriegswirren untergegangen und hängt der bundesrepublikanischen Gesetzgebung an wie ein Kaugummi unter dem Schuh. Es wird Zeit, damit ein Ende zu machen. Heilkunde gehört in die Hände akademisch ausgebildeter und auf evidenzbasierte Medizin verpflichteter Ärzte.
Über unsere Heilpraktikerregelungen wird im Ausland gelacht. Hauptschulabschluss, Führungszeugnis und das Bestehen einer beliebig wiederholbaren "Prüfung" beim Amtsarzt, die lediglich nachweisen soll, dass der Proband keine (direkte) Gefahr für die Volksgesundheit darstellt - und schon kann der Heilpraktiker sein Süppchen aus beliebigen Pseudomethoden zusammenbrauen und dem ahnungslosen, aber vertrauensvollen Patienten verabreichen.
Verbraucherschutz wird in Deutschland doch angeblich so groß geschrieben, seien es Autos, Kinderspielzeug, Lebensmittel, Glühbirnen, Akkus und viele andere schöne Dinge des täglichen Lebens. Und da wird es hingenommen, dass tausende Leute, in der Regel in völliger Selbstüberschätzung, -zig unwirksame bis schädliche, vielfach rein esoterische Methoden an Menschen ausprobieren? Denn nichts anderes ist das. Ein effektiver Verbraucherschutz in der Medizin wäre doch wohl das Vordringlichste überhaupt.
Wieso ist das so ein heißes Eisen? Gibt es administrative oder Zuständigkeitsprobleme? Dann möge sich Herr Gröhe mit Herrn Schneider ressortübergreifend zusammentun und als erstes das längst dafür überfällige Heilpraktikergesetz dahin tun, wo es hingehört - in den Mülleimer. Wenn dazu noch eine evidenzbasierte Negativliste von Verfahren käme, vor deren Anwendung bzw. Inanspruchnahme ausdrücklich aus Verbraucherschutzsicht gewarnt würde, wäre sehr, sehr viel gewonnen. Von Verboten wollen wir mal gar nicht reden.
Siehe Österreich. Das Heilpraktikerunwesen gibt es dort nicht, Heilkunde ist Ärzten vorbehalten. Dass dort die Alternativverfahren sprießen, die sich nicht als "Heilkunde" verstehen -ganz groß ist dort die Branche der "Energetiker"- wird auch dort aus der Verbraucherschutzsicht bekämpft.

Herr Gröhe, Herr Schneider - nur Mut! Sie erfüllen Ihre Aufgaben als Gesundheits- und als Verbraucherschutzminister, wenn sie hier einen Schlussstrich ziehen. Und bitte - nicht das Argument, Heilpraktiker und ihre Methoden seien doch so nachgefragt und beliebt. Wenn Sie diesem (Schein-)Argument folgen wollen, müssten Sie zuerst einmal ein Gesetz zur Freigabe aller Drogen verabschieden.

Meine Herren, ich setze auf Sie!

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Politiker fordern...

von Jens-Wilhelm Salchow am 17.08.2016 um 20:15 Uhr

Wenn ich das schon wieder höre:
Die Herrschaften sollen gestalten und nicht fordern!
JWS

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