Apothekerkammer warnt

Ex-Chef von studiVZ kaufte Rezeptdaten von Patienten

Stuttgart - 03.08.2016, 14:40 Uhr

Rezept-Upload: Der Flyer von „Rezeptivo“ zeigt, wie einfach die Prämie zu erwerben ist. (Screenshot: DAZ.online)

Rezept-Upload: Der Flyer von „Rezeptivo“ zeigt, wie einfach die Prämie zu erwerben ist. (Screenshot: DAZ.online)


Wer steckt hinter dem Angebot?

Während laut Impressum eine „MJ SEA GROUP PTE. LTD.“ die Seite betreibt, wurde die Internetadresse rezeptivo.de von der Berliner „MCB Beteiligungs GmbH“ registriert, wie Recherchen von DAZ.online ergeben. Inhaber der Firma ist Michael Brehm, der nach einem dreiviertel Jahr als Banker bei Merill Lynch von Mai 2006 bis Ende 2008 Geschäftsführer der Firma „VZ Netzwerke“ war und die Sozialen Netzwerke studiVZ oder das inzwischen eingestellte schülerVZ betrieben hat. Aktuell ist er als Investor tätig.

Die Kontaktaufnahme mit Brehm ist nicht ganz einfach. Die Nachfrage bei einem zuvor auch bei studiVZ tätigen Mitarbeiter ergibt, dass der Internetauftritt von „Rezeptivo“ tatsächlich mit Brehm zusammenhängt – und offenbar nicht von dubiosen Geschäftemachern aus dem Ausland betrieben wird. Er sei allerdings nur für die Technik zuständig, schreibt er.

Welchen Zweck hat das Angebot?

Eine Mitarbeiterin von Brehms E-Commerce-Firma „Rebate Networks“ leitet schließlich eine Stellungnahme des Chefs an DAZ.online weiter. „Jedes Jahr werden ca. 50 Konzepte und Ideen getestet, von denen dann normalerweise eine Idee langfristig umgesetzt wird“, schreibt Brehm in dieser Mitteilung.

Zu welchem Zweck werden die Daten verwendet? Auf dem Flyer ist abgedruckt, Rezeptivo sei ein Marktforschungsunternehmen, das anonymisierte Umfragen durchführt, um die Qualität von Medikamenten zu verbessern. „Alle Daten werden bei uns sofort anonymisiert und nicht weitergegeben“, erklärt der Flyer.

Auf Nachfrage bleibt das Unternehmen im Ungefähren. „Im Rahmen von der M.C.B. Beteiligungs GmbH gründen und investieren wir auch stark im medizinischen Bereich und betreiben immer wieder Marktforschung, um nur die erfolgreichen Projekte weiterzuführen“, schreibt das Unternehmen auf Nachfrage. So investiere die Firma in ein Startup, das auf Basis von Handydaten die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten kalkuliere – oder in ein telemedizinisches Angebot. Doch warum sollen Patienten dann Fotos mit höchstpersönlichen Angaben einschicken – und werden nicht darauf aufmerksam gemacht, dass sie diese auch gleich selber schwärzen könnten?



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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3 Kommentare

Relevanz?

von Julia am 05.08.2016 um 13:56 Uhr

Natürlich gelten für alle Firmen geltendes Recht, aber so wie das hier klingt, war das ein Testprojekt- bei der noch nicht mal eine eigene Firma gegründet wurde. Test lief 1 Woche, konnte 2 Nutze generieren und das Ganze wird dann mit dem Titel " StudiVZ Chef kaufet Rezeptdaten" hochgebauscht. Wissen Sie wieviele Testprojekte bei Startups betrieben werden? Tausende! Die weitaus mehr Nutzer generieren. Was ist der Sinn dieses Artikels? Es gab einen kurzen Test von einer Woche, der nicht funktioniert hat und die Seite gibt es nicht mehr. Aha!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Startups nicht kapiert?

von Julia am 03.08.2016 um 19:42 Uhr

Aha, ganze 2 aktive Nutzer! Darüber so einen Artikel schreiben? Peinlich, dass schon wieder ein Reporter sich noch nicht mal die Mühe macht die Start Up Branche zu verstehen. Ganz ehrlich, das ist mehr als lächerlich, was Sie hier von sich geben!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Datenschutz nicht kapiert?

von Christian Becker am 04.08.2016 um 9:30 Uhr

Hat wer kontrolliert, ob es nur 2 aktive Nutzer gab? Was sind aktive Nutzer? Solche, die in den letzen Tagen ein Rezept hochgeladen haben? Manche Leute bekommen ihre Medikmente im Monatsrhythmus oder seltener - oder ohnehin nicht regelmäßig.
Auch ein Startup berechtigt nicht, gegen geltendes Recht zu verstoßen und die Erfassung solcher Daten ohne Angabe, zu welchem Zweck etc. die Daten gespeichert werden sollen, ist ein Verstoß gegen den Datenschutz.

Wenn es wirklich nur 2 Nutzer waren, relativiert das zwar den potentiellen Schaden und stärkt gleichzeitig ein wenig mein Vertrauen in die Vernunft der Menschen, dennoch ändert es nichts an der Tatsache, dass hier versucht wurde zu obskuren Zwecken an hochsensible Daten zu gelangen.

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