Ausreichende Versorgung?

Opposition kritisiert Gesundheitspolitik für Flüchtlinge

Stuttgart - 29.07.2016, 08:30 Uhr


Es drohen „Fehlbehandlungen und gesundheitliche Schäden“

Neben der ungenügenden Aufklärung über Möglichkeiten, bei akuten Problemen von einem Psychotherapeuten versorgt zu werden, verlangt er, dass zukünftig die Kosten für Dolmetscher von der Regierung übernommen werden. Er kritisierte auch die Empfehlung des BMG, einen „sprachkundigen Menschen Ihres Vertrauens“ mit zum Arzt zu nehmen, wenn dieser die eigene Sprache nicht spricht. „Es ist unverantwortlich, wenn beispielsweise Familienmitglieder bei der Diagnostik oder in einer erforderlichen psychotherapeutischen Behandlung übersetzen“, sagte Munz. „Ein Sohn oder die Tochter darf auf keinen Fall die Berichte des gefolterten Vaters übersetzen müssen.“ Es bedürfe professioneller Dolmetscher, um Missverständnisse auszuschließen – sonst drohen seiner Ansicht nach „Fehlbehandlungen und gesundheitliche Schäden“.

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink findet es „bitter“, dass die Bundesregierung die eigentlich vorgesehene Übernahme der Dolmetscherkosten wieder gestrichen hat. „Das Nicht- oder Falschverstehen erhöht nicht nur das Leid der Patientinnen und Patienten, sondern behindert auch Ärzte und Therapeuten bei der Einhaltung ihrer Aufklärungs- und Sorgfaltspflichten“, sagte sie in einer Stellungnahme. Die Bundesregierung sei gefragt, die Leistungseinschränkungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz in der gesundheitlichen Versorgung aufzuheben und die Kosten für die Gesundheitsversorgung von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern zu übernehmen.

Deutsche sind für Gleichbehandlung

Laut Klein-Schmeink müsse insbesondere die Union endlich den Handlungsbedarf eingestehen. „Integrationspolitik kann nur Wirkung entfalten, wenn sie auch die gesundheitliche Versorgung der Geflüchteten in den Blick nimmt“, erklärte sie. Es sei verantwortungslos, dass die Bundesregierung sich auf die Ermessensregelung im Asylbewerberleistungsgesetz zurückzieht und im Übrigen auf die Zuständigkeit der Länder verweist. „Sie darf nicht länger eine bundesweite Lösung für die Gesundheitskarte und die psychosoziale Unterstützung für Geflüchtete blockieren“, erklärte Klein-Schmeink.

Laut einer Umfrage des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller sind 81 Prozent der Deutschen dafür, dass Flüchtlinge bei der Gesundheitsversorgung gleichbehandelt werden.  



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Redakteur DAZ.online
hfeldwisch@daz.online


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