McKesson

Die Celesio-Mutter und der Daten-Gigant

Berlin - 01.07.2016, 15:15 Uhr

Mehr Daten: Der US-amerikanische Mutterkonzern McKesson schließt sich in den USA mit dem größten Apotheken-Abrechnungskonzern zusammen. (Foto: fotolia/santiago silva)

Mehr Daten: Der US-amerikanische Mutterkonzern McKesson schließt sich in den USA mit dem größten Apotheken-Abrechnungskonzern zusammen. (Foto: fotolia/santiago silva)


Der US-Gesundheitskonzern McKesson, Mehrheitseigner von Celesio, legt sein Gesundheits-IT-Geschäft mit dem US-Unternehmen Change Healthcare zusammen. Change Healthcare ist einer der größten Abrechner und Datenspezialist im US-Gesundheitssystem.

Größter Abrechnungskonzern heiratet mit Celesio-Mutter

Der US-Gesundheitskonzern und Pharmahändler McKesson tut sich mit dem Gesundheits-IT-Unternehmen Change Healthcare zusammen. Wie beide Unternehmen mitteilten, gründen sie eine neue Firma mit Fokus auf Gesundheits-Informationstechnologie. McKesson bringt dazu seine Technology Solutions-Sparte ein, die Soft- und Hardwarelösungen für Krankenhäuser, Krankenkassen, Arztpraxen und Apotheken anbietet. Change Healthcare bringt seinerseits sein Datennetzwerk in das Joint-Venture ein. Die gemeinsame Firma hat noch keinen Namen. Sie würde aber eines der größten IT-Unternehmen im US-Gesundheitssystem werden: Rein rechnerisch brachten es beide Einzelunternehmen im Geschäftsjahr 2016 (zum 31. März) auf einen Umsatz von 3,4 Milliarden Dollar.

An dem Gemeinschaftsunternehmen mit Change Healthcare soll McKesson rund 70 Prozent halten. 30 Prozent werden demnach auf Change Healthcare entfallen, das seinen Sitz in Nashville, Tennesse, hat und den Investmentfirmen Blackstone sowie Hellman and Friedman gehört. Neil de Crescenzo, CEO von Change Healthcare, soll Vorstandsvorsitzender des gemeinsamen IT-Unternehmens werden, während McKesson-Boss John H. Hammergreen den Posten des Chairman einnehmen wird. Die Neugründung soll in der ersten Hälfte 2017 abgeschlossen werden. Anschließend ist je nach Marktlage ein Börsengang vorgesehen.

Change Healthcare organisiert die Abrechnungen zwischen US-amerikanischen Apotheken einerseits und den Krankenversicherungen, Privatzahlern und staatlichen Versicherungsprogrammen andererseits. Der Konzern bezeichnet sich selbst als „größtes Finanz- und Verwaltungsnetzwerk“ des US-Gesundheitswesens. Change Healthcare zählt rund 60.000 Apotheken zu seinen Kunden. Der Konzern rechnet auch für 750.000 niedergelassene Ärzte, 105.000 Zahnärzte und 5.000 Kliniken ab.

Zugriff auf Rx-Datenbanken

Change Healthcare bietet Apotheken neben den Abrechnungsdienstleistungen auch Beratungen an. So berät der Konzern die Apothekenbetriebe beispielsweise, wie sie die Abrechnung mit den großen staatlichen Versicherungsprogrammen (zum Beispiel Medicare) optimieren können. Außerdem bietet Change Healthcare seinen Kunden auch Zugriff auf diverse Datenbanken an, beispielsweise Informationen über den Absatz und Umsatz von Rx-Medikamenten. Nicht zu verwechseln ist Change Healthcare allerdings mit den großen Pharmacy-Benefit-Management-Konzernen (kurz:PBM), die in den USA im Auftrag der Apotheken die Vergütungsmodalitäten mit den Versicherungen aushandeln.

Ungeachtet des Deals mit Change Healthcare will McKesson einen Teil seines Gesundheits-IT-Geschäftes behalten und nach „strategischen Alternativen“ dafür suchen. Was dies konkret bedeutet, ließ das Unternehmen offen. Das US-Analystenhaus Morningstar geht allerdings davon aus, dass dies den Verkauf an ein anderes Gesundheits-IT-Unternehmen oder an eine Private-Equity-Firma bedeuten könnte.

Neues Unternehmen will Datenaustausch befördern

Change Healthcare-Boss de Crescenzo sagte, dass das gemeinsame IT-Unternehmen neue Lösungen in den Bereichen Bezahl-Management, Mitglieder- und Patientenbetreuung, Datenaustausch, Analyse und Klinik anbieten werde. Das Joint-Venture sei hervorragend positioniert, um auf die Veränderungen in der US-Gesundheitsbranche reagieren zu können.

Tatsächlich dürften hinter dem Deal aber noch andere Gründe stecken. So glaubt Morningstar-Analyst Vishnu Lekraj, dass McKessons Gesundheits-IT-Geschäft nie wirklich zur Konzernstrategie gepasst hat. Es sei von Beginn an ein Geschäftszweig mit begrenzten Möglichkeiten gewesen. Das McKesson-Management habe in den vergangenen Jahren nie nennenswert in den Bereich investiert, und die Technologie hinke der anderer Gesundheits-IT-Unternehmen offenbar zwei bis drei Generationen hinterher.

Darüber hinaus hat McKesson seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2017 nach oben korrigiert. Statt bislang 13,30 Dollar bis 13,80 Dollar geht der Konzern nun von einem Gewinn in der Spanne von 13,43 Dollar bis 13,93 Dollar aus. Grund hierfür sei die Anwendung neuer Bilanzierungsregeln. McKesson hatte Anfang 2014 mehr als 75 Prozent der Celesio-Anteile übernommen.



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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