Transparenz-Initiative

Pharmafirmen zahlten Ärzten und Kliniken 575 Millionen Euro

Berlin - 20.06.2016, 15:00 Uhr

Stichtag für den großen Preis: Die vfa-Pressekonferenz zum offiziellen Startder Transparenz-Initiative: vfa-Geschäftsführerin Birgit Fischer mit FSA-Chef Holger Diener (l.) und vfa-Sprecher Jochen Stemmler. (Foto: vfa)

Stichtag für den großen Preis: Die vfa-Pressekonferenz zum offiziellen Startder Transparenz-Initiative: vfa-Geschäftsführerin Birgit Fischer mit FSA-Chef Holger Diener (l.) und vfa-Sprecher Jochen Stemmler. (Foto: vfa)


Linke: Nur ein Feigenblatt ohne Patientennutzen

Doch die Industrie wird wohl weiterhin mit Kritik leben müssen. So ist der Transparenzkodex für Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, lediglich „Augenwischerei“ und mehr eine „große Imagekampagne“ denn wirksame Selbstkontrolle. „Die Pharmakonzerne treten wohl die Flucht nach vorne an, um ein Verbot oder zumindest eine wirksame gesetzliche Beschneidung ihrer Manipulationen zu vermeiden“, vermutet Vogler. Den Patienten sei mit der Veröffentlichung jedenfalls nicht geholfen. Sie sollten sicher sein können, dass ihnen der Arzt nur verschreibt, was wirklich hilft. Doch die Realität sei, dass die Pharmakonzerne täglich zehntausend Vertreter in die Arztpraxen schicken, um das Verschreibungsverhalten zu beeinflussen. Vogler: „Das gehört unterbunden, da hilft auch kein Transparenzkodex – erst recht nicht einer, der nur auf freiwilligen Meldungen der Industrie basiert und wo jeder einzelne Doktor einer Veröffentlichung zustimmen muss.“

 Auch Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, hat für die Bemühungen der Pharmabranche wenig übrig. Er kritisiert, dass sich Ärzte bei den Transparenzlisten noch immer hinter dem Datenschutz verstecken dürften. „Deshalb ist der Gesetzgeber gefordert, diesen Namenlosen endlich ein Gesicht zu geben. Wer als Arzt oder Angehöriger eines Fachkreises von der Pharmaindustrie Geld erhalten will, muss gesetzlich verpflichtet werden, dies öffentlich zu machen“, so Brysch. Denn im Arzt-Patienten-Verhältnis sei Transparenz der Grundstein des Vertrauens und damit allerhöchstes Gut.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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