Themenwoche Lieferengpässe

Den Defekten auf der Spur

Berlin / Stuttgart - 30.05.2016, 09:31 Uhr

(Foto: Daniel Coulmann / Fotolia)

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Lieferengpässe sind ein ständiges Thema in der Apotheke, mit teils ärgerlichen, teils fatalen Auswirkungen. Und obwohl das Problem immer wieder diskutiert wird, hat sich bislang wenig an den Auslösern geändert. DAZ und DAZ.online machen Lieferengpässe nun zum zentralen Thema. 

Eine ganze Woche lang wird es auf DAZ.online Interviews, Berichte, Kommentare und Experten-Tipps geben. Alle Beteiligten der Lieferkette – Hersteller, Großhändler und Kassen, genauso wie Vertreter von Verbänden und Politik – kommen zu Wort. Anfang Mai haben wir mit Ihrer Hilfe Defekte gesammelt, um einmal einen Eindruck von der alltäglichen Situation in Deutschlands Apotheken zu erhalten. Die Aktion war leider ein voller Erfolg: Rund 50 Apotheker haben die PZN der Defekte eingetragen – vielen Dank an dieser Stelle von der gesamten Redaktion –  binnen weniger Tage kamen so knapp 3000 Arzneimittel zusammen, die in dieser Woche im ambulanten Bereich in Apotheken nicht lieferbar waren. Keine Kleinigkeit, wie wir finden. 

Sicher: Nicht jeder Defekt stellt für den Apotheker und letztlich seinen Patienten ein schwerwiegendes Problem dar. Vieles lässt sich durch Tausch oder das Verschieben der Therapie regeln. Lästig und ärgerlich für den Patienten ist es in jedem Fall, wenn er seine gewohnten Arzneimittel nicht erhält. Denn beispielsweise mit dem Beta-Blocker Metoprolol, einem Alendronsäurepräparat sowie Neuroleptika fehlten Präparate, die immer dauerhaft eingenommen werden.

Häufiges Hin und Her – vom Rabatt- zum Ersatzpräparat – gefährdet die Therapietreue und somit den Therapieerfolg. Und verursacht Kosten: der bislang stabile Psychiatriepatient erleidet möglicherweise einen Rückfall, dem Apotheker droht bei derartigen Tauschaktionen die Gefahr einer Retaxation

Doch es finden sich auch akut benötigte Arzneimittel unter denen, die fehlten, so war das Antibiotikum Cefaclor von zahlreichen Herstellern nicht lieferbar - und wir haben nur den ambulanten Bereich erfasst. Aus den Kliniken wurden uns ganz andere Fälle berichtet, dort kann die Nichtverfügbarkeit eines Antibiotikums oder eines Zytostatikums lebensbedrohlich sein 

Das darf nicht passieren, sagten uns alle Beteiligten der Lieferkette, mit denen wir gesprochen haben: Arzneimittelhersteller, Großhändler, Pharmaverbände genau wie Krankenkassen und das Bundesgesundheitsministerium. Interessant für uns war: Jeder Akteur schiebt einem anderen die Verantwortung für die Entstehung der Lieferengpässe zu. Konstruktive Lösungsvorschläge? Eher nicht. Lieber abwarten. 

Bis Freitag können Sie sich selbst einen Eindruck von der Realität machen. Den Auftakt am heutigen Montag machen die Apotheker: Zunächst die ABDA, Politikredakteur Benjamin Rohrer hat die Standesvertretung befragt.

Celine Müller, selbst Klinikapothekerin, hat mit Rudolf Bernard, Pharmaziedirektor der Krankenhausapotheke im Klinikum rechts der Isar in München und Vizepräsident des Bundesverbands deutscher Krankenhausapotheker, gesprochen.

Und letztlich kommt Hans Rudolf Diefenbach zu Wort. Kollegin Kirsten Sucker-Sket hat ihn zu den Hintergründen seiner Defektlisten-Aktivitäten befragt. Begonnen haben seine Aktivitäten in diesem Bereich bereits 2012. Sein Resümee:


Ich sehe meine Aufgabe nach vier Sammlungen dahingehend bestätigt dass die Lieferengpässe in einem System wie in Deutschland peinlich sind, weil man Ursachen nicht ehrlich benennt. Hier geht es schlicht ums Geld. Dass dabei der Marktpartner Apotheke, der gerade mal rund 2,4 Prozent der Arzneimittelkosten bekommt, für Strategien und Unfähigkeiten anderer den Kopf täglich hinhält, ist inakzeptabel." 

Hans Rudolf Diefenbach, Inhaber der Rosen-Apotheke in Offenbach, treibt das Thema Lieferengpässe schon lange um. 


Am Dienstag verschlägt es die DAZ.online-Themenwoche dann zu den Herstellern und ihren Verbänden, außerdem gibt es ein exklusives Kassen-Interview zum Thema. Am Mittwoch ist der Großhandel dran, am Donnerstag sind die Behörden gefragt: PEI und BfArM wurden durch Dr. Helga Blasius befragt, auch das BMG gibt seine Einschätzung ab.

In der DAZ finden Sie ebenfalls ein Spezial zum Thema. Am Freitag folgt der Abschluss - mit Ihren Reaktionen und einem - vorläufigen Fazit. Ich wünsche Ihnen eine spannende Woche, die hoffentlich die ein oder andere wichtige und vielleicht noch nicht bekannte Information liefert. 


Nicola Kuhrt, DAZ.online
redaktion@daz.online


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