Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

06.09.2015, 08:00 Uhr

Rückblick auf die letzte Woche (Foto: imagesab  - Fotolia. com)

Rückblick auf die letzte Woche (Foto: imagesab - Fotolia. com)


Es muss sich was tun! Bei den Lieferengpässen, von denen jetzt schon Allerweltsantibiotika betroffen sind. Bei den Importen, die selbst der BfArM-Präsident und die Krankenkassen für obsolet halten. Bei der Nullretaxation, die einfach nur absurd ist. Beim Apothekenhonorar, auch wenn die ABDA verzichtet und die Politik immer neue Daten will. Mein liebes Tagebuch, aber es tut sich was! Bei der gesundheitlichen Versorgung der Flüchtlinge – vor Ort, regional, durch private Initiativen. Und – endlich –Hilfe wird unbürokratischer.

31. August 2015

Er bleibt dabei, der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, Karl Broich: „Für den Parallelimport und vor allem für seine Zwangsquote gibt es aus meiner Sicht heutzutage überhaupt keinen Sinn mehr.“ Hallo, Gesundheitspolitiker und Krankenkassen, bitte genau hinhören: Zwangsquote bei Importen macht überhaupt keinen Sinn mehr! Und, mein liebes Tagebuch, was er auch sagt: Die Geschäfte einiger Arzneiimporteure, die wie Broker arbeiteten, „schaffen erst die Schlupflöcher, die Kriminelle dann für ihre Zwecke nutzen“. Tja, wie geht die Politik mit diesen Äußerungen um? Da darf sie sich doch nicht einfach taub stellen! 

 

Krankenhausapotheker und Infektiologen schlagen Alarm. Jetzt gibt es sogar schon Lieferengpässe bei bewährten Allerweltsantibiotika. Ein Beispiel: Der Grund für den Lieferengpass bei Ampicillin sind angeblich „Probleme bei der Herstellung“. Mein liebes Tagebuch, wir wissen, dass es nicht nur Probleme bei der Herstellung sind, sondern auch noch andere Ursachen die Arzneimittelverknappung hervorrufen, beispielsweise Produktionsverlagerung, Produktionsausfälle oder Ausschreibungen von Krankenkassen. Das Desaster ist nicht nur lästig, sondern kann eine handfeste Gefährdung der Patienten zur Folge haben. Muss nämlich auf Ersatzpräparate ausgewichen werden, könnte das die Bildung resistenter Bakterien begünstigen. Krankenhausapotheker und Ärzte fordern daher u. a., dass die Hersteller unverzüglich über Produktions- und Lieferschwierigkeiten informieren. Mein liebes Tagebuch, warum kommt da nicht endlich mal die ABDA aus den Puschen und schließt sich diesen Forderungen an? Warum unterstützt man unseren Lieferengpasseinzelkämpfer Haru Diefenbach nicht?

 

Ein wirklich interessanter Ansatz, den die Schweizer Krankenkasse Swica und die Apothekenkooperation TopPharm wagen: Wenn Patienten zuerst in eine TopPharm-Apotheke gehen und sich beraten lassen und erst im zweiten Schritt, falls erforderlich, den Arzt aufsuchen, erhalten die Patienten Rabatte auf ihre Versicherungsprämie – und die Apotheken ein Beratungshonorar. Hausärzte sollen entlastet werden, und die Krankenkasse hofft auf Einsparungen, wenn Patienten nicht jede Bagatellerkrankung beim Arzt abklären. Mein liebes Tagebuch, ob die Rechnung für alle aufgeht, wird das Modell zeigen. Aber dass man überhaupt einmal einen solchen Versuch fährt – find ich gut. Nicht auszudenken, was wäre, wenn jemand in Deutschland eine solche Zusammenarbeit vorschlagen würde... der Untergang des Abendlands, oder?

 

Thomapyrin „präsentierte“ unlängst einen Spiegel-online-Bericht über Kopfschmerzen. „Präsentieren“, mein liebes Tagebuch, so nennt man das, wenn man das Wörtchen „Anzeige“ vermeiden will. Wenn man aber seriös arbeitet, geht das gar nicht. Auch der Wettbewerbszentrale gefiel das überhaupt nicht – und mahnte daher nicht den Hersteller Boehringer, sondern Spiegel online als Betreiber dieser Website ab. Also, Spiegel online, aufgepasst! Wer andere vorführt, sollte sich selbst an die Spielregeln halten.

1. September 2015

Jetzt gehen sie in die Offensive, die Arzneiimporteure. Wenn selbst der BfArM-Präsident und sogar ein AOK-Chef die Importarzneimittel  für entbehrlich und als Einfallstor für Fälschungen halten und die Importförderung für obsolet ansehen, dann fühlt sich der Verband der Arznei-Importeure in der Pflicht, dagegen zu steuern.  „Genauso. Nur günstiger“ sollen sie sein, die Importarzneimittel, – das versucht seine Kampagne zu vermitteln. Mag bei Laien ankommen. Als Insider weiß  man, dass das Wunschdenken und ein Märchen ist. Ein Blick auf so manches Importarzneimittel zeigt’s.

2. September 2015

Laut GKV-Versorgungsstärkungsgesetz sollen sich GKV-Spitzenverband und  Deutscher Apothekerverband (DAV) zum Thema Retax bei Formfehlern einigen. Der Gesetzgeber hatte damit signalisiert, wie absurd es ist, dass Krankenkassen Apotheken auf Null retaxieren, nur weil sie Rezepte trotz geringster Formfehler beliefert haben, um die Patienten zu versorgen. Solche Fehler müssen „geheilt“, also im Nachhinein ausgebessert werden können, meinen auch Apothekerverband und Politik. Denn: Zum einen ist der Kasse dadurch kein Schaden entstanden und der Patient wurde versorgt, zum andern haben die Formfehler nicht die Apotheken, sondern die Ärzte verursacht.  Aber, mein liebes Tagebuch, man muss kein Wahrsager sein, um vorherzusehen, dass eine Einigung bis 1. Januar 2016 mit dem Spitzenverband wohl nicht möglich sein wird. Denn jede Retaxation trägt dazu  bei, die Arzneiausgaben zu verringern. Jetzt scheinen die Verhandlungen am seidenen Faden zu hängen. Und wenn nicht ganz bald eine Einigung zustande kommt, ruft der DAV die Schiedsstelle an. So wird’s wohl kommen.

 

Auch in dieser Woche gibt es einen Lauterbach: Angesichts immer wieder auftretender Lieferengpässe bei Arzneimitteln denke die Bundesregierung über neue gesetzliche Vorgaben für die Industrie nach, erklärte der SPD-Fraktionsvize in der „Bild“-Zeitung. Aber konkrete Pläne gebe es noch nicht und sind in diesem Jahr nicht zu erwarten. Na ja, immerhin, Lieferengpässe sind bei ihm angekommen, aber irgendwie ist das Thema für die Politik sichtlich nicht so dringlich. Kein Wunder, wenn von der ABDA offiziell so gut wie nichts dazu kommt…

Nein, untätig war er nicht, unser Deutscher Apothekerverband. Er hat es geschafft, sein Leib- und Magenthema, die Forderung nach einer Anpassung der Berechnungsgrundlage fürsApothekenhonorar, ins Bewusstsein des Bundeswirtschaftsministeriums zu bringen. Gespräche laufen, heißt es dort, aber alles schwierig, alles kompliziert, es gibt keinen Zeitplan. Gesicherte Daten fehlen, externe Gutachter seien notwendig. Und: Das kann dauern. So richtig zuversichtlich stimmt das alles nicht, mein liebes Tagebuch. Vor allem: Die Leier mit den fehlenden, belastbaren Daten ­– die verfolgt uns doch schon seit Jahren. Klar, es ist nicht einfach, die Umsatz- und Kostenentwicklungen der Apotheken Deutschlands übersichtlich darzustellen, die Apotheken sind nun mal sehr heterogen. Aber wenn es nun externe Gutachter richten sollen… – warum haben es wir selbst bisher nicht geschafft? Was das Ministerium immerhin bestätigte: Eine Honoraranpassung ist nicht durch den Bundesrat zustimmungspflichtig. Aber die ABDA begründete ihren Verzicht auf eine Honoraranpassungu. a. mit der Zustimmungspflichtigkeit – schon seltsam, oder?

3. September 2105

Mein liebes Tagebuch, trotz aller Gespräche und (fehlender) Berechnungen: Eine Erhöhung des Honorars wird’s so schnell nicht geben. Die Hoffnung können wir uns abschminken. Das jedenfalls ließ die Parlamentarische Staatssekretärin Ingrid Fischbach beim Sommerempfang des Apothekervereins Nordrhein durchblicken.  Man habe im Ministerium eine andere Sichtweise. Na super.

Die Leitbild-Diskussion ist vorbei, jetzt kommt die Berufsbild-Diskussion! Wie sieht das aktuelle Bild des Apothekerberufs eigentlich aus? Wie soll es aussehen? Auf einer Internet-Plattform soll ein von einer Arbeitsgruppe derBundesapothekerkammererstellter Vorschlag von allen Kammermitgliedern im November diskutiert werden – in einem ähnlichen Procedere wie seinerzeitbeim Leitbild. Sinn der Übung: Man möchte klären, ob die Approbationsordnung novelliert werden soll. Mein liebes Tagebuch, klar, soll sie. Denn das Leitbild, für das man sich im vergangenen Jahr entschieden hat, passt nicht mehr so recht zur Approbationsordnung von gestern. Also, alle kräftig mitdiskutieren im November – wir wissen ja trotz Pannen, wie’s geht.

4. September 2015

„Deutsche Gründlichkeit ist super, aber jetzt wird deutsche Flexibilität gebraucht“ – mit diesen Worten ließ Bundeskanzlerin Merkel anklingen, dass sich angesichts 800.000 Flüchtlingen, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen, etwas in der Flüchtlingsbürokratie ändern muss. Davon könnte in gewisser Weise auch die medizinische und pharmazeutische Versorgung dieser Menschen berührt werden. Während die Versorgung der Flüchtlinge nach ihrer Registrierung in einer der Landeserstaufnahmestellen (LEA) der Bundesländer weitgehend geregelt ist, bestehen noch viele Unsicherheiten, bevor sie überhaupt registriert sind. In diesem Status haben Flüchtlinge offiziell keinerlei Anspruch auf Gesundheitsleistungen – aber gesundheitliche Hilfe brauchen sie trotzdem. Zum Glück gibt es engagierte Ärzte, die sich bereit erklärt haben, ehrenamtlich zu helfen. Und wie sieht es mit pharmazeutischer Hilfe aus für die kleinen Beschwerden? Kopfschmerzmittel, Erkältungspräparate, Mittel gegen Magen- und Darmerkrankungen? Zurzeit wird das von den Ärzten mitübernommen, hört man. Ob und wie Apotheken hier konkret helfen können, dazu lassen sich derzeit keine pauschalen Empfehlungen geben, meint auch die Organisation „Apotheker ohne Grenzen“, die mittlerweile offiziell beschlossen hat, sich zu engagieren.

Mein liebes Tagebuch, hier ist vieles im Fluss. Wer helfen will, kann es tun, regional, vor Ort, aber auch durch Geldspenden. Da es kein einheitliches Vorgehen gibt und kaum geben kann, sind Einzelinitiativen gefragt. Vielleicht drückt auch der Deutsche Apothekertag ein wie auch immer ausgestaltetes Hilfsangebot aus.


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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