DAZ-Wochenschau

Schwierige Versorgung, kritische Äußerung und schmerzhafte Nebenwirkung

Stuttgart - 05.09.2015, 08:00 Uhr

(Fotos: scottchan, gena96 - Fotolia.com; Montage: DAZ/ekr)

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Gesundheitskarte für Flüchtlinge - ja oder nein, Bürokratie für einen Arztbesuch, Probleme mit der Abrechnung der Rezepte, es läuft noch nicht alles rund bei der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge. Die noch nicht registrierten Flüchtlinge wären hingegen froh, wenn sie diese Probleme hätten, weil das gleichbedeutend mit einem Zugang zur Regelversorgung wäre. Sie sind auf die Hilfe Ehrenamtlicher und Spenden angewiesen. Mehr dazu sowie zu neuen kritischen Äußerungen der Frauenärzte zur „Pille danach“, schmerzhaften Nebenwirkungen von DPP-4-Inhibitoren und weiteren Themen dieser Woche in unserer Wochenschau.

Flüchtlingshilfe

Während auf politischer Ebene über die Einführung einer Gesundheitskarte für Flüchtlinge gestritten wird – die Befürworter wollen die medizinische Versorgung entbürokratisieren, die Gegner behaupten, ein leichterer Zugang zum Gesundheitssystem würde zusätzliche Anreize schaffen, gibt es vor Ort in den Unterkünften ganz andere Probleme. Da Flüchtlinge vor ihrer Registrierung, die sich mancherorts angesichts der vielen Neuankömmling in die Länge zieht, keinen Anspruch auf medizinische Versorgung haben, sind sie auf die Hilfe Ehrenamtlicher angewiesen. Und die sind zum Glück zahlreich vorhanden. So sind beispielsweise in Berlin seit dieser Woche Ärzte im Einsatz und Apotheker im Saarland haben auf Initiative der Apothekerkammer Medikamente gespendet. Aber es immer noch viel zu tun. Besonders problematisch ist die Versorgung der Kinder, darauf haben Kinderärzte jetzt hingewiesen. Außerdem werden Dinge wie Hygieneartikel und auch Arzneimittel, aber auch Buggys und Kinderwägen dringend benötigt. Apothekern, die helfen wollen, wird geraten, sich an lokale Flüchtlingsnetzwerke oder die Apotheker-ohne Grenzen-Regionalgruppen zu wenden. Sind die Flüchtlinge dann registriert, haben sie Anspruch auf medizinische Versorgung im Akutfall. Aber auch da läuft noch nicht alles ganz rund, hier gibt es vor allem Abrechnungsprobleme.

Nebenwirkung der DPP-4-Hemmer

Die FDA warnt vor Gelenkschmerzen unter DPP-4-Hemmern, einer Wirkstoffgruppe der neuen Antidiabetika. 33 Fälle waren seit Zulassung der ersten Substanz dieser Gruppe aufgetreten. Wird das Präparat abgesetzt, lassen die Beschwerden nach. Die FDA vermutet einen kausalen Zusammenhang.

Zyklus bestimmen oder nicht?

Die Frauenärzte gehörten zu den größten Gegnern des OTC-Switch der „Pille danach“- Auch jetzt noch üben sie Kritik an der Beratungspraxis. Allerdings sind sich verschiedene Fachverbände in ihren Empfehlungen nicht ganz einig.

Kein Zusatznutzen für Cosentyx®

Das Präparat mit dem Wirkstoff Secukinumab ist seit Januar 2015 für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis zugelassen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zeigte sich von dem Mittel nicht überzeugt und attestierte fehlenden Zusatznutzen. Hersteller Novartis warf dem Institut vor, die Versorgungsrealität auszublenden.

Thromboserisiko heruntergespielt?

Eine Schweizer Krankenversicherung beschuldigt Yasmin®-Hersteller Bayer und die Schweizer Aufsichtsbehörde Swissmedic der unsauberen Arbeit. Die Risiken bei Einnahme der Pille seien in der Packungsbeilage unvollständig oder falsch dargestellt.

Erstattungsbetrag für Selincro® steht

Nalmefen (Selincro® ) ist in Europa seit dem 1. September 2014 verfügbar und zugelassen zur Reduktion des Alkoholkonsums bei Erwachsenen mit Alkoholabhängigkeit. Im Rahmen der frühen Nutzenbewertung war kein Zusatznutzen gesehen worden, Hersteller und GKV-Spitzenverband haben sich aber auf einen Erstattungsbeitrag geeinigt.

Polio in der Ukraine

Zwei kleine Kinder im Südwesten der Ukraine sind an Polio (Kinderlähmung) erkrankt. Das sind die ersten Fälle in Europa seit fünf Jahren. In der Ukraine soll lediglich die Hälfte der Kinder geimpft sein.

DAT-Anträge

Gleich mehrere Anträge zum Deutschen Apothekertag 2015 beschäftigen sich mit der leidvollen Retax-Problematik, außerdem fordern die Apotheker die konsequente Einbindung in den Medikationsplan für GKV-Versicherte.

 


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