Frankreich

Vergütung der Apotheken „katastrophal“

Remagen - 04.09.2015, 10:30 Uhr

In Frankreich verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation der Apotheken. (Foto: PackShot/Fotolia)

In Frankreich verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation der Apotheken. (Foto: PackShot/Fotolia)


Nach den ersten Erfahrungen mit dem neuen Vergütungsmodus, der seit Anfang diesen Jahres gilt, sind die französischen Apotheker ernsthaft besorgt um ihre Einkommenssituation. Die aktuellen Daten für den Monat Juli 2015, die von IMS Pharmastat veröffentlicht wurden, seien gelinde ausgedrückt „beunruhigend“, meldet „le Moniteur des pharmacies“.

Nach Margen-Verlusten in Höhe von 52 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014, seien es im Juli noch einmal 21 Millionen Euro weniger gewesen als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Dies entspreche einem Rückgang von knapp 4,5 Prozent. Die Juli-Zahlen zeigten verschiedene Phänomene auf: einen Rückgang der verkauften Einheiten (-3,23 %) und der Verordnungen (-1,95 %) und vor allem zum ersten Mal einen Rückgang bei den komplexen Verordnungen (-4,04 %).

Schon in den letzten Monaten hatten sich die Franzosen bezüglich der Auswirkungen des neuen Honorierungssystems der Apotheken wiederholt in Rechenexempeln geübt. Während die Apothekergewerkschaft FSPF (Fédération des syndicats pharmaceutiques) im März 2015 nach einer Extrapolation der Zahlen von Januar noch von einer Gewinnsituation ausgegangen war, hatte die Union des syndicats de pharmaciens d'officine (USPO) vor den Preissenkungen bei bestimmten Präparategruppen von Februar bis April gewarnt, die den Apotheken in diesem Jahr Margenverluste in Höhe von durchschnittlich 5800 Euro und im Jahr 2016 von 6700 Euro bescheren könnten.

Reform ist „Augenwischerei“

Auf der Grundlage dieser neuesten Daten bekräftigt der Präsident der USPO, Gilles Bonnefond, seine scharfe Kritik in Bezug auf die neue Honorierung: „Diese Reform ist Augenwischerei, denn die Vergütungen schützen uns nicht vor Preissenkungen“, sagt er. Bonnefond fordert deshalb das Einfrieren der zweiten Stufe der Reform. Die Apotheker sollten weiter auf eine rasche Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Reform des Vergütungsmodus drängen, bevor es mit der nächsten Etappe losgehe. „Der Monat Juli ist katastrophal. Alle Kontrolleuchten stehen auf Rot. Deshalb müssen wir eine Mobilisierung ins Auge fassen“, so seine Begründung.

Der Vergütungsmodus wurde zwischen der nationalen Union der Krankenversicherungen (UNCAM) auf der einen Seite und den Apothekerorganisationen FSPF und USPO auf der anderen Seite verhandelt. Der entsprechende Erlass von Ende November 2014 ist am 1. Januar 2015 in Kraft getreten. Er löste das vorherige Dekret vom 4. August 1987 bezüglich der Preise und Margen für Arzneispezialitäten ab. Die wesentlichen Neuerungen sind packungsbezogene Vergütungen und im Gegenzug eine Senkung der Apothekenmargen. Nach Berechnungen auf der Webseite der USPO würden sich diese ab Januar 2015 auf 28 Prozent der Präparate auswirken und ab dem nächsten Jahr auf 85 Prozent.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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