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Lieferengpässe, Insulin-Biosimilar und Neues vom „Arzneimittelexperten“

29.08.2015, 07:40 Uhr

(Fotos: scottchan, gena96 - Fotolia.com; Montage: DAZ/ekr)

(Fotos: scottchan, gena96 - Fotolia.com; Montage: DAZ/ekr)


Helfen Appelle an die Moral bei Lieferengpässen? Welche Vorteile hat das erste Insulin-Biosimilar? Was gibt es Neues vom „Arzneimittelexperten“ Glaeske? Was sagen die neuen STIKO-Impfempfehlungen? Wie sinnvoll ist Vitamin D? Liegt die Zukunft in online-Sprechstunden? Und woran starb Eisbär Knut? Das alles und noch viel mehr können Sie in unserer Wochenschau lesen. 

Ärger über Lieferunterbrechung

Wegen der Lieferengpässe beim Zytostatikum Melphalan (Alkeran®) fordern der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker, die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft  und die Deutsche Gesellschaft für Onkologische Pharmazie wirksame Maßnahmen des Gesetzgebers, um die Verfügbarkeit von unverzichtbaren Arzneimitteln sicherzustellen. Ohne weitere rechtliche Regelungen sei es einfach nicht möglich, gravierende Engpässe in der Arzneimittelversorgung  zu vermeiden. ADKA, AkdÄ und DGOP appellieren auch an die ethische Verantwortung der pharmazeutischen Industrie. Angesichts der Gewinne der Unternehmen sollte garantiert sein, dass Arzneimittel kontinuierlich zur Verfügung gestellt werden.

Neue Impfempfehlungen der STIKO

Die Ständige Impfkommission hat ihre Impfempfehlungen aktualisiert. Säuglinge sollen bei der Pneumokokken-Impfung künftig drei statt bisher vier Impfstoffdosen eines Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs erhalten (2+1-Schema, zwei Grundimmunisierungen plus eine Auffrischung). Für die bestmögliche Wirksamkeit sollen die einzelnen Impfstoffdosen unbedingt im empfohlenen Alter gegeben werden. Eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B empfiehlt die STIKO nach wie vor nicht generell. Bei der Gelbfieberimpfung wird keine Auffrischimpfung mehr empfohlen.

Erstes Insulin-Biosimilar kommt

Ab 1. September bekommt Insulin glargin Konkurrenz: mit Abasaglar® wird das erste Biosimilar erhältlich sein. In den Zulassungstudien wurde gezeigt, dass Abasaglar® dem Original Lantus® gleichwertig ist. Aus medizinischer Sicht gibt es keine Gründe, warum das eine oder das andere zu bevorzugen ist. Auch über den Preis wird sich das Biosimilar nicht vom Original abheben können. Die Therapie mit einem Analoginsulin darf für die Gesetzliche Krankenversicherung nicht mehr kosten als die Therapie mit Humaninsulin.

Vitamin-D-Präparate nur teilweise sinnvoll

Mit der Frage, wie sinnvoll die Einnahme von Vitamin D ist, hat sich die Stiftung Warentest auseinandergesetzt. Fazit: „Nach jetzigem Kenntnisstand schützen Vitamin-D-Präparate nur bedingt vor Krankheiten.“ Warentest empfiehlt Risikogruppen die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten zur Knochenstärkung: Babys im ersten Lebensjahr und zweiten Winter, Senioren ab 65 Jahren, dunkelhäutigen Menschen, Personen mit sehr wenig Sonnenkontakt und Kranken. 

Video-Sprechstunde online

Die Techniker Krankenkasse erprobt eine online-Sprechstunde mit der Arztpraxis. Das Pilotprojekt soll die Tür zu echter Telemedizin im ambulanten ärztlichen Bereich öffnen. Damit genügend Ärzte mitmachen, erhalten sie ein Extra-Honorar von der TK. Für Ärzte bedeute dies den Einstieg in eine neue Form vergüteter Arbeit. Und für Patienten soll die Online-Video-Sprechstunde perspektivisch ein medizinisches Angebot auch dort bieten, wo keine Strukturen vorhanden sind – zum Beispiel in ländlichen Gebieten. Jetzt müssen nur die Patienten überzeugt werden: Nach einer repräsentativen Befragung zum Thema „ZukunftsMonitor –Gesundheit neu denken“ verbinden mit der Telemedizin, bei der sich Arzt und Patient etwa via Computer oder Webcam austauschen, nur 38% Chancen, 52% eher Risiken.

Glaeske als Apotheken-Ratgeber

Manche rezeptfreien Medikamente bringen zwar den Herstellern Geld, helfen den Patienten aber wenig – dieses bekannte Thema greift der „Stern“ wieder auf. Professor Gerd Glaeske nennt 17 Arzneimittel, „die Sie sich vom Apotheker nicht aufschwatzen lassen sollten“ - und sorgt wieder für Diskussionen auf DAZ.online. Es sind viele der üblichen Kandidaten, die Glaeske kritisiert: Kombinationspräparate bei den Schmerzmitteln und den Grippemitteln und eine homöopathische Halsschmerzkombi sowie Nasenspray mit Konservierungsmittel.

„Können Sie das bitte erklären?“

Eine Beratung von Patienten, die Schwierigkeiten mit dem Lesen, Schreiben und Rechnen haben oder einen Migrationshintergrund, ist schwer. Der niederländische Apothekerverband hat Tools wie gesprochene Texte, Icons und Animationen entwickelt, die auf einer vereinfachten Webseite zu finden sind. Die Icons wurden mit den Zielgruppen getestet. Ein „Wörterbuch“ und ein Glossar liefern einfache Erklärungen zu den wichtigsten Beratungsthemen. Ein e-Learning soll Krankenschwestern, Pflege-Assistenten und Apothekern passendes  Handwerkszeug geben, damit sie analphabetische  Patienten gut betreuen können. Die Kampagne könnte angesichts des Zustroms an Flüchtlingen nach Europa auch für andere Länder Vorbildcharakter haben. 

Sierra Leone entlässt letzten Ebola-Patienten

In Sierra Leone ist der letzte bekannte Ebola-Patient geheilt aus dem Krankenhaus entlassen worden. Damit beginnt für den westafrikanischen Staat ein banges Warten, denn erst nach 42 Tagen ohne Neuansteckung gilt ein Land als Ebola-frei. Die Ebola-Krise in Westafrika werde erst vorbei sein, wenn die betroffenen Länder – Liberia, Guinea und Sierra Leone – 42 Tage Ebola-frei bleiben. Die Krankheit hat eine Inkubationszeit von bis zu 21 Tagen. Im Nachbarland Guinea habe es vergangene Woche wieder drei neue Fälle gegeben.

 Woran Eisbär Knut starb

Riesige Knopfaugen und ein zumindest kuschelig wirkendes weißes Fell – das waren die Markenzeichen von Eisbär Knut aus dem Berliner Zoo. Nach seinem plötzlichen Tod im Alter von nur vier Jahren trauerten Fans in ganz Deutschland und darüber hinaus. Jetzt haben Forscher die genaue Ursache von Knuts Krankheit entdeckt: eine „Enzephalitis ohne Erregernachweis“. Eine Autoimmunreaktion, die Knuts Gehirnentzündung verursacht hat, hatte bei ihm im März 2011 einen epileptischen Anfall ausgelöst. In dessen Folge stürzte Knut in ein Wasserbecken und ertrank.


Dr. Carolina Kusnick (ck), Apothekerin 
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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