Medikationsmanagement

Weigeldt poltert gegen Apotheken

Berlin - 24.08.2015, 12:10 Uhr

Der Medikationsplan ist ausschließlich eine Aufgabe für den Hausarzt, meint Ulrich Weigeldt. (Foto: Deutscher Hausärzteverband)

Der Medikationsplan ist ausschließlich eine Aufgabe für den Hausarzt, meint Ulrich Weigeldt. (Foto: Deutscher Hausärzteverband)


Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hält es nicht für nötig, Apotheken stärker in das Medikationsmanagement einzubinden als es der E-Health-Gesetzentwurf derzeit vorsieht. Nur der Hausarzt habe den nötigen Überblick über die Arzneimittelverordnungen, betont er in einer Pressemeldung seines Verbandes. Zudem gibt Weigeldt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt eine Retour-Kutsche, der kürzlich in einem Interview Schweizer Apotheken, die vom Hausarzt die Lotsenfunktion übernommen haben, als mögliches Vorbild nannte: Er verweist seinerseits auf das Dispensierrecht der Schweizer Ärzte.

Weigeldt ist bekannt für seine provokanten Äußerungen – auch gegenüber Apothekern. Schon das ABDA/KBV-Modell war ihm ein Dorn im Auge, da es Patienten „keinerlei Vorteile“ bringe. Nun fordert er im Namen des Deutschen Hausärzteverbands, Hausärztinnen und Hausärzte als zentrale Akteure beim Medikationsmanagement zu stärken. „Der Hausarzt ist der einzige, der einen seriösen Überblick über sämtliche Arzneimittelverschreibungen haben kann, denn bei ihm laufen sämtliche Befunde zusammen. Dies kann niemand anderes leisten“, behauptet Weigeldt. Der Hausarzt kenne seine Patienten am besten – und für deren Sicherheit sei es daher „zwingend notwendig, dass das Medikationsmanagement bei den Hausärztinnen und Hausärzten liegt“.

Was den im E-Health Gesetz vorgesehenen Medikationsmanagement betrifft, erklärt Weigeldt: „Unabhängig davon, ob es sich um IT-Anwendungen oder um Medikationspläne in Papierform handelt – am Ende muss der Hausarzt in Abstimmung mit den Patienten und unter Berücksichtigung dessen Gesamtsituation beurteilen, wie der jeweilige Medikationsplan aussehen muss“. IT-Anwendungen eröffneten Chancen, die künftig noch mehr genutzt werden müssten, um die Arzneimitteltherapiesicherheit zu steigern.

Kompetenzverteilung führt nicht zu mehr Sicherheit

Weigeldt fährt fort, dass dabei eine Zusammenarbeit mit Apothekern, Fachärzten und Kliniken notwendig und sinnvoll sei. Zugleich mahnt er, dass eine Verteilung der Kompetenzen auf viele Schultern nicht zu mehr Sicherheit bei der Verschreibung von Medikamenten führe, sondern vielmehr zu fehleranfälligen Schnittstellen. Mit Blick auf Friedemann Schmidts vorletzte Woche in mehreren Zeitungen veröffentlichtes Interview stichelt der Hausärzte-Funktionär: „Wenn von einzelnen Vertretern die Schweiz als Vorbild angeführt wird, wo Apotheker angeblich auch ohne Hausärzte zurecht kommen würden, dann sollte man gleichzeitig nicht vergessen, dass in weiten Teilen der Schweiz Hausärztinnen und Hausärzte das Dispensierrecht haben. Dies reduziert Schnittstellen, erhöht die Arzneimittelsicherheit und wird dort von der Bevölkerung außerordentlich positiv beurteilt“. 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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